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Nokias Handysparte gehört jetzt Microsoft

Der US-Softwareriese hat die Übernahme der Geräte- und Dienstleistungssparte von Nokia abgeschlossen. Für die Finnen endet damit eine stolze Ära, für Microsoft soll es ein großer Schritt in die Zukunft sein.

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Es ist das Ende einer Ära: Das einst so stolze Handygeschäft des finnischen Herstellers Nokia gehört jetzt zu Microsoft. Am Freitagmittag teilten beide Unternehmen den Vollzug der im vergangenen September eingefädelten Übernahme mit. Microsoft integriert die Gerätesparte der Finnen in das eigene "Devices and Consumer"-Geschäft, um seine neue "Mobile & Cloud"-Strategie zu stützen. Der Deal wird den heutigen Angaben zufolge insgesamt etwas teurer als die bisher angekündigten 5,44 Milliarden Euro.

Gehen ab sofort wieder gemeinsame Wege: Microsoft-CEO Satya Nadella und sein neuer Hardware-Chef Stephen Elop.

(Bild: Microsoft)

"Heute heißen wir Nokias Geräte- und Dienstegeschäft in unserer Familie willkommen", sagte Microsoft-CEO Satya Nadella. Der ehemalige Nokia-CEO Stephen Elop wird als neuer Executive Vice President der Microsoft Devices Group das gesamte Hardwaregeschäft verantworten und direkt an Nadella berichten. Zusammen mit Elop wechseln auch die Nokia-Manager Jo Harlow, Juha Putkiranta, Timo Toikkanen und Chris Weber sowie tausende Mitarbeiter zu Microsoft.

Im Rahmen der Übernahme erwirbt Microsoft langfristige Nutzungsrechte an den Patenten, die Nokia behält. Auch eine Fabrik in Indien bleibt zunächst im Besitz der Finnen, weil die dortigen Finanzbehörden wegen eines Steuerstreit des Daumen drauf haben. Auch eine Fabrik im südkoreanischen Masan ist nicht Teil des Deals; Nokia will die Niederlassung mit rund 200 Mitarbeitern schließen.

Nokia besteht nun aus dem gerade vollständig übernommenen Netzausrüster NSN (Nokia Solutions and Networks), der Landkartensparte HERE sowie der Abteilung für Advanced Technologies. Die Mobilfunkpatente bleiben bei Nokia. Die Finnen dürfen Microsoft-Patente für HERE nutzen. Microsoft hat zudem die Marken Asha und Lumia sowie die HERE Apps übernommen.

Die Übernahme Nokias wirbelt in Microsofts Bilanzen einiges durcheinander. Bisher hat Microsoft Lizenzeinnahmen verbucht, wenn Nokia ein Windows Phone ausgeliefert hat. Nun wird das zu eigenem Geräteumsatz. Hier kommt es also zu Verschiebungen in der Buchhaltung sowie zu grundsätzlich höheren Beträgen bei Einnahmen und Ausgaben.

Der Konzernzuwachs kostet nicht nur einen Kaufpreis, sondern zieht auch substanzielle Kosten für die notwendige Umstrukturierung nach sich. Ab November 2015 soll sich das aber durch Synergien bezahlt machen. Microsofts Finanzchefin Amy Hood hat jährliche Kostensenkungen von mindestens 600 Millionen US-Dollar als Ziel ausgegeben. (vbr)

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