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Nintendo 3DS in Europa erhältlich

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Neben den 3D-Effekten lockt die 3DS mit besserer Grafik und erweiterten Online-Funktionen.

Nintendo bringt am heutigen Freitag seine neue Mobilkonsole 3DS auf den Markt. Gegenüber dem (weiterhin erhältlichen) Vorgänger DSi wurde die Rechen- und Grafikleistung erheblich ausgebaut. Als Clou bewirbt das japanische Unternehmen den autostereoskopischen 3,5-Zoll-Bildschirm der 3DS, der 3D-Bilder ohne störende Brille anzeigt. Dazu muss der Spieler allerdings die Mobilkonsole ruhig in etwa 30 bis 40 Zentimeter Abstand vor seinen Kopf halten und darf sie nicht versehentlich verdrehen, sonst treten dunkle Streifen und Doppelbilder auf. Das wahrscheinlich von Sharp entwickelte Display lenkt ähnlich wie bei den bekannten Wackelbildern jeweils ein Bild mit 400 × 240 Pixeln auf das linke und auf das rechte Auge. Dazu liegt eine zweite Parallaxen-Barriere vor dem eigentlichen LC-Display. Sie sorgt dafür, dass jedes Auge nur jede zweite Spalte des LCDs zu sehen bekommt.

Unter dem Mikroskop erkennt man die Struktur des LC-Displays im monoskopischen Modus ohne Parallaxenbarriere (links). Schaltet man die vorgelagerte Parallaxenbarriere für den stereoskopischen Modus ein (rechts) so schluckt diese auch einen Großteil des Lichts, sodass das Backlight heller leuchten muss, um dies auszugleichen.

Die Parallaxen-Barriere lässt sich mit einem seitlichen Regler neben dem Display ein- und ausschalten. Zieht man den Regler nach oben, so wird der Parallaxen-Abstand der beiden Bilder per Software vergrößert und der Tiefeneindruck nimmt zu. Weil die Barriere auch die Helligkeit des Displays beeinträchtigt, reguliert die 3DS zusätzlich die Backlight-Beleuchtung, sodass der Spieler keinen Helligkeitsunterschied zwischen der monoskopischen und stereoskopischen Darstellung bemerkt. Trotzdem sind die Displays der 3DS relativ dunkel und erreichen nicht einmal die halbe Helligkeit der DSi. Im c't-Test wurden 96 cd/m² auf dem oberen und 113 cd/m² auf dem unteren (monoskopischen) Touchscreen gemessen. Tagsüber erkennt man im Freien aber selbst bei bewölktem Himmel nur wenig, zumal die Displays stark spiegeln. In nicht allzu hellen Innenräumen geht es, obwohl es hier beim sehr dunkel ausgeleuchteten "Splinter Cell 3D" von Ubisoft zuweilen Probleme gab, die Spiel-Umgebung zu erkennen.


Das kurze Video verdeutlicht den kleinen Blickwinkel der 3DS bei eingeschaltetem 3D-Effekt. Die Moiré-Muster sind unserer Aufnahmekamera geschuldet und im normalen Betrieb nicht sichtbar (0:15 min)

Die Grafikqualität der Spiele ist durchaus mit der der ersten Xbox-Spiele zu vergleichen. Auch der 3D-Effekt macht Spaß, solange man die 3DS ruhig hält. Doch in schnellen Action- oder Sportspielen verdreht man die Konsole unweigerlich. Deshalb schalteten wir den stereoskopischen Modus nach einiger Zeit freiwillig wieder aus, wodurch der schmale Blickwinkelbereich wieder auf normale Größe anwuchs.

Die hohe Rechenleistung fordert ihren Tribut bei der Akkulaufzeit. Schalteten wir die 3D-Effekte ein, so war der wechselbare 1300-mAh-Akku nach knapp drei Stunden leer (ohne WLAN). Im monoskopischen Modus hielt er fast vier Stunden durch. Im normalen Gebrauch mit wechselndem 2D- und 3D-Modus sowie gelegentlicher WLAN-Aktivierung kamen wir auf durchschnittlich 3:10 Stunden. Das ist die kürzeste Laufzeit, die wie je bei einer Mobilkonsole von Nintendo gemessen haben. Die DSi hielt knapp sechs, dessen XL-Variante gar acht Stunden durch.

