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Nie den Computerleuten ausgeliefert sein: zum Tode von Heinz Sebiger

Der Mitgründer und Ehrenvorstandsvorsitzende der DATEV, Heinz Sebiger, ist tot. Sebiger setzte sich frühzeitig für die zentralisierte Rechentechnik ein und verlor nie das Interesse an technischen Entwicklungen.

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Ein IBM-System 360/20 im Deutschen Museum, München

(Bild:  Ben Franske , CC BY 2.5 )

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Im Alter von 93 Jahren ist der DATEV-Mitgründer Heinz Sebiger in Nürnberg gestorben. Mit der Gründung der "Datenverarbeitungsorganisation der Steuerbevollmächtigten für die Angehörigen des steuerberatenden Berufes in der Bundesrepublik Deutschland" im Jahre 1966 setzte sich Sebiger frühzeitig für die zentralisierte Rechentechnik ein. Seinen letzten Auftritt in der Öffentlichkeit hatte er am 50. Geburtstag der DATEV.

Dr. h.c. Heinz Sebiger, Steuerberater, Ehrenvorstandsvorsitzender der DATEV eG

(Bild: DATEV eG)

In den 60er Jahren scheiterte der damals 40 Jahre alte Nürnberger Steuerberater Heinz Sebiger beim Versuch, Buchungsdaten eines Mandanten in einem externen Rechenzentrum verarbeiten zu lassen. Die fortschrittlichsten Steuerberater dieser Zeit arbeiteten mit der Olivetti Telebanda 1731 und einem Lochstreifenstanzer und schickten die Lochstreifen zu einem Rechenzentrum.

Der Misserfolg brachte ihn auf die Idee, ein eigenes Rechenzentrum nur für Steuerberater zu betreiben. Mit fünf weiteren Steuerberatern gründete er im Februar 1966 die DATEV als eingetragene Genossenschaft. Sie hatte das Ziel "eine elektronische Datenverarbeitungsanlage zu dem Zeitpunkt zu betreiben, an dem die Menge des zu verarbeitenden Datenmaterials die rentable Auslastung der eigenen Anlage sicherstellt." Dieses Ziel wurde nominell bereits Ende 1966 erreicht, als die DATEV 180 Mitglieder mit ca. 3000 Mandanten hatte.

Dann begannen langwierige Verhandlungen: "Ich konnte doch zwischen Experten und Scharlatanen nicht unterscheiden. Je mehr ich mich mit der Materie beschäftigte, desto mehr spürte ich, wie sehr wir den Computerleuten ausgeliefert waren", erzählte Sebiger später. Der fortlaufende Umgang mit den IT-Fachleuten bewog ihn dazu, in den 80er Jahren an der Fernuniversität Hagen Informatik zu studieren.

Man mietete für 245.000 DM im Monat zwei IBM /360-Systeme, die vom damaligen Bundesfinanzminister Franz-Josef Strauss am 31. Januar 1969 gestartet wurden. Die Anlage war vom Start weg ausgelastet. Als IBM sein Großrechnersystem /370 vorstellte, war Heinz Sebiger mit der DATEV der erste Besteller: Er orderte gleich zwei /370-165 für 8 Millionen DM Jahresmiete. Sebiger war es auch, der dafür sorgte, dass die DATEV Präsenz auf Messen wie der CeBIT zeigte, auf denen sonst die Computerleute dominierten.

Heinz Sebiger leitete die Geschicke über eine lange Zeit. Erst 1996 übergab er den Vorstandsvorsitz an Dieter Kempf. Bis ins hohe Alter war er sehr an der technischen Entwicklung interessiert und nutzte Smartphone und Tablets. Der vielfach geehrte Nürnberger war besonders stolz auf seine Kontakte mit Japan, wo eine der DATEV sehr ähnliche Organisation der Steuerberater entstand. (kbe)