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Nordkorea-Satire: Sony sucht neuen Veröffentlichungsweg für "The Interview"

Sony will den wegen Hackerangriff und Terrordrohungen zurückgezogenen Film "The Interview" offenbar doch noch veröffentlichen – möglicherweise auf Youtube. Derweil wird der Hack zum außenpolitischen Muskelspiel zwischen den USA und Nordkorea.

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(Bild: dpa, Franck Robichon)

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Das Filmstudio Sony Pictures will die zunächst wegen Terror-Drohungen abgesagte Nordkorea-Satire "The Interview" doch noch auf irgendeine Art und Weise veröffentlichen. "Wir wollen immer noch, dass die Öffentlichkeit diesen Film sieht", sagte der Chef von Sony Entertainment, Michael Lynton, dem US-Sender CNN.

Seine Firma prüfe im Moment alle Möglichkeiten dafür und ziehe beispielsweise eine Veröffentlichung auf der Online-Plattform YouTube oder Video-on-Demand in Betracht. Eine endgültige Entscheidung darüber gebe es aber noch nicht. In dem Film bekommen zwei US-Journalisten den Auftrag, Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un bei einem Interview zu töten.

Den Film gemacht zu haben, bereue er nicht, sagte Lynton weiter. "Ich würde den Film wieder machen und zwar aus den selben Gründen, warum wir ihn gemacht haben. Es ist eine lustige Komödie und eine politische Satire. Mit dem Wissen, was wir jetzt haben, hätten wir aber vielleicht ein paar Dinge ein wenig anders gemacht."

Werbung für den Film "The Interview"

(Bild: Sony)

Das Studio hatte den eigentlich für den 25. Dezember geplanten Filmstart in den USA nach einem Hackerangriff und Terrordrohungen abgesagt. Die USA machen Nordkorea für den Hackerangriff verantwortlich und haben bereits Vergeltung angedroht. "Wir werden darauf antworten", hatte US-Präsident Obama in seiner Jahresabschlusskonferenz angekündigt.

Zuvor hatte das FBI von Beweisen für Nordkoreas Schuld gesprochen, aber nur relativ wenige Punkte öffentlich gemacht. Unter anderem deuteten IP-Adressen und Ähnlichkeiten der eingesetzten Malware zu anderem Schadcode auf Verantwortliche in dem Land. Laut Medienberichten haben die USA inzwischen auch China um Hilfe gebeten. Demnach laufe praktisch die gesamte Telekommunikation Nordkoreas über von China betriebene Netzwerke. China verurteilte die Cyberattacke, äußerte sich jedoch nicht zur Schuldfrage.

Nordkorea wies die Vorwürfe zurück. Die USA sollten eher "für ihre Untaten bei der Menschheit um Verzeihung bitten", bevor sie andere beschuldigen, hieß es in einer Meldung der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA. Zudem sei das kommunistische Land zu einer Konfrontation mit den USA "in allen Kriegsbereichen einschließlich des Cyber-Kriegsraums bereit".

Unterdessen haben sich die Angreifer auf Sony offenbar erneut an die Medien gewendet. Wie der Hollywood Reporter berichtet, hätten die "Guardians of Peace" (Wächter des Friedens), die sich zu der Attacke bekannt hatten, eine E-Mail an Journalisten geschickt. Darin sei ein Link zu einem Youtube-Video, in dem die Gruppe die Ermittler des FBI verballhornt und sie als "Idioten" betitelt.

Für Sony ist die Sache insgesamt ein riesiges Fiasko. Neben dem Imageverlust gibt es schmerzliche finanzielle Einbußen: Zusätzlich zu den Filmproduktionskosten, die bei 44 Millionen Dollar gelegen haben sollen, hatte das Unternehmen kurz vor dem Kinostart bereits weitere 30 Millionen Dollar in eine große Werbekampagne gesteckt. Zudem ziehen nun auch ehemalige Mitarbeiter von Sony Pictures gegen das Hollywood-Studio vor Gericht. In Sammelklagen werfen sie dem Unternehmen vor, trotz Warnzeichen und bereits erfolgten massiven Angriffen auf die Netzwerke des Unternehmens die Sicherheit vernachlässigt zu haben.

[UPDATE, 18:00, 22.12.2004]

Wie die Seite North Korea Tech meldet, hat es in Nordkorea in den vergangenen 24 Stunden erhebliche Konnektivitätprobleme bei den Internetverbindungen gegeben. Ob es sich dabei um einfaches Versagen der Infrastruktur handelt oder doch ein Zusammenhang mit dem Sony-Hack besteht, ist zur Stunde offen. "Ich wäre nicht überrascht, wenn sie gerade mit Angriffen zu kämpfen haben", wird ein Experte vom Netzwerkdienstleister Dyn zitiert.

(Mit Material der dpa) / (axk)