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Nokia: Ogg-Formate im HTML-Standard? Nicht mit uns!

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Das World Wide Web Consortium (W3C) erwägt im just veröffentlichten "W3C Editor's Draft" für HTML 5 die Einführung eines Standard-Videocodecs für das video-Element, um Videos mit allen Browsern ohne Installation eines Plug-ins abspielen zu können. In Paragraf 3.14.7.1 des Papiers definiert das W3C seine Anforderungen an einen solchen Codec: "Zwecks Interoperabilität wäre es hilfreich, wenn alle Browser die gleichen Codecs unterstützen würden. Wie dem auch sei, momentan ist kein Codec bekannt, der alle Player auf dem Markt zufrieden stellen würde: Wir benötigen einen Codec, der keine Stück- oder Verteilungslizenzen nach sich zieht, der mit dem Open-Source-Entwicklungsmodell kompatibel ist, der eine brauchbare Kodierqualität liefert und der große Firmen keinen zusätzlichen U-Boot-Patent-Risiken aussetzt. [...]"

Besonders die patentrechtlichen Risiken dürften Mikko Honkala von Nokia Research veranlasst haben, Anfang Dezember in einer Mail an die "HTML Issue Tracking"-Liste darauf zu drängen, die bis dahin für HTML5 vorgeschriebenen Codecs Ogg Theora (Video) und Ogg Vorbis (Audio) aus dem Entwurf zu entfernen. Sowohl Ogg Vorbis als auch Ogg Theora stehen unter BSD-artiger Open-Source-Lizenz und sollen patentfrei sein; trotz jahrelang offenliegender Quellen befürchten besonders große Unternehmen weiterhin, dass jemand ein "U-Boot-Patent" ausgräbt und Firmen, die die Codecs einsetzen, mit Patentklagen überzieht.

In einem Positionspapier bezieht Nokia Stellung gegen Ogg Theora. Zwar habe Nokia als Gerätehersteller ein natürliches Interesse daran, günstig Geräte produzieren zu können, und schon in der Vergangenheit versucht, lizenzkostenfreie Lösungen zu unterstützen, was leider nicht gänzlich geglückt sei. Bei dem Vorhaben "ein proprietäres Format wie Ogg" in den HTML-Standard aufzunehmen, wolle Nokia das W3C indes nicht unterstützen.

Nokia selbst würde trotz der anfallenden Lizenzkosten für MPEG-4 AVC (H.264, Video) und AAC (Audio) stimmen. Allerdings ziehen beide Lizenzkosten nach sich, was zur Folge hätte, dass HTML-5-Webbrowser kostenpflichtig würden oder man eben doch ein kostenpflichtiges Plug-in nachinstallieren müsste – es sei denn, das W3C könnte mit den Patentinhabern von MPEG-4 AVC/AAC eine andere Regelung finden.

Da Nokia klar ist, dass das W3C Formate, die Lizenzkosten nach sich ziehen, ausschließt, schlägt die Firma vor, auch auf eine Festschreibung eines Minimalstandards zu verzichten und sich den Markt selbst zu überlassen. Alternativ schlägt der Autor des Positionspapiers, Dr. Stephan Wenger, vor, einen Codec zu wählen, dessen Patentschutz ausgelaufen ist respektive in Kürze ausläuft – etwa H.261. Wie Wenger, der sich selbst jahrelang mit der Kodierung von Audio- und Videosignalen beschäftigt hat, zu der Ansicht gelangt, H.261 und Ogg Theora bewegten sich qualitativ auf dem gleichen Niveau, bleibt allerdings schleierhaft. Als dritte Alternative schlägt Wenger dem W3C vor, einen "Shootout" zwischen verschiedenen Videokompressionsformaten zu veranstalten. Alle diese Optionen würde Nokia den Ogg-Formaten vorziehen, heißt es in dem Positionspapier. (vza)

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