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Nokia überraschend in den Miesen

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Der finnische Mobilfunkkonzern Nokia ist im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2009 wegen Abschreibungen auf die Netzwerksparte in die roten Zahlen geraten. Doch auch ohne Einmaleffekte läuft es nicht mehr rund beim Weltmarktführer. Der Umsatz des Handyherstellers brach im Vergleich zum Vorjahresquartal um 20 Prozent von 12,2 Milliarden auf 9,8 Milliarden Euro ein. Unterm Strich wies der Konzern einen Verlust von 913 Millionen Euro (0,15 Euro pro Aktie) aus, nachdem er im gleichen Quartal des Vorjahres noch eine gute Milliarde verdient hatte. Das teilte das Unternehmen am heutigen Donnerstagmittag im finnischen Espoo mit.

Nokia weist zur Erklärung des schlechten Ergebnisses auf verschiedene Einmaleffekte hin, darunter Restrukturierungskosten sowie Abschreibungen auf die Netzwerk-Joint-Venture Nokia Siemens Networks in Höhe von 908 Millionen. Die Großwetterlage veranlasst CEO Olli-Pekka Kallasvuo zu vorsichtigem Optimismus. "Die Nachfrage nach Mobilgeräten hat während des dritten Quartals auf vielen Märkten wieder angezogen", erklärte Kallasvuo laut einer Mitteilung des Konzerns. Die Börse reagierte trotz solcher Beschwichtigungsversuche geschockt, Analysten hatten mit einem Gewinn gerechnet. Die Aktie brach zeitweise deutlich ein.

Trotz der von Kallasvuo gemessenen leichten Erholung ist das Kerngeschäft des Handyriesen weiter unter Druck. Im dritten Quartal setzte Nokia mit der Gerätesparte 6,9 Milliarden Euro um, knapp 20 Prozent weniger als im Vorjahr, und erzielte einen operativen Gewinn von 787 Millionen Euro (minus 51 Prozent). Im Vergleich zum zweiten Quartal ist beim Umsatz allerdings eine leichte Erholung um 5 Prozent spürbar.

Das gilt auch für die Stückzahlen: 108 Millionen Geräte hat Nokia im Quartal ausgeliefert, 5 Prozent mehr als im Vorquartal, im Vergleich zum Vorjahr ist der Absatz um 8 Prozent geschrumpft. Bei einem geschätzten Marktvolumen von 288 Millionen Geräten im Quartal (minus 7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr) bleibt Nokias Anteil stabil bei 38 Prozent. Der durchschnittliche Verkaufspreis der Geräte lag wie im zweiten Quartal bei 62 Euro.


Nokia schlüsselt die Umsätze des Kerngeschäfts im dritten Quartal 2009 erstmals weiter auf. Danach setzte der Marktführer 3,1 Milliarden Euro mit Smartphone und mobilen Computern sowie entsprechenden Diensten und Zubehörartikeln um. Der ASP stieg in dieser Geräteklasse von 182 Euro im zweiten Quartal auf 190 Euro an. Auf den Plattformen Series 30 und Series 40 aufbauende Handys sowie Dienste und Zubehör brachten 3,8 Milliarden Euro in Nokias Kassen. Der ASP blieb in dieser Klasse bei 41 Euro.

Auch die gemeinsam mit der Siemens AG betriebene Netzwerksparte Nokia Siemens Networks (NSN) musste einen deutlichen Umsatzschwund von 21 Prozent verkraften. Das Joint Venture setzte nach 3,5 Milliarden Euro im Vorjahresquartal noch 2,8 Milliarden Euro um und landete nach Wertberichtigungen operativ mit minus 1,1 Milliarden wieder tief in der Verlustzone. Die Navigationssparte (Navteq) konnte beim Umsatz um knapp 6 Prozent auf 166 Millionen Euro zulegen und den operativen Verlust auf 68 Millionen Euro reduzieren.

Für das vierte Quartal rechnet Nokia mit weiterem Wachstum beim Geräteabsatz und einem stabilen Marktanteil. Insgesamt rechnet der Marktführer für 2009 mit einem Marktvolumen von 1,12 Milliarden Geräten. Damit soll der Markt im Vergleich zum Vorjahr nur noch um 7 Prozent schrumpfen und nicht wie bisher angenommen um 10 Prozent.

Weiter zurückgehen wird nach den Erwartungen der Finnen das Infrastrukturgeschäft, allerdings nur noch um 5 Prozent. Der Markanteil von Nokia Siemens Networks werde dagegen stärker schrumpfen als erwartet, hieß es aus Espoo. Trotzdem bekennt sich Nokia zu dem kriselnden Joint Venture. "Wir werden die Bemühungen von Nokia Siemens Networks weiter unterstützen", bekräftigte Kallasvuo.

Umsatz- und Gewinnentwicklung bei Nokia in Euro
Quartal Umsatz Nettogewinn
1/00 6,5 Mrd. 0,91 Mrd.
2/00 7 Mrd. 0,98 Mrd.
3/00 7,58 Mrd. 0,92 Mrd.
4/00 9,28 Mrd. 1,21 Mrd.
1/01 8 Mrd. 1,05 Mrd.
2/01 7,35 Mrd. 0,83 Mrd.
3/01 7 Mrd. 0,76 Mrd.
4/01 8,79 Mrd. 1,15 Mrd.
1/02 7 Mrd. 0,92 Mrd.
2/02 6,94 Mrd. 0,90 Mrd.
3/02 7,2 Mrd. 0,88 Mrd.
4/02 8,8 Mrd. 1,24 Mrd.
1/03 6,7 Mrd. 0,97 Mrd.
2/03 7,02 Mrd. 0,66 Mrd.
3/03 6,9 Mrd. 0,86 Mrd.
4/03 8,79 Mrd. 1,17 Mrd.
1/04 6,63 Mrd. 0,82 Mrd.
2/04 6,64 Mrd. 0,71 Mrd.
3/04 6,94 Mrd. 0,66 Mrd.
4/04 9,063 Mrd. 1,019 Mrd.
1/05 (*) 7,396 Mrd. 0,863 Mrd.
2/05 8,059 Mrd. 0,799 Mrd.
3/05 8,403 Mrd. 0,881 Mrd.
4/05 10,333 Mrd. 1,073 Mrd.
1/06 9,507 Mrd. 1,048 Mrd.
2/06 9,813 Mrd. 1,140 Mrd.
3/06 10,100 Mrd. 0,845 Mrd.
4/06 11,701 Mrd. 1,273 Mrd.
1/07 9,856 Mrd. 0,979 Mrd.
2/07 12,587 Mrd. 2,828 Mrd.
3/07 12,898 Mrd. 1,563 Mrd.
4/07 15,717 Mrd. 1,835 Mrd.
1/08 12,660 Mrd. 1,222 Mrd.
2/08 13,151 Mrd. 1,103 Mrd.
3/08 12,237 Mrd. 1,087 Mrd.
4/08 12,662 Mrd. 0,576 Mrd.
1/09 9,274 Mrd. 0,122 Mrd.
2/09 9,912 Mrd. 0,287 Mrd.
3/09 9,810 Mrd. -0,913 Mrd.

(*) Ergebnis seit Q1 2005 ausgewiesen nach seit dem 1. Januar 2005 gültigen neuen IFRS-Bilanzierungsregeln

(vbr)