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Noch ein Ort für Exoplaneten: Erste polare protoplanetare Scheibe in Doppelsternsystem

Auch in Mehrfachsternsystemen können sich protoplanetare Scheiben bilden. Eine bislang nur theoretisch beschriebene Konfiguration wurde nun nachgewiesen.

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Noch ein Ort für Exoplaneten: Erste polare protoplanetare in Doppelsternsystem

Künstlerische Darstellung der protoplanetaren Scheibe um die beiden Sterne

(Bild: University of Warwick/Mark Garlick)

Astronomen haben erstmals eine protoplanetare Scheibe gefunden, die quasi senkrecht zwei umeinander kreisende Sterne umkreist. Die möglicherweise gar nicht so ungewöhnliche Zusammenstellung findet sich im Sternsystem HD 98800, erklären die Forscher um Grant Kennedy von der University of Warwick im Wissenschaftsmagazin Nature Astronomy.

Insgesamt gibt es in dem System sogar vier Sterne – zwei weitere umkreisen die zentralen beiden außerhalb der Scheibe, weswegen es an der Oberfläche möglicher Exoplaneten eindrucksvolle Panoramen geben könnte.

Wie die Astronomen erklären, gibt es zwei Ausrichtungen, in denen sich protoplanetare Scheiben um zwei Sterne stabilisieren können. In einem Fall liege der Ring oder die Ringe in einer Ebene mit jener Ebene der beiden Sterne, im zweiten genau senkrecht. Für erstere gibt es demnach bereits Beispiele, eine polare Scheibe hatte man aber noch nicht gefunden. Die nun dank dem Radioteleskop ALMA der Europäischen Südsternwarte mögliche Entdeckung lasse nun auf viele gekippte Planetensysteme um Doppelsterne hoffen, schreiben die Forscher.

Protoplanetare Scheiben wie jener in dem System HD 98800 bestehen aus Gas und Staub. Wenn die zusammenstoßen und Klumpen bilden, entstehen nach gegenwärtigen Theorien Planeten. Sollte solch ein Exoplanet in der Scheibe von HD 98800 existieren, würde sich einem Beobachter auf der Oberfläche ein beeindruckendes Panorama eröffnen, so die Forscher. Die Staubscheibe würde sich vom Horizont über den gesamten Himmel hin bis zum gegenüberliegenden Horizont spannen. Beleuchtet würde er von insgesamt vier Sonnen. Auch die Jahreszeiten würden sich deutlich von denen der Erde unterscheiden.

So könnte der Himmel über einem möglichen Exoplaneten in dem Sternsystem aussehen.

(Bild: University of Warwick/Mark Garlick)

(mho)

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