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Nintendo verschärft Vorgehen gegen Software-Piraten

Der japanische Spielkonsolenhersteller Nintendo hat ein schärferes Vorgehen gegen illegale Kopien angekündigt und holt sich dazu die Hilfe von Rechtsberatern aus der Musikindustrie. In Europa soll der Brite Neil Boyd eine neue Task Force verstärken, die europaweit die Verbreitung von Kopiermodulen für die Taschenkonsolen DS und DSi sowie modifizierten Wii-Konsolen eindämmen soll. Zuvor vertrat Boyd als Rechtsberater bei der IFPI (International Federation of the Phonographic Industry) und bei Warner Brothers die Interessen der Musikindustrie gegen Internettauschbörsen und ging gegen die Verbreitung illegaler Kopien vor. Unterstützen sollen ihn Jonathan Tully und Matthias Damm, die zuvor für Universal Music beziehungsweise am Institut für Informationsrecht der Universität Karlsruhe arbeiteten.

Mit seiner neuen Task Force reagiert Nintendo auf empfindliche Umsatzeinbrüche in den vergangenen Monaten. Laut dem Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU) wurden in Deutschland im ersten Halbjahr 2009 insgesamt 5,1 Millionen Spiele für mobile Konsolen verkauft – ein Rückgang um 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Umsatz brach um 21 Prozent auf 136 Millionen Euro ein. Publisher wie Ubisoft oder Take 2 Interactive machen unter anderem die weite Verbreitung eines so genannten R4-Moduls für den Nintendo DS für den Einbruch der Verkaufszahlen verantwortlich, das illegal kopierte Spiele auf dem DS starten kann.

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Boyd nennt vier Kernbereiche, mit denen er die Verbreitung illegaler Kopien eindämmen will. Dazu gehören die juristische Verfolgung von Software-Piraten und Herstellern von Kopiermodulen, Aufklärung der Konsumenten, neue Kopierschutztechnologien und politische Einflussnahme. Boyd warnte Vertreiber von R4-Modulen, dass Nintendo "mehr Augen und Ohren" als jemals zuvor auf den Straßen habe, und dass Händler von Kopiermodulen ihre Beziehungen zu Nintendo nachhaltig schädigen würden. Im laufenden Jahr hat Nintendo bereits Klagen gegen 79 R4-Modul-Hersteller in China eingereicht.

Ebenso will Boyd zukünftig Internetprovider stärker in die Pflicht nehmen. "Sie sind technisch dazu in der Lage, gegen Kinderpornographie vorzugehen. Sie sind in der idealen Position, auch gegen jede Form von Urheberrechtsverletzungen vorzugehen." Allerdings ließe die Diskussionsbereitschaft der Internetprovider zu wünschen übrig, weshalb Boyd künftig die Lobbyarbeit bei Parteien und Gesetzgebern verstärken will. (Hartmut Gieselmann) / (hag)

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