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Nintendo will Frauen fürs virtuelle Haustier begeistern

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Auf der am heutigen Donnerstag fürs Publikum beginnenden Computer- und Videospielemesse Games Convention beharrt Konsolenpionier Nintendo einmal mehr auf seiner eigentlichen Marktführerschaft: Nehme man Heim- und Handheld-Spielsysteme zusammen, so habe das japanische Unternehmen immer noch weitaus höhere Marktanteile als die Mitbewerber Microsoft und Sony.

Tamagotchi lässt von ferne grüßen: Nintendogs

Dass Nintendo bei den Heimkonsolen bereits vor längerer Zeit die Marktführerschaft an Sony abgeben musste, ist indes kein Geheimnis – und im Bereich des Handheld-Daddelns hatten die genannten Konkurrenten ja bis zum Erscheinen der Playstation Portable gar nichts zu bieten, sodass die Sache mit dem eigentlichen Marktführer im Grunde pure Schönrechnerei ist.

Model und Kampagnen-Fee Eva Padberg (links) lobt den "Knuddeligkeitsfaktor" der "Nintendogs".

Aber man sei ja auch gar nicht in erster Linie auf hohe Zahlen erpicht, so Nintendo, sondern auf Innovation. Man habe seit den Zeiten des Nintendo Entertainment System (NES) immer wieder die Grenzen dessen neu bestimmt, was Videospiel bedeutet – und darum heißt das Motto für den diesjährigen Nintendo-Auftritt in Leipzig auch "Expand the Definition of Gaming".

Das heißt für Nintendo nicht zuletzt, dass man neue Spieler motivieren will – Leute, die ansonsten noch nicht oder nicht mehr zu den Spieleinteressierten gehören. Besonderes Augenmerk legen die Mario- und Donkey-Kong-Macher dabei ebenso wie ihre Mitbewerber auf die Frauen. Weiblichen Spielern soll speziell die Haustiersimulation "Nintendogs" gefallen, die nach Angaben des Unternehmens in Japan bereits "ein Renner" ist und in Deutschland am 7.Oktober erscheinen soll – ausschließlich auf der Handheld-Plattform DS.

Das Spiel, das im Anklang an gute alte "Pokémon"-Traditionen in drei Versionen mit unterschiedlich gefärbter Verpackung erscheint, beruht auf einem erweiterten Tamagotchi-Konzept mit sehr wirklichkeitsnaher Grafik. Der Spieler zieht einen virtuellen Welpen auf, versorgt ihn, krault ihm den Bauch, geht mit ihm Gassi und vergnügt sich beim Frisbee-Spiel mit anderen virtuellen Hunden und ihren Haltern. Das Geschehen wird in 3D aus der Perspektive des Tierbesitzers gezeigt.

Die Entwickler haben nach eigenen Angaben zunächst lange das Verhalten und die Bewegungen von Hunden studiert, bevor sie die virtuellen Vierbeiner gestalteten. "Nintendogs" nutzt intensiv die besonderen Eigenschaften des im Frühjahr dieses Jahres erschienenen DS: den Touchscreen in der unteren Gerätehälfte, die kabellose Vernetzung im Mehrspielerbetrieb und das eingebaute Mikrofon – den Entwicklern zufolge markiert es einen Typus von Spiel, der die Zukunft prägen wird: es sei auf Menschen zugeschnitten, die sehr beschäftigt und viel unterwegs seien. Und man erhofft sich besonders unter den Frauen viele "Nintendogs"-Fans. Die gibt es in Japan anscheinend bereits; das möchte zumindest ein spezieller Trailer vermitteln, der am laufenden Band hemmungslos gnickernde Asiatinnen zeigt, die sich vor Heiterkeit über ihre virtuellen Welpen schier verschlucken möchten. Auch Supermodel Eva Padberg, die als Galionsfigur der "Nintendogs"-Kampagne engagiert wurde, schwärmt vom "Knuddeligkeitsfaktor" des Spiels. Passend dazu bringt Nintendo gleichzeitig mit der Spielserie auch zwei DS-Sondermodelle in Pink und Blau auf den Markt.

Bei so viel Definitionserweiterung vergisst man fast, nach neuen Hardware-Konzepten zu fragen. Die werden von Nintendo diesmal in Leipzig auch kaum in nennenswertem Maße gezeigt. Gewiss, da gibt es den besonders handlichen Gameboy Micro, die angeblich kleinste Konsole der Welt, in vier Gehäusefarben und mit Outfits zum Wechseln. Er soll kompatibel zur Gameboy-Advance-Serie (GBA) sein, 85 Gramm wiegen, bis zu 12 Stunden Akkulaufzeit haben und ab 4. November für 99 Euro auf den deutschen Markt kommen. In Leipzig ist er fürs Messepublikum nicht zu sehen; nur Journalisten bekamen ein paar zigarettenschachtelartige Kästchen von vier herumwirbelnden Tänzerinnen mit farblich zu den Gehäusen passender Kleidung ganz kurz unter die Nase gehalten. Das Klapp-Design der letzten beiden Handheld-Modelle von Nintendo hat der klassischen Quaderform Platz gemacht. Noch weniger erfährt man auf der Games Convention vom WLAN-fähigen GameCube-Nachfolger Revolution – er soll 2006 kommen und (natürlich) die Definition des Spielens wieder einmal erweitern. "Sehr bald", orakeln Nintendo-Sprecher in Leipzig, "wird es wichtige Informationen dazu geben."

Einmal kurz vorbeigewirbelt: der Gameboy Micro, der jüngste Spross der mobilen Nintendo-Hardwarefamilie.

Nintendos Games-Convention-Auftritt steht, daran bleibt kein Zweifel, ganz im Zeichen der Software – und zwar für Game Cube, GBA und DS. Die Gefahr, dass die letzteren beiden Systeme einander Konkurrenz im eigenen Hause machen würden, sieht Nintendo nicht: Es handle sich um zwei gänzlich verschiedene Konzepte. Als Beleg für die erfolgreiche Zweigleisigkeit im Handheld-Bereich führt man an, dass sich auch nach Erscheinen des DS die GBA-Umsätze weiter nach oben entwickelt haben.

Zierliche zehn Zentimeter breit ist das Gehäuse des neuen Querformat-Handhelds Gameboy Micro.

Das kommende Futter für die eingeführten Systeme, das muss man zugeben, ist beachtlich. Ob bei "Mario Kart DS" bis zu 8 Spieler sich gleichzeitig mit nur einer Spielcartridge skurrilstes Rennvergnügen genießen, ob bei "Zelda – Twilight Princess" ein grafisch opulentes Abenteuer in ungewohnt finsterer Atmosphäre stattfindet oder ob bei "Mario Smash Football" auf dem Game Cube die bekannte Figurentruppe den konventionellen Fußballsimulationen zeigt, wo in Sachen Spaß und Spielbarkeit der Hammer hängt: Wie ein letztes Aufbäumen veralteter Systeme sieht das nicht gerade aus.

Zur Games Convention in Leipzig siehe auch: (psz)