Menü

Notfall-Robotik: Wenn die Brennelemente im Kernreaktor zerbrechen, schlägt die Stunde der Roboter

Die Atomkatastrophe von Fukushima hat gezeigt, dass Robotereinsätze in havarierten Atomkraftwerken gut geplant werden müssen und viele verschiedene Roboter zum Einsatz kommen. Im AKW Zwentendorf dürfen sich nun einige Modelle im Wettbewerb beweisen.

vorlesen Drucken Kommentare lesen 75 Beiträge

Manche Roboter mussten mit einem Schwerlastkran im AKW bewegt werden.

(Bild: Hans-Arthur Marsiske)

Inhaltsverzeichnis

Strom-Tarifvergleich Anzeige

Beim Roboterwettbewerb Enrich im österreichischen Zwentendorf war am Dienstag der Tag des Testens. Die teilnehmenden Teams konnten ihre Roboter sowohl im Innern des Kernkraftwerks auf der Ebene in knapp 40 Meter Höhe herumfahren, um die Manövrierbarkeit und die Sensoren zu testen, als auch im Freien hinter dem Kraftwerksgebäude die Strahlungssensoren an dort deponierten radioaktiven Stoffen zu erproben. Jedes Team hatte für die Tests im Gebäude 40 Minuten Zeit, wozu auch der Transport auf die Einsatzebene mithilfe eines Krans gehörte.

Das zugrundeliegende Szenario erklärte Rudolf Deutsch vom österreichischen Bundesheer, der für die sichere Handhabung der Strahlungsquellen verantwortlich ist: Nach einem Austausch der Brennelemente sind die alten Brennstäbe zunächst in einem Abklingbecken neben dem Reaktorbecken gelagert worden, bis sie für den Abtransport bereit sind. Bei diesem Abtransport durch den Kran, so die Annahme, ist ein Brennelement heruntergefallen und zerbrochen, sodass radioaktives Material auf dem Boden verstreut ist. Nun ist es die Aufgabe der Roboter, zunächst das hochaktive Material einzusammeln und sicher zu deponieren, bevor Menschen den Raum betreten, um das schwachaktive Material einzusammeln.

Um dieses Szenario zu simulieren, wurden in dem Reaktorraum einige Behälter mit radioaktivem Material verteilt, die ungefähr die Größe eines Kugelschreibers haben. Daneben gibt es auch gleichartige Behälter ohne radioaktiven Inhalt. Aufgabe der Teams war es, die radioaktiven Proben zu finden und in einem Eimer zu deponieren, der durch einige Bleiziegel von außen abgeschirmt ist. Ursprünglich sollten sich die Bleiziegel im Eimer befinden, das wäre jedoch mit dem Risiko verbunden gewesen, dass die Strahlungsproben ungünstig dazwischen fallen und mit dem üblichen Sicherheitswerkzeug nicht hätten herausgeholt werden können. Der Bediener des Krans war während des Robotereinsatzes durch eine 300 kg schwere Bleiwand geschützt, andere Personen durften sich nicht im Einsatzbereich aufhalten.

Enrich: Die Stunde der Roboter im Atomkraftwerk (7 Bilder)

So sehen die Brennelemente eines Siedewasserreaktors aus. Wenn sie zerbrechen, haben die Betreiber des Kraftwerks ein Problem, das Roboter lösen müssen — so jedenfalls die Idee beim Wettbewerb Enrich. (Bild: Hans-Arthur Marsiske)

Bei den Testläufen am Dienstag waren jedoch Zuschauer erlaubt. Ein besonderer Höhepunkt war dabei der Transport des Roboters des schwedisch-italienischen Teams Brokk, für den wegen seiner Größe eine eigene Transportwanne erforderlich war und der Schwerlastkran zum Einsatz kommen musste. Es brauchte 15 Minuten, um den Koloss nach oben zu hieven. Dort gab er einige Geräusche von sich, ließ auch ein, zwei Mal ein Licht aufblinken, rührte sich aber ansonsten nicht. Da der Fehler nicht gleich zu identifizieren war, musste das Team abbrechen und es ging wieder 15 Minuten nach unten. Der Roboter wurde über Kabel mit Energie versorgt und war mit Glasfaserkabeln an die Kontrollstation im Erdgeschoss angeschlossen. Insbesondere das 40 Meter herab hängende Stromkabel zog mit schätzungsweise 70 Kilogramm an dem Roboter und mag zum Abknicken der Datenkabel geführt haben.

Ganz aus eigener Kraft gelangte der Flugroboter des Flyability aus Lausanne auf die Einsatzebene und zeigte dabei beeindruckende Manövrierbarkeit. Auch gelegentliche Kollisionen mit herabhängenden Kabeln waren kein Problem. Wie gut er Umgebungskarten erstellen kann, wird sich dagegen erst im eigentlichen Wettbewerb zeigen.