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Nintendo Labo: Toller Bastelspaß, lahmes Mini-Spiel

Mit Nintendo Labo basteln Spieler aus vorgestanzten Pappbögen Roboter-Anzüge und Motorrad-Lenker, die mit verbundener Switch zu elektronischen Spielgeräten mutieren. Macht das Spaß?

Labo

(Bild: Peter Kusenberg, heise online)

Die Wii brachte eine Flut an Plastik-Accessoires hervor, die einzig dazu dienten, die Wiimote genannte Fernbedienung als Schwert, Pistole oder Billiard-Queue zu verpacken. Mit Labo für die Switch geht Nintendo einen anderen Weg: Hier ist die Bastelfreudigkeit des Spielers gefragt. Bevor man die Papp-Spielzeuge mit der Switch verbinden und drauflosspielen kann, muss man sie erst noch selbst zusammenbauen.

Die Verpackung besteht aus einem Serviertablett-großen Karton, in dem sich bis zu 20 Pappbögen befinden – sowie Schnüre, Klammern, Klebefolien und Bänder. Das erste Paket heißt „Toy-Con 01: Multi-Kit“ und enthält Anleitungen für eine Reihe kleinerer Geräte, darunter ein Miniklavier, ein Motorradlenker, ein Fahrzeug, eine Angel. Das Set „Toy-Con 02: Robot Kit“ verlangt mehr Geduld, denn hier soll ein einsatzfähiger Roboteranzug entstehen. Gedacht ist Nintendo Labo in erster Linie für Kinder. Für den Test haben wir daher die Geschwister Helene (9) und Arnold (7) den Kampfroboteranzug zusammenbauen lassen, wofür sie rund drei Stunden brauchten.

Nintendo hat die Pappbögen gut vorbereitet, sodass die Kinder ohne Mühe vorgestanzte Elemente aus der Umrandung lösen, Teile entlang der Falz knicken sowie Laschen in Schlitze stecken. Das gelingt dank der hervorragenden Anleitung, die sich auf dem beiliegenden Spiel-Modul befindet, sehr gut. Im Test legt man idealerweise die Switch auf den Fußboden und startet das erste von acht Bastelprogrammen, bei dem ein Visier entstehen soll. Ein Bastler bedient zum Beispiel die Anleitung, der andere knickt Bauteile in die richtige Form. Der Zusammenbau wird Schritt für Schritt zum Teamwork-Event.

Um zum nächsten Bastel-Schritt zu wechseln, betätigt man die Vorwärts-Taste auf dem Switch-Touchscreen. Je länger der Spieler auf die Rückwärts-Taste drückt, desto weiter spult er zurück. Zusätzlich kann er die Ansicht des aktuellen Bauteils auf dem Display vergrößern, verkleinern, verschieben und drehen, so dass die Bastler insbesondere beim Zusammenstecken der kleinteiligen Stecker stets genau wissen, wie sie vorgehen müssen. Ein wenig frickelig gerät der Zusammenbau der Robotergriffe. In diesem Fall gilt es, komplizierte Knoten zu knüpfen. Die Digital-Anleitung führt es mit hilfreichen Zoom-Videos vor – gut so.

Die Pappteile und Bänder wirken robust, im Test bleiben alle Laschen und Bauteile heil. Nach dem letzten Abschnitt des Bastelprogramms setzt Arnold das Visier auf den Kopf und den Rucksack auf den Rücken, während Helene die Schlaufen der Verbindungsschnüre mit den Füßen ihres Bruders verbindet. Der Spieler hält in den Händen jeweils ein Schlagelement, das mit dem Rucksack verbunden ist. So startet man das Minispiel, bei dem der zum Roboter mutierte Spieler fliegende Untertassen, Fahrzeuge und Gebäude zerstört. Dazu streckt er die Fäuste nach vorn, die Arme zur Seite und lässt den Mech-Roboter durch die Luft fliegen. Schritte auf der Stelle führen dazu, dass der Roboter voran stampft. Das Ziel besteht darin, in der vorgegebenen Zeit möglichst umfassende Zerstörung anzurichten; für Stampfattacken gibt’s Extrapunkte, gleiches gilt für Kombo-Aktionen.

Die Bewegungen des Spielers werden von der Switch gut erkannt. Die Schnüre im Rucksack, die die Bewegungen zum im Rucksack-Hinterteil eingesteckten Joy-Con-Controller übertragen, flutschen geschmeidig durch die Kunststoff-Ösen. Einzig die Fußschlaufen lösen sich leicht. Zur Lösung des Problems kann man die Schnur ein- bis zweimal um den Pappgriff an der Fußschlaufe wickeln, um die Spannung wiederherzustellen. So gut die Technik funktioniert, so läppisch ist das Spiel geraten. Außer der Zerstörungsorgie mit Punkte-Sammelei gibt’s nicht viel zu tun, Gefahren fehlen völlig. Die Landschaften sehen kantig aus, ebenso die Fahrzeuge und Ufos.

Quelle: Nintendo

Deutlich abwechslungsreicher ist die „Garage“ genannte Werkstatt geraten, in der man eigene Spielwelten auf der Switch gestaltet. Dieser zugängliche Editor erlaubt das einfache Arrangieren von Bauteilen zu einer Landschaft, die man im Anschluss mit dem Roboteranzug erkundet.

Zum Test lag nur das „Toy-Con 02: Robot Kit“ vor, das einen optionalen Mehrspielermodus enthält. Diesem Modus fehlt jegliche Internet-Anbindung, so dass der Spieler gezwungen ist, es offline zu nutzen. Dafür ist ein komplettes, 80 Euro teures zweites Roboter-Set vonnöten, das Nintendo für den Test nicht zur Verfügung stellte.

Abgesehen von der Werkstatt gibt’s im zweiten „Labo“-Set einen Abschnitt mit Prüfungen, die wie Mini-Minispiele arrangiert sind. Hier schaltet der Spieler in drei Stufen verschiedene Fähigkeiten frei, so dass er im zentralen Zerstörungs-Minispiel als Fahrzeug fliegen kann. Die fünf Prüfungen bewältigt selbst ein Siebenjähriger ohne Mühe. Sie umfassen unter anderem ein Labyrinthspiel, ein Flugspiel und ein Autorennspiel, bei dem man die anderen Fahrzeuge mit der Laserkanone abschießt. Man braucht auf Stufe 1 kaum 30 Sekunden, um die Aufgabe zu meistern, alle 15 Prüfungen erledigt man in weniger als einer Stunde.

Der Bastel-Part von Nintendo Labo ist rundum gelungen, vor allem wegen des stabilen Baumaterials und der hervorragenden Anleitung. Beim Spielangebot hat sich Nintendo nicht mit Ruhm bekleckert, da das unattraktive Minispiel in stumpfem Highscore-Gekloppe ausartet. Langzeitmotivation gibt’s mit der Bastel-Werkstatt sowie den motivierenden Prüfungen. Wer beim Kauf unsicher ist, sollte warten, bis Nintendo weitere Minispiele via Update nachreicht, denn der Preis für die beiden Labo-Sets ist happig. (Peter Kusenberg) / (dahe)

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