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Nokia enttäuscht die Erwartungen

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Handyhersteller Nokia hat seinen Gewinn zum Jahresauftakt bei leichtem Umsatzwachstum deutlich steigern, die hohen Erwartungen aber insgesamt nicht erfüllen können. Im ersten Quartal 2010 setzte der Branchenprimus 9,5 Milliarden Euro um, ein Plus von 3 Prozent im Vergleich zum Auftaktquartal des Vorjahres. Dabei steigerte Nokia den Gewinn von 122 Millionen Euro im Vorjahr auf nunmehr 349 Millionen Euro, teilte das Unternehmen am Donnerstag in Helsinki mit.

Analysten hatten nach den dramatischen Einbrüchen im Vorjahresabschnitt und dem überraschenden Verlust im dritten Quartal deutlich mehr erwartet. Der Kurs der Nokia-Aktie sank nach Bekanntgabe der Zwischenbilanz um mehr als 10 Prozent. "Wir sehen uns im High-End-Bereich weiter mit einem hartem Wettbewerb konfrontiert", erklärte Nokia-CEO Olli-Pekka Kallasvuo. Auch im Infrastrukturgeschäft gebe es Herausforderungen für Nokia. Die als Joint Venture betriebene Ausrüster-Sparte Nokia Siemens Networks sorgte für einen Verlust von 226 Millionen Euro.

Der CEO freute sich über die enorme Verbraucherresonanz auf Nokias Navigations-Offensive – die Finnen bieten seit Januar Navigationsdienste für zahlreiche Smartphones kostenlos an. 10 Millionen Besitzer eines Nokia-Smartphones hätten das Angebot bisher genutzt. Bei Smartphones habe Nokia die Stückzahlen im Vergleich zum Vorjahresquartal um die Hälfte steigern können, betonte Kallasvuo.

Smartphones mit dem neuen Betriebssystem Symbian 3 will Nokia frühestens von Juli an zum Kauf anbieten, hieß es heute. Die Vorstellung der neuen Modelle ist bis spätestens Ende Juni und die Auslieferung im dritten Quartal geplant. In Medienberichten war bisher von einem erwarteten Verkauf schon im zweiten Quartal die
Rede.

Der Umsatz des Geschäftsbereichs Geräte und Services wuchs im Vergleich zum Vorjahr um 8 Prozent auf 6,7 Milliarden Euro. Nokia lieferte in den ersten drei Monaten des Jahres mit knapp 108 Millionen Geräten 16 Prozent mehr Handy aus als im Vorjahr. Der durchschnittliche Verkaufspreis (ASP) eines Gerätes sank von 64 Euro im Schlussquartal 2009 auf 62 Euro. Der ASP für einfachere Handys sank von 44 auf 39 Euro, der für Smartphones und mobile Computer von 190 auf 155 Euro. Nokias Marktanteil bei Handys ist nach Konzernangaben von 35 auf 33 Prozent gesunken.

Für die Netzwerksparte weist Nokia einen Umsatzrückgang von 9 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro aus. Das Joint Venture Nokia Siemens Networks konnte den operativen Verlust von 361 Millionen Euro auf 226 Millionen Euro verringern, bleibt aber das Sorgenkind von Nokia und seinem deutschen Partner Siemens. Nokia sieht hier aber die Wende geschafft und hofft nach weiteren Stellenstreichungen auf einen ausgeglichenen Jahresabschluss.

Für das Gesamtgeschäft senkte Nokia seine Jahresprognose von einer Marge zwischen 12 und 14 Prozent auf 11 bis 13 Prozent. Für die Gesamtbranche prognostizieren die Finnen wie bisher ein Absatzplus von zehn Prozent.

Umsatz- und Gewinnentwicklung bei Nokia in Euro
Quartal Umsatz Nettogewinn
1/00 6,5 Mrd. 0,91 Mrd.
2/00 7 Mrd. 0,98 Mrd.
3/00 7,58 Mrd. 0,92 Mrd.
4/00 9,28 Mrd. 1,21 Mrd.
1/01 8 Mrd. 1,05 Mrd.
2/01 7,35 Mrd. 0,83 Mrd.
3/01 7 Mrd. 0,76 Mrd.
4/01 8,79 Mrd. 1,15 Mrd.
1/02 7 Mrd. 0,92 Mrd.
2/02 6,94 Mrd. 0,90 Mrd.
3/02 7,2 Mrd. 0,88 Mrd.
4/02 8,8 Mrd. 1,24 Mrd.
1/03 6,7 Mrd. 0,97 Mrd.
2/03 7,02 Mrd. 0,66 Mrd.
3/03 6,9 Mrd. 0,86 Mrd.
4/03 8,79 Mrd. 1,17 Mrd.
1/04 6,63 Mrd. 0,82 Mrd.
2/04 6,64 Mrd. 0,71 Mrd.
3/04 6,94 Mrd. 0,66 Mrd.
4/04 9,063 Mrd. 1,019 Mrd.
1/05 (*) 7,396 Mrd. 0,863 Mrd.
2/05 8,059 Mrd. 0,799 Mrd.
3/05 8,403 Mrd. 0,881 Mrd.
4/05 10,333 Mrd. 1,073 Mrd.
1/06 9,507 Mrd. 1,048 Mrd.
2/06 9,813 Mrd. 1,140 Mrd.
3/06 10,100 Mrd. 0,845 Mrd.
4/06 11,701 Mrd. 1,273 Mrd.
1/07 9,856 Mrd. 0,979 Mrd.
2/07 12,587 Mrd. 2,828 Mrd.
3/07 12,898 Mrd. 1,563 Mrd.
4/07 15,717 Mrd. 1,835 Mrd.
1/08 12,660 Mrd. 1,222 Mrd.
2/08 13,151 Mrd. 1,103 Mrd.
3/08 12,237 Mrd. 1,087 Mrd.
4/08 12,662 Mrd. 0,576 Mrd.
1/09 9,274 Mrd. 0,122 Mrd.
2/09 9,912 Mrd. 0,287 Mrd.
3/09 9,810 Mrd. -0,913 Mrd.
4/09 11,988 Mrd. 0,948 Mrd.
1/10 9,522 Mrd. 0,349 Mrd.
(*) Ergebnis seit Q1 2005 ausgewiesen nach seit dem 1. Januar 2005 gültigen neuen IFRS-Bilanzierungsregeln

(vbr)