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Nokia zeigt Schwäche

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Auch der Weltmarktführer schwächelt: Nokia hat im Ende März abgelaufenen ersten Quartal des Geschäftsjahres 2009 einen drastischen Gewinnrückgang zu verkraften. Während die Umsätze im ersten Abschnitt um 27 Prozent von 12,7 auf 9,3 Milliarden Euro schrumpften, brach der Gewinn dramatisch von 1,2 Milliarden Euro im Vorjahr auf 122 Millionen Euro ein. Mit beiden Kennzahlen verfehlten die Finnen die Erwartungen der Börse. Das operative Ergebnis schmolz von 1,53 Milliarden auf 55 Millionen Euro zusammen.

Nokia macht die Krise für das schlechte Abschneiden zum Jahresbeginn verantwortlich. Wenn Netzbetreiber und Handel ihre Lagerbestände räumen und nicht nachbestellen, leiden die Hersteller. "Das hat unsere Verkaufszahlen im Quartal negativ beeinflusst", erklärte Nokia-Chef Olli-Pekka Kallasvuo in einer Mitteilung, kann der Entwicklung aber auch positive Seiten abgewinnen: "Allerdings bedeutet der Abbau der Lagerbestände auch, dass die Nachfrage im zweiten Quartal besser einzuschätzen sein wird."

Die Finnen verkauften in den vergangenen drei Monaten insgesamt 93,2 Millionen Geräte, 19 Prozent weniger als im Vorjahresabschnitt und 18 Prozent weniger als im Schlussquartal 2008. Insgesamt setzte die Geräte-Sparte 6,2 Milliarden Euro um, ein Drittel weniger als im Vorjahr. Der operative Gewinn des Kerngeschäfts schmolz um 71 Prozent von 1,9 Milliarden Euro auf 547 Millionen Euro. Der durchschnittliche Verkaufspreis eines Nokia-Handys sank weiter von 71 Euro im Vorquartal auf nunmehr noch 65 Euro.

Nokia schätzt das Gesamtmarktvolumen für das erste Quartal auf 255 Millionen Geräte (minus 14 Prozent) und leitet daraus den eigenen Marktanteil von 37 Prozent ab, der im Vergleich zum Schlussquartal 2008 stabil blieb. Im ersten Quartal des Vorjahres betrug Nokias geschätzter Marktanteil noch 29 Prozent. Zufrieden zeigte sich Kallasvuo mit dem ersten Touchscreen-Modell 5800 XpressMusic, von dem im Quartal 2,6 Millionen Stück ausgeliefert wurden. Doch auch die hochklassigen Modelle werden billiger und drücken auf die Marge, zudem nimmt die Konkurrenz den Finnen in der Smartphone-Klasse gerade Marktanteile ab.

Bei der Navigationstochter Navteq sank der Umsatz auf 132 Millionen Euro, die Sparte wies einen operativen Verlust von 120 Millionen Euro aus. Die gemeinsam mit Siemens betriebene Netzwerksparte erzielte Umsätze von 3 Milliarden Euro und blieb damit 12 Prozent hinter dem Vorjahresergebnis zurück. Nokia Siemens Networks weitete den operativen Verlust von 74 Millionen Euro im Vorjahr auf nunmehr 361 Millionen Euro aus.

An der Jahresprognose für die Handy-Branche hielt Nokia, das zuletzt mehrfach an der Kostenschraube gedreht hatte, trotz des Einbruchs und der trüben Aussichten für die Branche fest. Das Unternehmen rechnet weiterhin damit, dass alle Hersteller zusammen rund 10 Prozent weniger Mobiltelefone verkaufen, der eigene Marktanteil dabei aber zunimmt. Im Ausrüstergeschäft fürchtet Nokia dagegen einen branchenweiten Schwund um 10 Prozent, nachdem bislang 5 Prozent oder mehr erwartet worden waren.

Umsatz- und Gewinnentwicklung bei Nokia in Euro
Quartal Umsatz Nettogewinn
1/00 6,5 Mrd. 0,91 Mrd.
2/00 7 Mrd. 0,98 Mrd.
3/00 7,58 Mrd. 0,92 Mrd.
4/00 9,28 Mrd. 1,21 Mrd.
1/01 8 Mrd. 1,05 Mrd.
2/01 7,35 Mrd. 0,83 Mrd.
3/01 7 Mrd. 0,76 Mrd.
4/01 8,79 Mrd. 1,15 Mrd.
1/02 7 Mrd. 0,92 Mrd.
2/02 6,94 Mrd. 0,90 Mrd.
3/02 7,2 Mrd. 0,88 Mrd.
4/02 8,8 Mrd. 1,24 Mrd.
1/03 6,7 Mrd. 0,97 Mrd.
2/03 7,02 Mrd. 0,66 Mrd.
3/03 6,9 Mrd. 0,86 Mrd.
4/03 8,79 Mrd. 1,17 Mrd.
1/04 6,63 Mrd. 0,82 Mrd.
2/04 6,64 Mrd. 0,71 Mrd.
3/04 6,94 Mrd. 0,66 Mrd.
4/04 9,063 Mrd. 1,019 Mrd.
1/05 (*) 7,396 Mrd. 0,863 Mrd.
2/05 8,059 Mrd. 0,799 Mrd.
3/05 8,403 Mrd. 0,881 Mrd.
4/05 10,333 Mrd. 1,073 Mrd.
1/06 9,507 Mrd. 1,048 Mrd.
2/06 9,813 Mrd. 1,140 Mrd.
3/06 10,100 Mrd. 0,845 Mrd.
4/06 11,701 Mrd. 1,273 Mrd.
1/07 9,856 Mrd. 0,979 Mrd.
2/07 12,587 Mrd. 2,828 Mrd.
3/07 12,898 Mrd. 1,563 Mrd.
4/07 15,717 Mrd. 1,835 Mrd.
1/08 12,660 Mrd. 1,222 Mrd.
2/08 13,151 Mrd. 1,103 Mrd.
3/08 12,237 Mrd. 1,087 Mrd.
4/08 12,662 Mrd. 0,576 Mrd.
1/09 9,274 Mrd. 0,122 Mrd.

(*) Ergebnis seit Q1 2005 ausgewiesen nach seit dem 1. Januar 2005 gültigen neuen IFRS-Bilanzierungsregeln (vbr)