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Nortel verkauft seine Produktionswerke komplett

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Der angeschlagene und in Untersuchungen wegen Bilanzunregelmäßigkeiten verwickelte Netzwerkausrüster Nortel verkauft seine Produktionsstätten in Kanada und Brasilien an den Elektronik-Auftragsfertiger Flextronics. Die Übernahme der Werke in Frankreich und Nordirland ist noch nicht endgültig unter Dach und Fach; Nortel erwartet aber, dass Flextronics auch diese Produktionsstätten übernimmt. Damit werde der Fünf-Jahres-Plan abgeschlossen, der letztlich dazu führen sollte, alle eigenen Herstellungsaktivitäten für Netzwerk-Equipment aufzugeben, hieß es bei Nortel.

Flextronics wird neben den Werken, den Produktionseinrichtungen und den Lagerbeständen auch rund 2.500 Angestellte von Nortel übernehmen. Auch die Wartungs- und Reparaturorganisation von Nortel geht komplett an Flextronics. Die Kanadier bekommen dafür zwischen 675 und 725 Millionen US-Dollar; Flextronics erhält Produktionsstätten und Personal, das bislang für rund 2,5 Milliarden US-Dollar Equipment produzierte.

Nortel erwartet, dass bei diesem Umfang von rund 2,5 Milliarden US-Dollar auch die durchschnittliche Zulieferung pro Jahr von Flextronics an den Netzwerkkonzern liegt -- man erhoffe sich von dem Deal aber gerade, die Fixkosten durch flexiblere Reaktionsmöglichkeiten auf den stark schwankenden Telekommunikationsmarkt drastisch senken zu können. Die Verträge umfassen einen Zuliefervertrag von Flextronics an Nortel, der erst einmal über vier Jahre läuft. Im vierten Jahr glaubt Nortel, dadurch Einsparungen von 75 bis 100 Millionen US-Dollar für das Geschäftsjahr erreicht zu haben.

Nortel zählte in den Zeiten des Booms der Internet-Ökonomie zu den eigentlichen Profiteuren, da sich mit den exorbitanten Ausgaben für die Infrastruktur gutes Geld verdienen ließ. Mit dem Zusammenbruch der New-Economy-Blase und angesichts aufgebauter Überkapazitäten bei den IP-Carriern traf es dann aber auch die Telecom-Ausrüster besonders hart. Das kanadische Unternehmen sah sich aber, nachdem zumindest in den offiziellen Bilanzen wieder Gewinne ausgewiesen wurden, schon auf dem Weg der Besserung. Angesichts der jüngsten Turbulenzen hofft der Konzern nun wohl, mit dem Verkauf der Produktionsstätten eine bessere Basis für eine finanziell gesicherte Zukunft gefunden zu haben. (jk)