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Nokia bietet kostenloses Kartenmaterial und Navi-Dienste fürs Handy

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Das Nokia N97 mini mit Ovi Maps

(Bild: Nokia)

Nokia hat über seinen Applikationsshop Ovi am heutigen Donnerstag ein Angebot gestartet, über das sich Kartenmaterial zur Auto- und Fußgängernavigation für 74 Länder in 46 Sprachen auf knapp ein Dutzend Smartphones des finnischen Herstellers kostenlos herunterladen lässt. Zusätzlich stellt "Ovi Maps" aktuelle Verkehrsinformationen in zehn Ländern zur Verfügung und bietet detailliertes Kartenmaterial für mehr als 180 Länder dieser Welt. Der Mobiltelefonkonzern geht davon aus, den bestehenden Markt für mobile Navigation gleichsam verdoppeln zu können. Bislang mussten Nutzer in Deutschland etwa 60 Euro im Jahr für die Nutzung entsprechender sprachgeführter Navigation mit Kartenmaterial für Deutschland, Österreich und die Schweiz berappen.

Mit dem Schritt will Nokia nicht nur gegenüber Apples AppStore fürs iPhone aufholen, wo die Kalifornier bei mobilen Anwendungen bislang die Nase deutlich vorn haben. Zugleich blasen die Finnen zum Generalangriff auf eigenständige Navigationssysteme wie die von TomTom oder Navigon. "Warum sollte man unterschiedliche Geräte für die mobile Navigation nutzen, die dann nur in einem Land oder einer Region funktioniert?" lautet die rhetorische Frage des Nokia-Vorstandsmitglieds Anssi Vanjoki. Man biete nun als einzige Firma "eine weltweite mobile Navigation fürs Auto und für Fußgänger". Im Gegensatz zur Konkurrenz setze Nokia zudem nicht voraus, "dass für jedes Land eigene Karten und Navigationslizenzen gekauft werden müssen".

Auch Google hat Nokia mit dem Angebot im Visier. Der Suchmaschinenbetreiber hat bereits im Oktober eine erste Version einer Navigationslösung für Android-Smartphones mit GPS-Empfänger vorgestellt. Google Maps Navigation erweitert die Kartenlösung der Kalifornier um eine gängige Wegführung mit Sprachausgabe und -steuerung. Mittelfristig schielen die Finnen mit Ovi Maps und damit verknüpfbaren ortsbezogenen Diensten ferner auf den Markt rund um das "soziale Internet", in dem sich etwa Freunde oder Geschäftspartner in Echtzeit über ihren Aufenthalt in Bars oder einfach nur ihren Standort austauschen.

Generell will Nokia mit dem Schritt die Zahl der Nutzer von GPS-Navigation auf Mobiltelefonen von rund 27 Millionen Menschen Ende 2009 auf nahezu 50 Millionen erweitern. Die Zahl der Geräte, die Ovi Maps verwenden können, soll schrittweise über die aktuelle Smartphones-Generation erweitert werden. Marktforscher gehen davon aus, dass 2009 die Anzahl der im Markt befindlichen Handys mit GPS weltweit bei 163 Millionen Geräten lag. Mit über 83 Millionen ausgelieferten GPS-fähigen Geräten hat Nokia hierbei weltweit einen Marktanteil von 51 Prozent. Ovi Maps läuft derzeit auf zehn Endgeräten. Dazu gehören das Nokia N97 mini, das Nokia 5800 XpressMusic und das Nokia E72. Ab März sollen neue GPS-fähige Smartphones ab Werk mit der Vollversion von "Ovi Karten" sowie Reiseführern von Lonely Planet und Michelin und Karten für Deutschland, Österreich und die Schweiz beziehungsweise Europa ausgeliefert.

Als Basis für das Kartenmaterial dient eine Lösung des US-Navigations-Spezialisten Navteq. Diesen hatte Nokia 2008 für rund 5,1 Milliarden Euro übernommen. Der Kartenhersteller hatte im vergangenen Spätsommer die neuen Führungshilfen für Fußgänger und Autofahrer einschließlich 3D-Gebäudeansichten bereits vorgestellt, die sich jetzt mit Ovi Maps in Nokia-Geräte integrieren lassen. Damit werde die Nutzung mobiler Navigation "so selbstverständlich werden wie das Senden einer SMS oder die Aufnahme von Bildern", glauben die Finnen. Ein Software Development Kit (OVI SDK Beta) für Entwickler sei ebenfalls bereits verfügbar. Programmierer können so umgehend Anwendungen und Apps bauen und sie über den Ovi Store vertreiben. (jk)

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