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Nokia unter Druck

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Nachdem bereits im vergangenen Quartal ein leichter Umsatzrückgang bei allerdings satten Gewinnen zu verzeichnen war, hatte Nokia die Anleger dieses Mal schon im Vorfeld mit einer Umsatzwarnung schockiert. Nun ist Nokia mit einem Umsatz von 6,625 Milliarden Euro und einem Nettogewinn von 0,816 Milliarden Euro im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahrs nicht gerade in einer finanziellen Krise -- aber der Umsatz ging im Jahresvergleich um 2 Prozent, der Gewinn um 16 Prozent zurück. Zudem war die Umsatzwarnung mit dem Eingeständnis verbunden, die Markttrends nicht richtig erkannt zu haben.

Bislang galt Nokia immer als Firma, die keinen Trend verschläft, sie im Gegenteil eher auslöst und bestimmt, und das mit daraus resultierenden ständig steigenden Marktanteilen, Umsätzen und Gewinnen. Konkurrent Samsung, seit einiger Zeit eifrig dabei, seine Handy-Marktanteile auszubauen, konnte gerade melden, der Gewinn sei auch auf Grund erfolgreicher Geschäfte mit Highend-Handys stark gestiegen. Nokia dagegen musste etwa ganz und gar nicht zufrieden stellende Umsätze mit der Handy-Spielkonsole N-Gage eingestehen, die mit einer neuen Version nun aufgebessert werden sollen. Aber auch bei den eigentlichen Handys habe man mit einem Produktmix, der vor allem von Lowend-Geräten geprägt sei, nicht die Bedürfnisse der Kunden getroffen. Vor allem im mittleren Segment habe man "gewisse Lücken im Produktportfolio", meinte Nokia etwas betreten bei der Verkündung der Umsatzwarnung.

Im ersten Quartal des Geschäftsjahres sank der Umsatz mit Handys bei Nokia um 15 Prozent auf 4,3 Milliarden Euro zurück. Der Umsatz mit Multimediageräten stieg um 60 Prozent, allerdings auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau von nunmehr 776 Millionen Euro -- während sich Nokia mit dem Absatz des Modells 6600 sehr zufrieden zeigt, bleibt das Spiele-Handy N-Gage vorerst das Sorgenkind. Die Netzwerksparte, die Infrastruktur und Dienstleistungen für Mobilfunkbetreiber liefert, konnte den Umsatz um 16 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro steigern. Während die Firma von einem Wachstum des Mobilgeräte-Absatzes der gesamten Industrie von 29 Prozent ausgeht, stieg der Gesamtabsatz von Mobilgeräten bei Nokia nur um 19 Prozent.

"Wir sind nicht zufrieden mit den Entwicklungen unserer Verkäufe im ersten Quartal", erklärte Nokias Chef Jorma Ollila etwas kleinlaut. Man habe aber trotz der Enttäuschungen bei Handys und Multimedia-Geräten eine gute Profitabilität gezeigt. Die Hoffnungen setzt Nokia auf den weiteren Verlauf des Jahres: Insgesamt 40 neue Geräte will man auf den Markt bringen -- ob die Kunden sie akzeptieren und der finnische Handy-Marktführer seine Position zumindest halten kann, wird sich dann in den Bilanzen der nächsten Quartale zeigen. Einige Analysten erwarten jedenfalls mittlerweile, dass Nokia seine Umsätze im Gesamtjahr nicht steigern kann, andere rechnen bereits mit einem Umsatzrückgang von bis zu 5 Prozent. Nokia selbst gab keine genaue Prognose für das Gesamtjahr ab, meint aber, man werde von den Produktneuvorstellungen in der zweiten Jahreshälfte profitieren. Für das zweite Quartal erwartet der Konzern den gleichen oder einen leicht rückläufigen Umsatz im Vergleich zum zweiten Quartal 2003.

An der Frankfurter Börse sackte der Kurs der Nokia-Aktie, die bereits nach der Umsatzwarnung vor einigen Tagen unter Druck geraten war, nach Bekanntgabe der Bilanzen erst einmal stark ab. Gegen Mittag lag das Papier um bis zu 8,28 Prozent im Minus bei 12,40 Euro.

Umsatz- und Gewinnentwicklung bei Nokia in Euro

Quartal Umsatz Nettogewinn
1/00 6,5 Mrd. 0,91 Mrd.
2/00 7 Mrd. 0,98 Mrd.
3/00 7,58 Mrd. 0,92 Mrd.
4/00 9,28 Mrd. 1,21 Mrd.
1/01 8 Mrd. 1,05 Mrd.
2/01 7,35 Mrd. 0,83 Mrd.
3/01 7 Mrd. 0,76 Mrd.
4/01 8,79 Mrd. 1,15 Mrd.
1/02 7 Mrd. 0,92 Mrd.
2/02 6,94 Mrd. 0,90 Mrd.
3/02 7,2 Mrd. 0,88 Mrd.
4/02 8,8 Mrd. 1,24 Mrd.
1/03 6,7 Mrd. 0,97 Mrd.
2/03 7,02 Mrd. 0,66 Mrd.
3/03 6,9 Mrd. 0,86 Mrd.
4/03 8,79 Mrd. 1,17 Mrd.
1/04 6,63 Mrd. 0,82 Mrd.