Menü

Niederländische Bürgerinitiative knackt Nedap-Wahlcomputer

Der niederländischen Bürgerinitiative "Wij vertrouwen stemcomputers niet" (Wir vertrauen Wahlcomputern nicht) ist es kurz vor den bevorstehenden Parlamentswahlen am 22. November offenbar gelungen, einen Wahlcomputer des Typs Nedap ES3B so zu manipulieren, dass dieser bei der Auszählung der Stimmen das Wahlergebnis verfälscht. In einem gestern ausgestrahlten Beitrag der Sendung Een Vandaag des holländischen Fernsehens Nederland 1 führte die Gruppe vor laufender Kamera vor, wie sie das Steuerungsprogramm des Wahlcomputers einfach durch den Wechsel zweier gesockelter EPROMS auf der Platine austauschte. Um an die Bausteine zu gelangen, mussten lediglich einige Gehäuseschrauben gelöst werden. Der gesamte Eingriff benötigte nicht einmal fünf Minuten.

Derartige Manipulationen sind weder für Wähler noch für Wahlvorstände erkennbar. In den Niederlanden wird – ebenso wie in Deutschland, wo praktisch baugleiche Nedap-Geräte bereits zum Einsatz kommen – lediglich ein Wahlcomputer des jeweiligen Typs in einer Baumusterprüfung der technischen Kontrolle unterzogen. Allgemein verbindliche Vorschriften für eine sichere Verwahrung der Geräte gibt es in beiden Ländern nicht.

In dem Nachbarland wird bereits flächendeckend an Wahlcomputern gewählt, und dies zu über 90 Prozent an den Geräten des heimischen Herstellers Nedap/Groenendaal. Deren Geschäftsführer Jan Groenendaal hatte noch im August behauptet, dass Hacker "absolut keine Chance" hätten. Bei dem Wahlgerät handele es sich nicht um einen Wahlcomputer, sondern um eine so genannte Dedicated Special Purpose Machine, "die ausschließlich für den Zweck einer Wahl und sonst nichts anderes hergestellt wurde" (PDF auf deutsch). Den Beweis, "dass man mit unserer Wahlmaschine auch Schach spielen kann", so Groenendaal, "würde ich gerne vorgeführt bekommen". In dem gestern ausgestrahlten Beitrag tat ihm die Gruppe den Gefallen, indem sie auf dem gehackten Gerät ein Schachprogramm installierte: Der umfunktionierte Wahlcomputer eröffnete mit d2-d4.

Siehe dazu auch in c't 20/2006 den Artikel "Obskure Demokratie-Maschine", erhältlich im heise-Kiosk. (Richard Sietmann) / (Richard Sietmann) / (anw)

Anzeige
Zur Startseite
Anzeige