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Nokia: Sag zum Abschied leise Minus

Schnee von gestern ist das Handy-Geschäft für Nokia. Die Finnen bilanzieren ihre einst so stolze Geräteproduktion, die an Microsoft verkauft wird, als "nicht fortgeführte Aktivitäten". Zum Abschied sorgt die Sparte nochmal für rote Zahlen.

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Der finnische Nokia-Konzern hat zum Jahresabschluss 2013 erneut rote Zahlen geschrieben. Darüber hinaus ist nichts mehr so, wie es war: Die Handysparte, einst der ganze Stolz der Finnen, wird an Microsoft verkauft und zieht das Konzernergebnis zum Abschied noch einmal ins Minus. Übrig bleibt ein deutlich kleineres Nokia, das aber profitabel arbeitet.

Nokia besteht in erster Linie noch aus dem Netzausrüster NSN und dem digitalen Kartendienst Here. Das neu strukturierte Unternehmen erzielte im Schlussquartal 2013 einen Umsatz von 3,48 Milliarden Euro. Das bedeutet einen Umsatzrückgang von 21 Prozent. Im Vorjahresabschnitt hatten die weitergeführten Bereiche noch 4,41 Milliarden Euro eingespielt. Für den Rückgang ist vor allem NSN verantwortlich.

Die Windows Phones der Lumia-Familie werden künftig unter der Regie von Microsoft gefertigt.

(Bild: dpa, Nokia)

Den Umsatz der Handysparte gibt das Unternehmen mit 2,6 Milliarden Euro an. Zusammen mit den fortgeführten Bereichen ergibt sich rechnerisch ein Quartalsumsatz von 6,08 Milliarden Euro. Zusammen mit der Handysparte hatte Nokia für das Schlussquartal 2012 noch einen Umsatz von gut acht Milliarden Euro ausgewiesen.

Das neue Nokia hat im vierten Quartal 2013 zwar einen Gewinn von 183 Millionen Euro erwirtschaftet, der aber vom Verlust der Handysparte vollständig aufgezehrt wurde: Der Gerätebereich schlägt mit minus 201 Millionen Euro ins Kontor. Unterm Strich steht für das Schlussquartal damit ein Verlust von 25 Millionen Euro zu Buche.

Auch in der Jahresabrechnung sorgt das verkaufte Handygeschäft für ein Minus. Der Umsatz schrumpfte 2013 von 15,4 Milliarden Euro im Vorjahr auf 12,7 Milliarden Euro. Das neue Nokia konnte dabei sogar einen kleinen Gewinn erwirtschaften, doch eingerechnet der nicht fortgeführten Bereiche stehen auch für 2013 unterm Strich rote Zahlen. Immerhin konnte das Unternehmen den Verlust auf 615 Millionen deutlich verringern, nachdem 2012 ein Minus von 3,1 Milliarden Euro angefallen war.

Nokias Umbruch in Zahlen: Der Wechsel von Symbian zu Windows Phone ist ein steiniger Weg.

Nokia machte nur wenige Angaben dazu, wie das Geschäft der Handysparte zuletzt lief. Der Absatz einfacher Handys und in geringerem Maße auch der Smartphones sei zurückgegangen, heißt es dazu. Ein Sprecher beziffert den Jahresabsatz der Lumia-Smartphones mit Windows Phone auf rund 30 Millionen Stück – das wären etwa 8,2 Millionen Lumias im Schlussquartal. Nokia verweist in diesem Zusammenhang auf kräftigen Schwung für Konkurrenzplattformen – im Schlussquartal lag unter anderem das neue iPhone in den Läden.

Nokia hatte Anfang September angekündigt, dass die traditionsreiche Handysparte für 3,79 Milliarden Euro an Microsoft verkauft wird. Der US-Konzern wird weitere 1,65 Milliarden Euro für eine Patent-Lizenz auf zehn Jahre zahlen. Im November billigten die Nokia-Aktionäre den Deal, im Dezember die EU-Wettbewerbshüter. Die Zustimmung der Regulierer einiger anderer Länder steht noch aus. Nokia und Microsoft hoffen aber, das Geschäft im ersten Quartal über die Bühne zu bringen.

