Niedersachsen rüstet sich gegen Computerkriminalität

Der moderne Ganove kommt nicht mit dem Brecheisen, sondern schleicht sich spurlos ins Online-Banking ein. Um Computerkriminalität zu bekämpfen, setzt Niedersachsens Justiz zusätzliche Experten ein.

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(Bild: dpa, Uli Deck/Archiv)

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  • dpa

Der Rauschgifthandel dominiert zwar nach der Statistik weiter die Organisierte Kriminalität in Niedersachsen, eine größere Herausforderung aber ist die zunehmende Computerkriminalität. Angesichts der steigenden Zahl geplünderter Online-Bankkonten und für kriminelle Machenschaften ausgespähter E-Mail-Daten habe Niedersachsen zusätzliche Staatsanwälte und Experten eingesetzt, sagte Justizministerin Antje Niewisch-Lennartz (Grüne) am Montag zur Vorstellung des Lagebilds zur Organisierten Kriminalität 2013. Auch bei der strategischen Ausrichtung und Ausbildung der Polizei spiele Cybercrime eine große Rolle, sagte Innenminister Boris Pistorius (SPD).

Noch lasse sich die Kriminalität rund um fingierte Rechnungen und Phishing-Mails in Postfächern nicht detailliert in Zahlen fassen, dringend müsse das Phänomen aber separat in der Statistik erfasst werden, forderten die Minister. Da hier wie in anderen Bereichen der Organisierten Kriminalität enorme Geldsummen verdient würden, müsse die Gewinnabschöpfung erleichtert werden. Die Beweislast müsse umgekehrt werden, so dass Verdächtige mit unklaren Geldeinkommen nachweisen müssten, dass das Geld aus legalen Aktivitäten stammt.

Bislang kann die Justiz nur einen kleinen Teil des kriminellen Geldes einkassieren. 2013 waren dies von 36,6 Millionen Euro krimineller Gewinne in Niedersachsen nur sieben Prozent.

Opfer von Cybercrime merkten zunächst häufig nichts von der Attacke auf ihren Rechner, sagte Oberstaatsanwalt Frank Lange von der auf Computerkriminalität spezialisierten Staatsanwaltschaft in Verden. Wer etwa den Link in der Mail zu einer fingierten Telefonrechnung zu öffnen versuche, stelle auf seinem Computer zunächst nichts fest. Dieser könne nun aber über ein Netzwerk von Servern – womöglich von einem anderen Kontinent aus – ferngesteuert werden. Vollautomatisch geräumte Konten und andere Machenschaften mit den ausgespähten Zugangsdaten auch etwa zu sozialen Netzwerken seien die Folge. Eine Million deutscher Computer seien jährlich betroffen.

Über Grenzen hinweg gelinge es den Fahndern durchaus, den Kriminellen ihr Tun zu erschweren und Täter zu fassen, sagte Lange. "Es gehen viele der Ansätze fehl, weil wir nicht schnell genug da waren. Aber irgendwann sind wir schnell genug da." Innenminister Pistorius setzt bei der Kriminalität im Internet auch auf mehr Prävention, die Polizei alleine könne nicht jede Abzocke verhindern. "Es geht um Grundregeln, dass man nicht auf irgendeine Mail mit einem Link einfach sein Kennwort eingibt, so wie man nicht über eine rote Ampel geht." (anw)