In den Deckel der 3DS hat Nintendo eine stereoskopische Kamera mit VGA-Auflösung eingebaut, dessen Qualität jedoch so schlecht ist, dass sie allenfalls als Gimmick taugt. Immerhin erlaubt sie Augmented-Reality-Spiele, die die virtuelle und reale Welt miteinander verschmelzen. Zwei Mini-Spiele sind bereits vorinstalliert, die scheinbar digitale Ballons im Raum schweben lassen oder kleine Monster-Figuren auf eine Tischplatte projizieren. Der Sound-Recorder kann neben AAC- inzwischen auch MP3-Dateien abspielen, taugt aber nur im Notfall als Musikspieler.

Nintendo will auch die Online-Möglichkeiten der 3DS weiter ausbauen. Zum Start ist jedoch lediglich die Street-Pass-Funktion verfügbar, die den lokalen automatischen Austausch von Daten zwischen zwei 3DS-Geräten per WLAN (auch im Standby) ermöglicht. Einzelne Spiele unterstützen den Street Pass, indem sie Spielfiguren zu virtuellen Kämpfchen antreten lassen. Oder aber man empfängt Daten von Mini-Avataren anderer Spieler, die man unterwegs getroffen hat. Über den eingebauten Beschleunigungs-Sensor dient die 3DS auch als Schrittzähler und führt über die täglichen Strecken Buch. Nintendo animiert Spieler dazu, die 3DS überallhin mitzuschleppen, indem sie für 100 Schritte jeweils eine virtuelle Goldmünze bekommen, die sie in kleinen Mini-Spielchen einsetzen können. Bei meiner ungeduldigen Tochter (10) führte das dazu, dass sie anfing, die 3DS wie wild zu schütteln.

Krieg in 3D: Stereoskopisch behält man über die Truppen in Shadow Wars den besseren Überblick. Dank der rundenbasierten Spielmechanik kann man die 3DS auch länger ruhig vors Gesicht halten.

(Bild: Ubisoft)

Der neue Download-Shop sowie weitere Online-Funktionen will Nintendo erst im Mai per Firmware-Update nachreichen. Bislang unterstützen nur einzelne Spiele wie "Super Street Fighter IV 3D" Online-Kämpfe. Capcoms Beat'em up zählt zu den Vorzeigespielen zum Start und gefiel mit flüssiger Grafik und präziser Steuerung. Ebenso gelang Konami eine solide, gut spielbare Umsetzung des "Pro Evolution Soccer", auch wenn man hier auf Online-Partien verzichten muss. Besonders Ubisoft hat sich ins Zeug gelegt und rund ein halbes Dutzend Spiele herausgebracht. Am besten gefiel uns aus dem Angebot des französischen Publishers noch das rundenbasierte Strategiespiel "Shadow Wars", das unter der Ghost-Recon-Serie des Militär-Autors Tom Clancy vermarktet wird. Hier zieht man mit unterschiedlichen Armee-Einheiten auf dreidimensionalen Schlachtfeldern in den Krieg. An den 37 Missionen soll man laut Ubi mehr als 30 Stunden zu knabbern haben.

Bei den Rennspielen konnte uns die Umsetzung von "Asphalt" hingegen nicht überzeugen, weil die Wagen über selbigem zu schweben scheinen und wie eingeklebt wirken. Rennbegeisterte greifen da besser zu Namcos "Ridge Racer". Nintendo selbst tritt zum Start lediglich mit einer 3D-Neuauflage der Haustiersimulation "Nintendogs" sowie dem "Pilotwings Resort" an, einer aufgeräumten Kunstflug-Simulation, die unsere Motivation nicht besonders lange aufrecht erhalten konnte.

Noch gibt es für die 3DS kein echtes "Must-Have"-Spiel. Das Angebot ist technisch größtenteils durchaus gut gelungen, die Spielkonzepte sind jedoch altbekannt. Auf Mario oder Zelda muss man noch warten. Nintendo will seine Gallionsfiguren bis spätestens Weihnachten in die dritte Dimension schicken. Bis dahin kann man sie allenfalls in den monoskopischen DS-Fassungen auf der 3DS spielen. Vielleicht wird bis zum Jahresende die Hardware auch noch etwas billiger. Nintendo verlangt 250 Euro für die 3DS – ein Preis, an dem man angesichts der kurzen Akkulaufzeit und der dunklen Displays ganz schön dran zu kauen hat. (hag)

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