Menü

Nitro, Corsica, TPU: Spezial-Hardware für die Cloud

Auf der derzeit stattfindenden Hot Chips haben die Provider Amazon, Microsoft und Google Details ihrer Spezial-Hardware für Cloud-Server dargelegt.

Lesezeit: 3 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 5 Beiträge

(Bild: Google)

Von

Inhaltsverzeichnis

100 Prozent der CPU-Kerne eines Servers den virtuellen Maschinen der Kunden bereitstellen, ohne davon Ressourcen für den Hypervisor abzuzwacken? Was nach einem akademischen Wunschgedanken klingt, ist für Amazon Rechenzentrumssparte AWS inzwischen Realität. Damit das klappt, nutzt AWS die selbst entwickelte Plattform Nitro.

Durch den Einsatz von Nitro-Spezialchips hat sich die Komplexität...

(Bild: Amazon)

Angefangen hat alles mit der EC2-Generation C3, die Ende 2013 erschienen ist. Während sie wie noch ältere Version hauptsächlich auf Xen-Paravirtualisierung setzte, kam dort erstmals eine zusätzliche Netzwerkkarte zum Einsatz, die vom israelischen Startup Annapurna Labs entworfen wurden. Wobei "Netzwerkkarte" eigentlich nicht ganz stimmt: Als Smart-NIC kümmerte sie sich schon damals um mehr als nur stumpf Netzwerkpakete zu transportieren. Dennoch waren hier noch 20 Prozent der CPU-Kerne für den Xen-Hypervisor und andere Managementaufgaben fest reserviert.

In der Anfang 2015 erschienenen C4-Generation wurden die Zusatzaufgaben deutlich ausgebaut, sodass nun auch das gesamte Storage-Interface über die Smart-NIC lief. Dass AWS noch viel mehr vorhatte – und davon wenig der Konkurrenz überlassen wollte –, hat man zu dem Zeitpunkt schon erahnen können: Zum selben Zeitpunkt hat AWS Annapurna Labs kurzerhand übernommen.

Als Anfang 2017 dann die I3-Generation publik wurde, war auch klar, woran die neue Tochter gearbeitet hat: Zusätzlich zu den Smart-NICs agieren Annapurnas Nitro-Prozessoren als NVMe-Controller, die unter anderem SSD-Daten on the fly verschlüsseln. Die für Hypervisor & Co. reservierte CPU-Kapazität sank auf 10 Prozent aller Kerne. Das war aber immer noch mehr Reserve als man eigentlich benötigte, denn Annapurna-Chips sorgten sich mittlerweile ja um das Netzwerk, den lokalen und den entfernten Speicher – und zwar inklusive sämtlicher zugehöriger Virtualisierung.

... von Amazons Cloudservern deutlich reduziert.

Schon Ende 2017 folgte deshalb der nächste Schritt: Mit der Generation C5 stehen 100 Prozent der CPU-Kerne für Kundeninstanzen bereit. Der Xen-Hypervisor und das AWS-eigene Host-Linux wurden durch einen eigenen, extrem schlanken Nitro-Hypervisor ersetzt, der sich hauptsächlich noch mit niedrigen Aufgaben wie der Partitionierung der Ressourcen kümmert. Alles andere läuft auf Nitro-Spezialhardware.

Zu letzterer gehört übrigens auch ein Sicherheitschip, der fester Bestandteil aller Server-Mainboards von Amazon ist. Dieser kümmert sich unter anderem darum, dass die Server ohne Kompromittierung booten: Solange nach dem Einschalten nicht ein anderer Annapurna-Chip auf einer Smart-NIC einsatzbereit ist, der den Bootvorgang überwachen könnte, hält der Sicherheitschip den Prozessor im Reset und lässt keinerlei Schreibzugriffe von diesem zu.

Damit umgeht Amazon das bei normalen PCs und Servern aufwändig umschiffte Problem, dass CPUs dort grundsätzlich erst einmal unsicher starten. UEFI Secure Boot verifiziert dann erst nachträglich in vielen kleinen Schritten, dass der Bootvorgang nicht kompromittiert war. Hardware-Sicherheitsprozessoren gibt es übrigens nicht nur von Amazon: Auch Google (Titan) und Microsoft (Cerberus) setzen auf selbstentwickelte Security-ICs; Apples T2 findet man sogar in Consumer-Hardware.

Zum Abschluss hat AWS dann auch noch die nahe Zukunft skizziert: Wenn alles glatt läuft, dann könnte man künftig wohl ganz ohne Hypervisor auskommen. Und wenn dieser wegfällt oder wie im aktuellen Fall nur noch sehr schlank ausfällt, ist es dann auch egal, welchen Befehlssatz die eigentlichen CPUs haben. Nicht von ungefähr ist in der A1-Generation mittlerweile ja auch schon Server mit Amazons hauseigenem 64-Bit-ARM-Chip Graviton statt Intel Xeon oder AMDs Epyc erhältlich.