Norwegen: Fast die Hälfte der neuen Autos fährt elektrisch

Der Absatz von E-Autos ist 2019 in dem skandinavischen Land um knapp 31 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 60.316 gestiegen. Ein US-Modell war am beliebtesten.

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Elektroautos parken im norwegischen Winter

(Bild: elbil.no)

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Norwegen macht seinem Ruf als Vorreiter bei der Elektromobilität erneut Ehre. In dem nordischen Land lag die Quote von E-Autos unter den Neuzulassungen 2019 bei 42,4 Prozent. Dies geht aus Statistiken hervor, die der nationale Straßenverkehrsverband OFV am Freitag veröffentlicht hat. Die Norweger schicken sich damit an, die 50-Prozent-Marke 2020 im Jahresdurchschnitt zu knacken, nachdem sie diese in einzelnen Monaten der vergangenen Jahre bereits temporär überschritten hatten. 2013 hatte der E-Anteil erst bei 5,5 Prozent des Absatzes gelegen.

Insgesamt wurden in Norwegen 2019 142.381 neue Personenkraftwagen nach 147.929 im Jahr zuvor verkauft. Das entspricht einem Rückgang von 3,8 Prozent. Der Absatz von Elektroautos stieg auf 60.316 gegenüber 46.092 im Vorjahr, ein Plus von 30,9 Prozent. Die Verkäufe von wiederaufladbaren Hybriden gingen im Vergleich zu 2018 um 27,3 Prozent zurück, während die Verkäufe von Vollhybriden um 7,5 Prozent zunahmen.

Das Minus bei den Plug-in-Hybriden erklärt der OFV unter anderem mit den strengeren Emissionsvorgaben beim neuen Mess- und Prüfverfahren WLTP (Worldwide harmonized Light Vehicles Test Procedure). Diese hätten dazu geführt, dass Hersteller eine Vielzahl wiederaufladbarer Modelle vom Markt nehmen und anpassen mussten. Fahrzeugauswahl und Liefersituation seien beschränkt gewesen. Darüber hinaus dürften Änderungen in der Steuerpolitik dazu beigetragen haben, den Verkauf vorübergehend zu dämpfen.

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OFV-Direktor Øyvind Solberg Thorsen geht davon aus, dass der Anteil an neu verkauften Elektroautos 2020 noch deutlich über dem von 2019 liegen wird. Es werde eine viel größeres Sortiment an einschlägigen Modellen geben, die eine größere Reichweite mit sich brächten und auch in erschwinglichen Preisklassen erhältlich seien.

Der mit 15.683 Stück am meisten verkaufte Wagen war in Norwegen voriges Jahr das Model 3 des E-Fahrzeugbauers Tesla. An zweiter Stelle liegt der Golf mit 10.025 Neuzulassungen. Insgesamt konnte Volkswagen mit 18.949 verkauften Fahrzeugen Tesla mit 18.798 knapp auf den zweiten Platz verbannen vor Toyota, BMW und Volvo.

Zum ersten Mal seit mehreren Jahren gingen in dem skandinavischen Land die Verkäufe von Benzinfahrzeugen stärker zurück als die von Dieseln, und zwar um 31,4 Prozent gegenüber 13,1 Prozent. Der OFV führt dies zum Teil darauf zurück, dass es sich bei vielen Benzinern um Kleinwagen handelt, für die es mittlerweile viele voll- oder teilweise elektrische Alternativen gebe. Dieselautos seien dagegen in der Regel größere, leistungsstärkere und geräumigere Familienautos, die noch stärker gefragt seien.

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Das norwegische Parlament gab 2017 das Ziel aus, dass von 2025 an keine Pkws und keine leichten Lkws mit fossilem Antrieb mehr neu zugelassen werden sollen. Laut der "taz" erweist sich mittlerweile aber das Ladenetz verstärkt als Engpass. In einer Umfrage vom vergangenen Jahr hätten 64 Prozent aller E-Autobesitzer über Schlangen vor allem an den Schnellladestationen geklagt. Mit dem Bau von acht neuen "Superchargern" in den nächsten Monaten habe Tesla gerade versprochen, zumindest einen großen weißen Fleck auf der Karte der nördlichen Landesteile von Norwegen, Schweden und Finnland beseitigen zu wollen.

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In Deutschland kamen in den ersten elf Monaten 2019 nach Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamts insgesamt rund 3,3 Millionen Pkw zur Neuzulassung und damit 3,9 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum 2018. Im November zeigten sich bei fast allen deutschen Marken positive Vorzeichen, wobei bei Porsche der Zuwachs mit 158,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat am deutlichsten ausfiel. Bei den Import-Marken konnte Tesla mit einem Plus von 129,5 Prozent einen dreistelligen Zuwachs in der Neuzulassungsstatistik verzeichnen.

Mit 57,9 Prozent waren hierzulande erneut mehr als die Hälfte aller Neuwagen Benziner, gefolgt von Diesel-Pkw, deren Anteil bei 31,6 Prozent lag. 25.941 Neuwagen mit Hybridantrieb bewirkten ein Plus von 122,2 Prozent und einen Anteil von 8,7 Prozent. 4651 Elektrofahrzeuge kamen im November zur Neuzulassung und damit 9,1 Prozent mehr als im Vergleichsmonat. Ihr Anteil betrug aber nur 1,6 Prozent. (tiw)