Niedersachsens Justizministerin für dreimonatige Vorratsdatenspeicherung

Die Anonymität im Netz ist vielen Strafverfolgern ein Dorn im Auge. Niedersachsens Justizministerin will den Ermittlern die Arbeit erleichtern.

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(Bild: Maksim Kabakou/Shutterstock.com)

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Niedersachsens Justizministerin Barbara Havliza wirbt für eine Wiedereinführung der umstrittenen Vorratsdatenspeicherung, um Straftaten im Netz besser verfolgen zu können. Ohne Datenspeicherung sei es schwierig, die Identitäten der Täter zu ermitteln, sagte die CDU-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur in Hannover. "Das ist ein Problem. Ich halte es für wichtig, dass die Speicherung von IP-Adressen und Portnummern wieder möglich wird, damit nicht das Gefühl vorherrscht, das Internet sei ein rechtsfreier Raum."

Denkbar sei eine Speicherung der Daten für drei Monate. Das entspreche den Fristen für Strafanträge bei Beleidigungsdelikten. "In dieser Zeit können Betroffene entscheiden, ob sie einen Vorfall zur Anzeige bringen", sagte Havliza.

Als Vorratsdatenspeicherung wird die flächendeckende, anlasslose Erfassung von Telefon- und Internetdaten der Nutzer bezeichnet. Sie wurde als Reaktion auf Terroranschläge eingeführt. Nach einem Beschluss des Oberverwaltungsgerichts Münster im Jahr 2017 setzte die Bundesnetzagentur die Speicherpflicht allerdings aus. Im vergangenen Jahr wandte sich das Bundesverwaltungsgericht dann an den Europäischen Gerichtshof (EuGH). Dieser soll klären, ob sich aus den Unionsvorschriften ein generelles Verbot einer flächendeckenden, anlasslosen Vorratsdatenspeicherung in Deutschland ableiten lässt.

Deutschland stehe aber nicht alleine vor dem Problem, sagte Havliza. «Wenn wir die Täter identifizieren wollen, müssen wir eine gewisse Zeit haben, um an die Daten zu kommen.» Die Bundesregierung solle das Thema daher auch zum Gegenstand der deutschen EU-Ratspräsidentschaft machen, forderte die Ministerin.

Die Justizministerkonferenz der Länder hat sich Havliza zufolge bereits mehrheitlich dafür ausgesprochen, dass eine Datenspeicherung für die Bekämpfung von Straftaten im Digitalzeitalter unverzichtbar sei. Sie werde zudem auch mit Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) darüber sprechen.

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