Niedersachsen: Mit KI gegen Darstellungen von Kindesmissbrauch

Niedersachsens Ermittler können nun ein Jahr lang testen, inwieweit ihnen eine neue KI bei der Suche nach einschlägigem Material helfen kann.

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(Bild: Heiko Kueverling/Shutterstock.com)

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Niedersachsen will als erstes Bundesland ein neuronales Netz zur Erkennung von pornografischen Darstellungen von Kindern einsetzen. Den Ermittlern werde die selbst entwickelte Software nun in einer einjährigen Testphase zur Verfügung gestellt, teilte das Landeskriminalamt am Donnerstag mit. Sie soll unter anderem die Bearbeiter entlasten und zu schnelleren Urteilen gegen Täter führen, sagte der niedersächsische Innenminister Boris Pistorius (SPD). Allein 2018 sei Material in einem Umfang von 1,3 Petabyte sichergestellt worden und es sei ein kaum noch zu leistender Aufwand, das Material zu sichten und bewerten.

Die Polizei in Niedersachsen nehme eine Vorreiterrolle ein, sagte Pistorius der Nachrichtenagentur dpa zufolge. Ähnliche Projekte gibt es aber auch anderswo, zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen. Das selbstentwickelte neuronale Netz sei lernfähig und könne kinder- sowie jugendpornografische Inhalte erkennen könne, erklärte LKA-Präsident Friedo de Vries. Bislang sei das Material manuell gesichtet worden. Während aber ein Ermittler pro Sekunde ein Bild sichten und im Jahr eine Datenmenge von 4,75 Terabyte bearbeiten könne, bewältige die Software das in weniger als drei Tagen.

Die Software erreicht de Vries zufolge "schon jetzt eine bislang in Deutschland noch nicht erreichte Erfolgsquote". Die KI soll demnach pornografische Bilder und Videos in dem Datenwust finden und zur Bewertung an Ermittler weitergeben. Der Mitteilung zufolge hat die Software eine Erfolgsquote von über 96 Prozent, "wenn es um die Erkennung von Dateien mit nicht pornografischem Inhalt geht". Das heißt aber auch, dass ihr 4 Prozent der pornografischen Bilder durch die Lappen gehen. Im Rahmen der Pilotierung soll sie nun weiter geprüft und trainiert werden, heißt es. (mho)