Nicht erprobt – Kosmonauten verweigern Flug mit SpaceX

Die NASA hat die ersten 4 Personen nominiert, die mit SpaceX zur ISS fliegen sollen. Erstaunlich ist, wer nicht dabei ist.

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Zeichnung eines Andockmanövers des Crew Dragon an die ISS

(Bild: SpaceX)

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Russland weigert sich, einen Kosmonauten mit der SpaceX-Raumkapsel Crew Dragon ins All schießen zu lassen. Also sollen drei Amerikaner und ein Japaner den Erstflug zur Internationalen Raumstation (ISS) besteigen. Offiziell hegt das staatliche russische Raumfahrtunternehmen Roskosmos Sicherheitsbedenken. Bisher war bei bemannten Flügen zur ISS üblich, dass wenigstens ein Raumfahrer der jeweils anderen Nation mit an Bord ist. So wurde sichergestellt, dass auch an Bord der ISS stets beide Staaten vertreten sind.

"Die russische Seite hat angemerkt, dass es vor ihrer Zustimmung zu einer gemischten Besatzung erfolgreiche Starts (kommerzieller Mannschaftstransporte der USA) geben muss", zitiert Spacenews Tom Stafford vom ISS-Beirat der NASA, "Roskosmos wird nach erfolgreichen Starts eine Teilnahme in Betracht ziehen, aber nicht am Erstflug des Fahrzeugs teilnehmen." Die russischen Vertreter fürchten, dass bei der Entwicklung des Crew Dragon zu hastig vorgegangen wurde. Auch mögliche Risiken des Fallschirmsystems haben sie vorgebracht.

Bislang hat Crew Dragon einen erfolgreichen Flug zur ISS absolviert, bei dem jedoch nur Fracht zugestellt wurde. Bereits im Mai könnte es den ersten bemannten Testflug mit zwei Astronauten geben, der bereits zur ISS geschickt wird. Später im laufenden Jahr könnte dann der erste "reguläre" Crew-Dragon-Transport mit vier Besatzungsmitgliedern zur ISS erfolgen. Damit würde Roskosmos das lukrative Monopol für Personentransporte zur ISS verlieren.

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Seit die NASA 2011 ihre Space Shuttle einmotten musste, haben die USA Russland jährlich hunderte Millionen US-Dollar für Astronautenflüge zur sowie von der ISS bezahlt. Nun gibt es mit dem Crew Dragon bald eine privatwirtschaftliche Alternative aus dem eigenen Land, die noch dazu bis zu sieben Personen gleichzeitig befördern kann. Dazu soll sich auch noch Boeings Starliner gesellen.

Zwar möchte die NASA grundsätzlich an gemischten Mannschaftstransporten sowohl mit russischen Sojus-Raketen als auch mit amerikanischen Raumfahrzeugen festhalten. Doch weil die US-Anbieter billiger sind, steht Roskosmos nun preislich unter Druck. Und moderne Eigenentwicklungen hat Russland nicht vorzuweisen: Das Sojus-Raumschiff basiert nach wie vor auf der Arbeit von Sergei Koroljows Gruppe aus den 1960er Jahren. Es hat sich bewährt, die meisten Bugs dürften ausgebügelt sein, aber nun drängen effizientere Fahrzeuge in den Markt.

Schon dem ersten, unbemannten Crew-Dragon-Flug zur ISS hat Roskosmos nur widerstrebend zugestimmt, wie The Atlantic voriges Jahr berichtet hat. Während die ältere SpaceX-Frachtkapsel Dragon 1 bei ihrer Ankunft vom Canadarm der ISS eingefangen wurde, dockt Crew Dragon selbst direkt an einer neuen Schleuse an. Das erfordert sehr exakte Manöver. Bisher hatten Raumfahrzeuge stets redundante Systeme für das Andockmanöver. Beim Crew Dragon hingegen gibt es kein separates Backup, sondern nur Redundanz innerhalb des Hauptcomputers. Die Russen befürchten eine tödliche Karambolage, sollte dieser Computer versagen.

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Allerdings kann Roskosmos-Chef Dmitri Rogosin SpaceX-Chef Elon Musk schon seit Jahren nicht ausstehen und spricht ihm, auch öffentlich, ausreichende Sachkenntnis ab. Die Raumfahrt-Diplomatie wird dadurch erschwert, dass die USA wie auch die EU in Zusammenhang mit Russlands Teilannektion der Ukraine Sanktionen über Rogosin verhängt haben. Der Mann war bis 2011 Vertreter der Russischen Föderation bei der NATO, danach bis 2018 stellvertretender Ministerpräsident seines Landes.

[Update 8:55 Uhr]: Angaben zum Testflug korrigiert. Er führt ebenfalls zur ISS, mit kürzerem Aufenthalt vor Ort. (ds)