Umsatz- und Gewinnentwicklung bei Nokia in Euro
Quartal Umsatz Nettogewinn
1/00 6,5 Mrd. 0,91 Mrd.
2/00 7 Mrd. 0,98 Mrd.
3/00 7,58 Mrd. 0,92 Mrd.
4/00 9,28 Mrd. 1,21 Mrd.
1/01 8 Mrd. 1,05 Mrd.
2/01 7,35 Mrd. 0,83 Mrd.
3/01 7 Mrd. 0,76 Mrd.
4/01 8,79 Mrd. 1,15 Mrd.
1/02 7 Mrd. 0,92 Mrd.
2/02 6,94 Mrd. 0,90 Mrd.
3/02 7,2 Mrd. 0,88 Mrd.
4/02 8,8 Mrd. 1,24 Mrd.
1/03 6,7 Mrd. 0,97 Mrd.
2/03 7,02 Mrd. 0,66 Mrd.
3/03 6,9 Mrd. 0,86 Mrd.
4/03 8,79 Mrd. 1,17 Mrd.
1/04 6,63 Mrd. 0,82 Mrd.
2/04 6,64 Mrd. 0,71 Mrd.
3/04 6,94 Mrd. 0,66 Mrd.
4/04 9,063 Mrd. 1,019 Mrd.
1/05 * 7,396 Mrd. 0,863 Mrd.
2/05 8,059 Mrd. 0,799 Mrd.
3/05 8,403 Mrd. 0,881 Mrd.
4/05 10,333 Mrd. 1,073 Mrd.
1/06 9,507 Mrd. 1,048 Mrd.
2/06 9,813 Mrd. 1,140 Mrd.
3/06 10,100 Mrd. 0,845 Mrd.
4/06 11,701 Mrd. 1,273 Mrd.
1/07 9,856 Mrd. 0,979 Mrd.
2/07 12,587 Mrd. 2,828 Mrd.
3/07 12,898 Mrd. 1,563 Mrd.
4/07 15,717 Mrd. 1,835 Mrd.
1/08 12,660 Mrd. 1,222 Mrd.
2/08 13,151 Mrd. 1,103 Mrd.
3/08 12,237 Mrd. 1,087 Mrd.
4/08 12,662 Mrd. 0,576 Mrd.
1/09 9,274 Mrd. 0,122 Mrd.
2/09
9,912 Mrd. 0,287 Mrd.
3/09
9,810 Mrd.
-0,913 Mrd.
4/09
11,988 Mrd.
0,948 Mrd.
1/10
9,522 Mrd.
0,349 Mrd.
2/10
10,003 Mrd.
0,227 Mrd.
3/10
10,270 Mrd.
0,529 Mrd.
4/10
12,653 Mrd.
0,745 Mrd.
1/11
10,399 Mrd.
0,344 Mrd.
2/11 9,275 Mrd.
-0,368 Mrd.
3/11
8,980 Mrd.
-0,068 Mrd.
4/11 10,005 Mrd.
-1,072 Mrd.
1/12 7,354 Mrd.
-0,929 Mrd.
2/12 7,542 Mrd.
-1,410 Mrd.
3/12 7,239 Mrd. -0,969 Mrd.
4/12 8,041 Mrd. 0,202 Mrd.
1/13
5,852 Mrd. -0,272Mrd.
2/13 5,695 Mrd. -0,227 Mrd.
3/13 5,662 Mrd. -0,091 Mrd.
4/13 ** 3,476 Mrd. (6,076 Mrd.) *** 0,183 Mrd. (-0,018 Mrd.) ***
* Ergebnis seit Q1 2005 ausgewiesen nach neuen IFRS-Bilanzierungsregeln.
** Seit Q4 2013 ohne Ergebnis der an Microsoft verkauften Handysparte.
*** Zahlen in Klammern inklusive Handygeschäft.

(vbr)

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