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Nigeria startet eigenen Kommunikationssatelliten

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Am frühen Montagmorgen (Ortszeit) wurde in China der erste nigerianische Kommunikationssatellit Nigcomsat-1 ins All geschossen. Es war der 98. Flug einer chinesischen Rakete der Baureihe Long March. Der Satellit wird voraussichtlich 15 Jahre lang auf der geostationären Position 42 Grad Ost betrieben werden. Die Erwartungen an die wirtschaftlichen Auswirkungen des Projekts in Nigeria sind hoch, die Pläne für die Zukunft nigerianischer Raumfahrt ehrgeizig.

Nigcomsat-1 soll den Angaben zufolge mehr als 150.000 Arbeitsplätze in dem 129 Millionen Einwohner zählenden Land schaffen. Der Verkauf von Transponderkapazitäten soll umgerechnet etwa 57 Millionen Euro pro Jahr einbringen, Zusatzleistungen noch einmal einen ähnlichen Betrag. In sechs Jahren soll sich die Investition rentiert haben. Höher als die Einnahmen sollen aber die Einsparungen für das Land und den Kontinent sein. In den meisten afrikanischen Ländern sind die Preise für Daten- und Sprechverbindungen sehr hoch, weil es bei internationalen Anbindungen vielerorts noch (Quasi-)Monopole gibt.

Durch den neuen Satelliten sollen alleine nigerianische Breitband-Nutzer 95 Millionen Dollar (70 Millionen Euro) jährlich sparen. Außerdem sollen zehn Prozent jener geschätzten 660 Millionen Dollar (488 Millionen Euro), die jedes Jahr für Telefongespräche aus Afrika ins die erste Welt fließen, reduziert werden. Die staatliche Nigcomsat-Betreiberfirma will auch selbst ins Geschäft mit Telefongesprächen einsteigen, insbesondere in ländlichen Gebieten. Eine Minute soll dann bereits ab 6 Eurocent zu haben sein.

Der künstliche Himmelskörper wurde von der Chinese Academy of Space Technology (CAST) gebaut und hat eine Masse von über 5 Tonnen. Er verfügt über insgesamt 28 Transponder in den Bändern C, Ka, Ku und L, die in über 20 afrikanische Staaten leuchten. Zu den Einsatzgebieten zählen Telefonie, Datenübertragung, Fernsehausstrahlung (auch HDTV), Echtzeitüberwachung und Navigation. Zunächst wird der Satellit aus China gesteuert, in Nigeria soll aber noch ein Kontrollzentrum errichtet werden. Im Rahmen der Kooperation zwischen China und Nigeria werden die chinesischen Experten auch nigerianisches Personal ausbilden. Nach Angaben der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua hatte sich die Volksrepublik 2004 im Bewerb um den umgerechnet 230 Millionen Euro schweren Vertrag gegen 21 Mitbewerber durchgesetzt.

2030: Nigerianer auf dem Mond

Doch Nigerias kosmonautische Pläne beschränken sich nicht auf den Einkauf von Kommunikationssatelliten. Seit 2003 ist der in Großbritannien gebaute Erdbeobachtungssatellit Nigeriasat-1 im All, dessen Lebensdauer bis 2008 geplant ist. Sein Ersatz soll 2009 auf eine tiefe Umlaufbahn gebracht werden. 2025 will das ölreiche Land den ersten selbst gebauten Satelliten von einer in Eigenregie betriebenen Plattform ins All schießen. Für 2030 hat Präsident Olusegun Obasanjo gar eine bemannte Mondmission vorgegeben.

Das Raum-Programm des Vielvölkerstaates ist nicht unumstritten. Manche Stimmen sehen darin Geldverschwendung, zumal 70 Prozent der Einwohner mit weniger als einem Dollar pro Tag auskommen müssen. Die Verfechter der Weltraumpläne betonen jedoch, die Projekte würden effektiv zur Armutsbekämpfung beitragen. Mit Nigcomsat-1 würden Telekommunikationskosten deutlich gesenkt und wertvolle Devisen im Land behalten. Zukünftig könne jedes Dorf ans Internet angeschlossen werden. Auch die Abhängigkeit vom Ölexport wird reduziert. "Nigeria wird sich voll in die globale wissensbasierte Revolution einklinken und eine neue Morgendämmerung der digitalen Möglichkeiten für Afrika eröffnen", drückte es Nigcomsat-Manager Ahmed Rufai blumig aus. Die Nigeriasats wiederum liefern hochauflösende Bilder und dienen damit nicht nur militärischen Zwecken, sondern auch Infrastrukturprojekten, dem Umweltschutz, dem Wasser- und Agrarmanagement, der Bevölkerungsschätzung sowie dem Gesundheits- und Katastrophenschutz.

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(Daniel AJ Sokolov) / (vbr)