Nikons Raw-Dateiformat geknackt [Update]

Anwender von Nikons Profi-Kameras waren bislang auf die kostenpflichtige Kamera-Software aus gleichem Hause angewiesen, weil Nikon das verschlüsselte Raw-Dateiformat nicht offenlegte. Ein Open-Source-Programmierer hat die Verschlüsselung nun geknackt.

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Von
  • Carsten Meyer

Wer professionell digital fotografiert, wird um die Vorteile der Rohdaten-Aufzeichnung wissen: Das so genannte Raw-Format legt die Bilder wie vom CCD kommend verlustfrei auf der Speicherkarte ab, so dass Schärfen, Weißabgleich, Entrauschen und Moiré-Entfernung sehr viel genauer und sorgfältiger am PC erledigt werden können.

Leider sind Anwender von Nikons Profi-Spiegelreflexkameras dabei auf die kostenpflichtige (179 Euro) Capture-Software aus gleichem Hause angewiesen, weil Nikon sein "NEF"-Dateiformat nicht offenlegte (das ist auch bei anderen Herstellern Usus) und Teile der Daten, darunter die wichtigen Weißabgleichs-Informationen, verschlüsselte. Das wurmte besonders die Hersteller von Bildbearbeitungs-Software, die Nikon-Raw-Bilder nicht direkt in ihre Programme importieren konnten. Seinem Unmut machte Photoshop-Erfinder Thomas Knoll letzte Woche in einem Posting im Adobe-Forum Luft: Adobe sei ein großes Unternehmen, eine Verletzung des Digital Millennium Copyright Act durch Reverse-Engineering der Raw-Verschlüsselung sei darum entsprechend kostspielig. Bevor man an eine Implementierung denke, müsste sichergestellt sein, dass Nikon keine gesetzlichen Schritte dagegen unternimmt.

Der unabhängige Programmierers Dave Coffin aus Massachusetts veröffentlichte nun auf seiner kleinen Homepage den Sourcecode eines Nikon-Raw-Entschlüsslers; Geheimnisse um das Nikon-Dateiformat seien nunmehr ausgeräumt, so der Autor. Coffin hatte sich bereits vorher mit einer universellen Raw-Decoder-Software (DCraw) und Kamera-Tools, unter anderem für Linux-Betriebssysteme, einen Namen gemacht.

Nikon merkte dazu an, dass es unter Verwendung des aktuellen Nikon-NEF-SDK sehr wohl möglich sei, das Raw-Format zu lesen. Das SDK steht allerdings nur ausgewählten Software-Herstellern zur Verfügung, es ist nicht frei zugänglich und kann mit dem Erscheinen einer neuen Kamera seitens Nikon zur Sicherstellung der Kompatibilität geändert werden. Insofern könnte Coffins Lösung beim nächsten High-End-Modell schon nicht mehr funktionieren.

In diesem Zusammenhang sei auch auf die Neugründung der OpenRaw.org hingewiesen, die es sich zum Ziel gesetzt hat, Informationen rund um die Raw-Formate der Digitalkameras zusammenzutragen und Entwicklern wie Fotografen ein Diskussionsforum zu bieten. Zudem will man darauf hinarbeiten, dass die Hersteller ihre proprietären Raw-Formate offenlegen, damit eine zukünftige Kompatibilität und Lesbarkeit gewährleistet ist. (cm)