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Niemand ist rechtlos – zum Tode von Michael Ratner

International bekannt wurde Ratner mit der Verteidigung von Guantánamo-Insassen, denen der Oberste Gerichtshof der USA das Recht auf Klage gegen die Freiheitsberaubung zuerkannte.

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Michael Ratner

Michael Ratner

(Bild: Thehero:Jonathan MacIntosh, CC BY 2.5)

Im Alter von 72 Jahren ist der US-amerikanische Rechtsanwalt und Menschenrechtler Michael Ratner am Mittwoch in New York an den Folgen seiner Krebserkrankung gestorben. Er war Präsident des Center for Constitutional Rights in den USA und des European Center for Constitutional and Human Rights in Berlin.

Als die USA nach dem 11. September 2001 das Gefangenenlager Guantánamo zur willkürlichen Inhaftierung von Verdächtigen nutzte, vertrat Ratner die Tipton Three und gründete die Guantánamo Bar Association, ein Zusammenschluss von 500 Anwälten. Den Kampf um die Rechte der rechtlos Gefangenen beschrieb er in seinem Buch "Guantánamo: What the World Should Know".

Ratner verteidigte auch Wikileaks in den USA und sprach sich für den Schutz von Whistleblowern aus. In zahlreichen TV-Auftritten verteidigte er die Aktion von Chelsea Manning und beriet Wikileaks im juristischen Vorgehen gegen die beabsichtige Klage der US-Regierung mit dem Vorwurf des Spionageverdachtes gegen die USA.

Michael Ratner wurde als Sohn jüdischer Flüchtlinge am 13. Juni 1943 in Cleveland geboren. Sein Vater hatte ein Baufachgeschäft, die Mutter arbeitete in einer Flüchtlingsorganisation. Ratner studierte zunächst Englisch an der Brandeis University, wo er sich als Schüler von Herbert Marcuse radikalisierte. Unter dem Eindruck der Studentenproteste studierte er Jura an der Columbia Law School und schloss sich 1971 dem Center for Constitutional Rights an. Von 1984 bis 1990 leitete er diese Organisation, die sich um Menschenrechtsverletzungen kümmert, von 2002 bis 2014 war er ihr Präsident. (Detlef Borchers) / (anw)

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