Nokia kauft Qt-Entwickler Trolltech

Der finnische Handy-Konzern möchte mit der Entwicklerfirma, die unter anderem das plattformübergreifende C++-Framework Qt und Qtopia, die Linux-Anwendungsplattform für Mobilgeräte herausgibt, die eigene Softwarestrategie stärken.

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Von
  • Jürgen Kuri

Die norwegische Firma Trolltech, Entwickler des unter anderen hinter dem Unix/Linux-Desktop KDE steckenden plattformübergreifenden C++-Frameworks Qt und der Linux-Anwendungsplattform für Mobilgeräte Qtopia, hat einen neuen Besitzer: Der finnische Handy-Weltmarktführer Nokia, in Deutschland gerade vor allem wegen der umkämpften Schließung seines Bochumer-Handywerks in den Schlagzeilen, übernimmt die Softwarefirma. Trolltech, die mit dem Greenphone auch schon eine Referenzplattform für Linux-Smartphones entwickelten, ist Nokia rund 105 Millionen Euro beziehungsweise 16 norwegische Kronen (1,98 Euro) pro Aktie wert. Das Management von Trolltech hat bereits der Nokia-Offerte zugestimmt; rund 66,43 Prozent der Trolltech-Aktien soll sich Nokia bereits gesichert haben. Der Trolltech-Vorstand empfiehlt den restlichen Aktionären, das Nokia-Angebot ebenfalls anzunehmen.

Nokia setzt seit einiger Zeit darauf, mit Anwendungen, Internetlösungen und beispielsweise mobilen Musikdiensten unabhängiger vom Verkauf der Handy-Hardware zu werden und Umsätze aus der Anwendung von Mobilgeräten zu erzielen. Nokia will daher nach eigenen Aussagen mit der Trolltech-Übernahme die eigene, plattformübergreifende Softwarestrategie sowohl für Mobilgeräte als auch für Desktop-Anwendungen vorantreiben. Entwickler sollen in die Lage versetzt werden, Anwendungen zu erstellen, die unterschiedslos als Web-Anwendungen und lokal auf Nokia-Geräten sowie auf PCs arbeiten. Nokia wolle sich weiter auf Gebiete konzentrieren, in denen man sich von der Konkurrenz abheben könne. Plattformübergreifende Software auf Basis der Nokia-Softwareplattformen ziehe Innovation an und ermögliche Web-2.0-Techniken auf Mobilgeräten, hieß es bei Nokia.

Die Produkte von Trolltech will Nokia wie bisher anbieten und weiterentwickeln. Auch soll die Trolltech-Technik weiterhin und kommerziellen und Open-Source-Lizenzen angeboten werden. Vor Kurzem erst hatte Trolltech bekannt gegeben, das Framework Qt auch unter der GPLv3 zu lizenzieren, einige andere Open-Source-Lizenzen sind ebenfalls für Qt und Qtopia verfügbar. Nokia wiederum ist seit April vergangenen Jahres auch Mitglied der Linux Foundation, der aus den Open Source Development Labs (OSDL) und der Free Standards Groups hervorgegangenen Organisation zur Förderung des Einsatzes von Linux und Open Source. Bereits Mitte 2006 hatte Nokia beispielsweise den Quellcode seiner Mobilbrowser-Engine unter einer BSD-Lizenz veröffentlicht. (jk)