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Nvidia GeForce RTX 2080 im Kurztest: Teurer aber nicht viel schneller als die Vorgänger

Seit Donnerstag ist die GeForce RTX 2080 im Handel erhältlich. Wir haben uns eine Karte gekauft und erste unabhängige Messungen durchgeführt.

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Nvidia GeForce RTX 2080 im Kurztest

Die GeForce RTX 2080 ist die erste Grafikkarte mit Nvidias neuer Turing-Architektur.

Nach einem klassischen Salami-Launch in feinen Scheibchen für Unboxing, technische Informationen und erste Benchmarks steht Nvidias GeForce RTX 2080 seit Donnerstagmorgen in den Regalen der Händler. Sie ist die erste Karte mit der neuen Turing-Architektur. Nvidia verspricht ausreichend Performance, um flüssig in 4K-Auflösung (3840 × 2160) zu spielen, außerdem hat die GPU RT-Cores für Raytracing-Effekte. Schließlich bringt sie als erste Consumer-Karte unter 1000 € Tensor-Cores für KI-Anwendungen wie Machine Learning mit.

Derzeit sind nur wenige Turing-Karten bei Händlern verfügbar.

(Bild: Notebooksbilliger )

Da heise online und c’t Nvidias General-NDA nicht unterschrieben haben, bekamen wir vorab keine Testmuster und sind jetzt etwas später dran. Wir kauften eine Gainward GeForce RTX 2080 Phoenix Golden Sample (ab 753,09 €), vor allem aus zwei Gründen: Erstens gehörten die Phoenix-Modelle dieses Herstellers in der Vergangenheit zu den leisesten und schnellstem am Markt. Zweitens waren beim Händler unserer Wahl überhaupt nur vier RTX-2080-Karten verfügbar, von denen die Phoenix das spannendste war. Im heise Preisvergleich sah es heute morgen wenig besser aus, er zählt gerade einmal acht Varianten "lagernd" auf.

Auf der Platine unter dem knapp 30 cm langen Kühlkörper mit drei Axiallüftern sitzt wie bei allen GeForce RTX 2080 der Turing-Chip TU104. Er besteht aus 13,6 Milliarden Transistoren und enthält 2944 Shader- sowie 184 Textureinheiten und 64 ROPs. Zusätzlich hat er 368 Tensor Cores an Bord. Als Nominaltakt gibt Gainward 1515 MHz an, der Boost geht bis 1815 MHz – das sind 15 MHz mehr als bei Nvidias werksübertakteter "Founders Edition".

Die Gainward GeForce RTX 2080 Phoenix Golden Sample belegt nur zwei PCIe-Slots.

Die 8 GByte GDDR6-Speicher sind über 256 Datenleitungen angebunden, takten mit 1750 MHz und liefern eine Transferrate von 448 GByte/s.

Bei den Anschlüssen weicht Gainward ebenfalls nicht von Nvidias Standard-Design ab: Auf der Anschlussblende finden sich ein HDMI-2.0b-Ausgang, drei DisplayPorts 1.4 sowie eine USB-C-Buchse, die ebenfalls DisplayPort-1.4-Signale ausgibt.

Mittels NVLink-Brücke lässt sich die Karte mit einer zweiten RTX 2080 zusammenschalten. Die Grafikkarte besorgt sich Strom aus dem PEG-Steckplatz sowie aus je einem 6- und einem 8-poligen PCIe-Stecker.

Die große Metallplatte an der Rückseite dient als Kühlkörper und stabilisiert die Karte.

In Sachen 3D-Leistung kann sich die GeForce RTX 2080 mit der GTX 1080 Ti aus der Vorgängergeneration messen, die den Pascal-Chip GP102 nutzt. Unser Testsystem bestand aus einem Core i7-8700K, einem Z370-Board und 32 GByte DDR4-RAM.

Im DirectX11-Test Firestrike Extreme der 3DMark-Suite liegt die Turing-GeForce zwar mit 12.547 Punkten hinter der 1080 Ti (13.375). In Time Spy wendet sich das Blatt aber und die neue Karte geht mit 10.319 Punkten in Führung (1080 Ti: 9504). Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass Nvidia die Probleme beim Context Switching, also beim Wechsel zwischen Grafik- und allgemeinen Berechnungen auf der GPU, ausgeräumt hat.

Spiele-Benchmarks zeigen beide Karten indes gleichauf: Shadow of the Tomb Raider stellten beide mit vollen Details und SMAA in WQHD (2560 × 1440) mit etwa 86 fps (Frames per Second) dar, in 4K erreichten beide 46 fps. Auch in Far Cry 5 lieferten sie sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen: In WQHD schickte die RTX 2080 108 Bilder pro Sekunde an den Bildschirm, in 4K waren es 59 fps. Die GeForce 1080 Ti schaffte zwei respektive 1 fps weniger, ging dafür in GTA V mit ebenso hauchdünnem Abstand in Führung (WQHD: 96 zu 94 fps, 4K: 57 zu 56 fps). Allerdings bekommt man eine GeForce GTX 1080 Ti derzeit schon für um die 700 Euro; für unsere Gainward-Karte haben wir 850 Euro bezahlt.

