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Nur Gewinner bei der Frequenz-Auktion?

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Weniger als erwartet hat die am Donnerstag beendete Versteigerung neuer Mobilfunkfrequenzen eingespielt, und doch zeigen sich alle Beteiligten zufrieden. Die verantwortliche Bundesnetzagentur hat eine positive Bilanz gezogen. Die Regulierungsbehörde ist auch mit den Erlösen zufrieden, die mit insgesamt knapp 4,4 Milliarden Euro hinter den Erwartungen von Marktbeobachtern zurückgeblieben sind."Wir haben ein realistisches Ergebnis, das dem Marktwert entspricht", sagte Netzagentur-Chef Matthias Kurth am Freitag in Mainz der dpa.

Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) appellierte nun an die Telekommunikationsbranche, sie solle "möglichst schnell" ihr Versprechen wahr machen, die ländlichen Räume zügig mit schnellen Internetverbindungen zu erschließen. Der Bund müsse seine Milliardeneinnahmen nutzen, um sich an den Umrüstkosten zu beteiligen, die mit der Freigabe der neuen Frequenzen anfielen, forderte er in einer Mitteilung. Mit der "Digitalen Dividende" - einem Teil des versteigerten Spektrums im 800-MHz-Bereich – will die Bundesregierung die Breitbandversorgung der Menschen auf dem Lande verbessern.

"Niemand ist leer ausgegangen", freute sich Kurth. "Alle Bieter konnten ihr Spektrum mehr als verdoppeln". Das liegt vor allem daran, dass nur die vier Netzbetreiber überhaupt zur Auktion zugelassen waren. Die konnten das neue Spektrum demnach untereinander aufteilen, ohne neue Konkurrenz auf dem Markt fürchten zu müssen. Die Netzagentur lässt Vorwürfe, damit einem echten Wettbewerb im Weg zu stehen, an sich abprallen: Zwischen den vier Netzbetreibern herrsche genug gesunde Konkurrenz.

Diese Form der Vergabe sei "weder diskriminierungsfrei noch chancengleich oder transparent", kritisiert Christian Irmler, Vorstand der Airdata AG. Der Funknetzbetreiber nutzte bisher einige der nun versteigerten Frequenzen, war aber nicht zur Auktion zugelassen worden und hat gegen das Vergabeverfahren geklagt. "Die Bundesnetzagentur schafft mit der Durchführung der streitbefangenen Versteigerung Fakten", sagt Irmler. "Der Markt wird für die kommenden zwei Jahrzehnte für neue Anbieter abgeschottet.“

Kaum überraschend also, dass sich am Tag danach alle Auktionsteilnehmer zufrieden zeigen. Kaum war die Versteigerung beendet, da kündigte Telefónica-O2 den Aufbau eines LTE-Netzes mit den neuen Frequenzen an – allerdings erst einmal ein "regionales". Das immerhin soll "bis zum Ende des Jahres starten", versicherte CEO René Schuster. Auch Vodafone-Chef Friedrich Joussen freut sich: "Internet für alle wird jetzt Realität." Bei der Telekom war man zufrieden, die für den Netzausbau nötigen Frequenzen ergattert zu haben. "Damit schaffen wir eine wesentliche Grundlage für die Steigerung des Umsatzes aus mobilem Datenverkehr, so wie es unsere Strategie vorsieht", sagte Vorstand Niek Jan van Damme.

Auch der Netzbetreiber E-Plus, der im Wettbieten um die begehrte Digitale Dividende bei einer halben Milliarde pro Block die Segel gestrichen hatte, freut sich über den Ausgang der Auktion, die dem Unternehmen für 283 Millionen Euro acht Frequenzblöcke in den Bereichen 1,8 GHz, 2,0 GHz und 2,6 GHz bescherte. "Das zusätzliche Spektrum passt sehr gut zu unserer Herausforderstrategie", kommentierte E-Plus-Chef Thorsten Dirks. Wie das Unternehmen dieser selbstgewählten Rolle dann auch bei Datendiensten gerecht werden will, wird sich zeigen.

Immerhin konnte sich E-Plus UMTS-Frequenzen sichern, die sofort einsetzbar sind und die Installation neuer Technik nicht erfordern. Auch andere Netzbetreiber ergänzten so ihr Frequenzportfolio und können ihre UMTS-Kapazitäten damit sofort und relativ aufwandsarm erweitern. Der Aufbau der nächsten Netzgeneration LTE kommt dann später. Wann das flächendeckend passiert, ist die große Frage: Noch ist LTE ein reiner Datenstandard, das Problem der parallelen Sprachübertragung ist noch nicht standardtauglich gelöst.

Und kaum sind die vier Milliarden im Sack, werden erste Ansprüche erhoben. "Ich gehe davon aus, dass die Bundesregierung sich ihrer Verantwortung bewusst ist und die Betroffenen mit den technischen Problemen, die aus der Vergabe der neuen Frequenzen entstehen können, nicht alleine lässt", sagte Kurt Beck. Der Ministerpräsident meint damit auch die nötige Umrüstung der Veranstaltungstechnik, die bisher im Bereich der Digitalen Dividende funken durfte. Allein das Mainzer Staatstheater schätze die Kosten der Umrüstung auf mehr als 100.000 Euro. (vbr)

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