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Nokia: "Android ist ein Hype"

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Der Weltmarktführer räumt Fehler ein: "Wir haben uns in der Vergangenheit zu sehr auf die technischen Grundlagen konzentriert, statt das Design unserer Handys zu optimieren", sagte Nokias Chefstratege Anssi Vanjoki dem Handelsblatt. "Aber ich bin sehr zuversichtlich, dass wir jetzt wissen, was wir machen müssen, nämlich Handys bauen, die einfach zu bedienen sind und gut aussehen." Diese Einsicht kommt spät: Das iPhone, in Sachen Design und Usablity immer noch ein Referenzmodell, gibt es nun schon seit rund zweieinhalb Jahren.

Hält Android für einen Hype: Nokia-Vize Anssi Vanjoki.

(Bild: Nokia)

Mit einem weltweiten Marktanteil von knapp 37 Prozent ist Nokia immer noch mit Abstand der Marktführer im globalen Handy-Geschäft. Auch in der Kategorie Smartphones, in der die Finnen mit Blackberry und Apple konkurrieren, liegen sie mit knapp 40 Prozent deutlich vorn. Doch während die Konkurrenz wächst und ihre Marktanteile kontinuierlich ausbaut, muss Nokia Quartal für Quartal ein kleines Stück vom Kuchen abgeben. An der unbestrittenen technischen Qualität liegt das nicht. Nokia hinkt bei Design und Software hinterher.

Das iPhone, vergleichbare Android-Smartphones oder das Palm Pre sehen gut aus und erlauben eine einfache und intuitive Bedienung. Zudem gibt es für diese Systeme einen lebhaften Markt mit vielen verschiedenen Anwendungen, die sich Nutzer auf ihr Handy laden können – und die in der Regel nicht viel kosten. Nokia hält offiziell weiterhin an Bewährtem fest: "Unser Betriebssystem Symbian wird in den kommenden Jahren das dominierende System bleiben", sagte Vanjoki dem Handelsblatt. "Android ist vor allem ein Hype."

Falls Nokia da irren sollte – Marktforscher sehen in dem von Google initiierten Betriebssystem immerhin das Potenzial zur Nummer Zwei auf dem Systemmarkt – haben die Finnen noch die auf Linux basierende, offene Plattform Maemo in der Hinterhand. Das erste Maemo-Gerät N900 ist gerade erhältlich. Den sich hartnäckig haltenden Gerüchten, Maemo werde Symbian zumindest auf den Oberklasse-Geräten ablösen, begegnet Nokia ebenso hartnäckig mit Dementis und einem Bekenntnis zu Symbian. Nokia hatte Symbian im Sommer 2008 komplett übernommen und in eine Stiftung eingebracht, die das System bis 2010 unter einer Open-Source-Lizenz veröffentlichen soll.

Nokia N900 mit Maemo: Sieht so die Zukunft der Finnen aus?

(Bild: Nokia)

Bis dahin dürfte sich auch Android als ernstzunehmende Konkurrenz etabliert haben. Noch hat das System nur einen kleinen Marktanteil. Doch sind Android-Smartphones bei allen Herstellern in der Pipeline. In dieser Geräteklasse verdienen die Hersteller richtig Geld. Nokia trifft der Erfolg von Apple und Android in der margenstarken Smartphone-Liga also besonders hart. Mit dem anhaltenden Wachstum bei billigen Handys für Schwellenländer ist das nur schwer zu kompensieren. Marktbeobachter wundern sich, dass Nokia solche Schwierigkeiten zeigt, eine schlagkräftige Antwort auf iPhone und Android zu finden.

Ein Weckruf war das dritte Quartal, in dem die Finnen wegen Abschreibungen auf das Netzwerk-Joint-Venture Nokia Siemens Networks erstmals seit 1993 wieder rote Zahlen schrieben. Die angeordneten Spar- und Restrukturierungsmaßnahmen gehen mit massivem Stellenabbau einher. Die Ausweitung des Geschäftsmodells auf Online- und Mobil-Dienste soll den Druck von der Handysparte nehmen. Doch der Weg zum Diensteanbieter ist ein steiniger: Ovi, die Dachmarke der Finnen für das Servicegeschäft, kommt nicht richtig in die Gänge. Auch hier sind Anbieter wie Apple oder Google schneller gewesen.

Google etwa untergräbt mit der eigenen kostenlosen Navigationslösung auch das Geschäft mit Kartenmaterial. Hier ist Nokia seit der milliardenschweren Übernahme des US-Navigationsspezialisten Navteq engagiert. Schon wird in Branchenkreisen über erheblichen Abschreibungsbedarf im Milliardenbereich gemunkelt, der die Bilanz des vierten Quartals völlig verhageln könnte. Das dürfte nicht ohne Konsequenzen bleiben. In Nachhinein könnte sich die Übernahme der defizitären Navteq als überteuert erweisen, heißt es, und auch CEO Olli-Pekka Kallasvuo den Kopf kosten. (vbr)