Gegenüber der GeForce GTX 1080 fällt der Leistungsvorsprung erwartungsgemäß größer aus; je nach Spiel sind es in WQHD 16 und 26 Prozent, in 4K 22 bis 28 Prozent. Das Preisdelta ist dafür umso größer, denn die GTX 1080 geht schon für unter 500 Euro über die Ladentheke.

Auf dem Papier bescheinigt Nvidia der GeForce GTX 1080 Ti zwar eine etwas höhere Rechenleistung als der RTX 2080, in der Praxis zieht ihr letztere allerdings davon. Im Test LuxBall HDR aus dem Luxmark 3.1 berechnet die Turing-Karte 30.239 Strahlen pro Sekunde, die Pascal-Vorgängerin kommt auf 21.231. Ähnlich fällt der Vorsprung im Raytracer Blender 2.80 (Nightly Build) aus. Den BMW-Benchmark rechnete die GeForce RTX 2080 in 78 Sekunden durch, die GTX 1080 Ti brauchte 13 Sekunden länger. Da die offiziellen Builds der beiden Programme die neuen RT-Cores noch nicht ansprechen können, rechneten diese dabei nicht mit.

Der USB-C-Port gibt DisplayPort-1.4-Signale aus und versorgt angeschlossene VR-Headsets mit bis zu 27 Watt.

Wie alle modernen Karten blieb die Gainward GeForce RTX 2080 Phoenix Golden Sample im Leerlauf lautlos. Unter anhaltender 3D-Vollast, simuliert mit dem Stresstest FurMark, stieg die Lautstärke auf bis zu 1,8 Sone – da waren andere Phoenixe schon leiser. Das stellt allerdings den Worst-Case dar; in 3D-Spielen zeigte sich die Karte eher zurückhaltend, wenngleich brummelig. Zudem trat ein leichtes Spulenzirpen auf.

Das Effizienzversprechen löst Nvidia ein: Verbriet die GeForce GTX1080 Ti in der Furmark-Schleife rund 242 Watt, sind es bei der RTX 2080 nur noch 230 Watt. Kurzzeitige Spitzen von bis zu 360 Watt erreichen beide. Beim Anzeigen des Windows-Desktops herrschte hingegen Gleichstand, mit vier angeschlossenen Monitoren sinkt die Leistungsaufnahme wiederum von 61 auf 44 Watt.

Eines der Vorzeige-Features der neuen Turing-Generation ist die Fähigkeit, Raytracing-Effekte in Spielen zu berechnen. Daher auch das neue Präfix RTX. Derzeit lässt sich diese Funktion jedoch nicht ausprobieren, weil kein Spiel sie bislang beherrscht. Das wird sich erst nach und nach ändern, beginnend im Laufe des Oktober. Denn außer Patches, die die Spieleentwickler bereits versprochen haben, setzen die RTX-Funktionen auch die passende Microsoft-Schnittstelle DirectX Raytracing (DXR) für Windows voraus. Wie PCWorld berichten, wird die aber erst Teil des nächsten Windows Feature Releases mit dem Namen Windows 10 October 2018 Update (alias Redstone 5) sein.

Wer bereits eine GeForce GTX 1080 Ti besitzt, hat keinen wirklichen Grund, auf die GeForce RTX 2080 umzusteigen. Die 3D-Performance ist so gut wie identisch, die neuen Features sind vorerst noch nicht nutzbar, der Preis liegt sogar höher. Attraktiver scheint da schon ein Umstieg von einer GeForce GTX 1080 oder einer älteren Karte – wenn das Budget es hergibt.

Spannend sind die neuen Raytracing- und Machine-Learning-Funktionen. Es kommt nun darauf an, was Spiele- und Software-Entwickler daraus machen und ob Raytracing-Effekte in 3D-Engines bald zum guten Ton gehören. Und wie AMD darauf antwortet: In puncto Performance hat AMD Turing derzeit nichts entgegenzusetzen.

Einen Vergleichstest von Grafikkarten mit Nvidias GeForce RTX 2080 und 2080 Ti lesen Sie in einer zukünftigen Ausgabe von c’t.

GeForce RTX 2070 GeForce RTX 2080 GeForce RTX 2080 Ti GeForce GTX 1080 Ti GeForce GTX 1080
GPU Turing (TU106) Turing (TU104) Turing (TU102) Pascal (GP102) Pascal (GP104)
Shader-Rechenkerne 2304 2944 4352 3584 2560
GPU-/Turbo-Takt 1410 / 1710 MHz 1515 / 1800 MHz 1350 / 1635 MHz 1481 / 1582 MHz 1607 / 1733 MHz
Rechenleistung (SP) 7,9 TFlops 10,6 TFlops 14,2 TFlops 11,47 TFlops 8,23 TFlops
Speicher 8 GByte GDDR6 8 GByte GDDR6 11 GByte GDDR6 11 GByte GDDR5X 8 GByte GDDR5X
Speicher-Anbindung 256 Bit 256 Bit 352 Bit 352 Bit 256 Bit
Datentransferrate 448 GByte/s 448 GByte/s 616 GByte/s 484 GByte/s 320 GByte/s
TDP 175 Watt 225 Watt 260 Watt 250 Watt 180 Watt
Preis ab 640 Euro 850 Euro 1260 Euro ca. 700 Euro 460 Euro

(bkr)

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