Nvidia entwickelt am Nouveau-Grafiktreiber des Linux-Kernels mit

Nvidia hat sich erstmals in die Entwicklung der quelloffenen Grafiktreiber für GeForce-Chips eingeschaltet. Das Unternehmen zielt dabei aber nicht auf Desktop-Anwender, sondern will die Unterstützung für Tegra-Prozessoren verbessern.

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Von
  • Thorsten Leemhuis

Nvidia hat experimentelle Quellcode-Patches veröffentlicht, die den Nouveau-Treiber im Linux-Kernel um Unterstützung für den Grafikkern des Anfang Januar angekündigten Mobilprozessors Tegra K1 erweitern. Damit beteiligt sich das Unternehmen erstmals aktiv an der Entwicklung des quelloffenen Nvidia-Treibers, den Linux-Distributionen wie Debian, Fedora oder Ubuntu standardmäßig für GeForce-Grafikchips verwenden.

Nvidia ist indes keineswegs ein Neuling bei der Kernel-Entwicklung, denn das Unternehmen trägt schon seit einigen Jahren Änderungen zum Linux-Kernel bei, damit der die meisten Funktionen in Tegra-Prozessoren von Haus aus unterstützt. Bei den Grafiktreibern der für Smartphones, Tablets oder andere Embedded-Hardware gedachten SoCs (System-on-Chip) hilft Nvidia allerdings erst seit Herbst 2012 aktiv. Die Grafikkerne der derzeit verbauten Tegra-SoCs unterschieden sich aber komplett von jenen, auf denen GeForce-Chips für x86-Systeme basieren. Das ändert sich mit dem bislang nur angekündigten Tegra K1, denn dessen Grafikkern ist mit den Kepler-Chips aktueller GeForce-Chips eng verwandt.

Zu den Nouveau-Treibern für Linux-Kernel, Mesa 3D und den X-Server von X.org hat Nvidia bislang keinen Deut beigetragen. Da das Unternehmen jahrelang so gut wie keine Dokumentation zu GeForce-Grafikchips veröffentlicht hat, mussten die Open-Source-Entwickler bei der Arbeit auf Reverse Engineering zurückgreifen: Die Entwickler beobachten beispielsweise die Art, wie Nvidias eigene Linux- und Windows-Treibern mit der Hardware kommunizieren, um mit den so gewonnen Informationen einen eigenen Treiber programmieren zu können.

In ihrem FOSDEM-Vortrag begrüßten die Nouveau-Entwickler Nvidia in der Community.

Das hat sich erst im September geändert, als das Unternehmen ankündigte, Dokumentationen zu einigen Eigenschaften von GeForce-Chips zu veröffentlichen und Fragen der Nouveau-Entwickler beantworten zu wollen. Das Unternehmen gab sich in einigen Bereichen aber weiter zugeknöpft. Nouveau-Entwickler Martin Peres gab auf der kürzlich abgehaltenen FOSDEM gegenüber heise open an, er bekomme keine Informationen, wie sich die Taktfrequenz von GeForce-Chips und Grafikspeicher ändern lasse. Ohne diese lasse sich die Grafikhardware aber weder in die stromsparendsten noch in die schnellsten Betriebsmodi versetzen.

Es scheint eher unwahrscheinlich, dass sich das jetzt ändern wird, denn in diesem Bereich hab Tegra-SoCs und GeForce-Chips weiterhin nicht viel gemein. In der Einleitungs-Mail zu den Kernel-Patches stellt der Nvidia-Mitarbeiter auch klar, das Unternehmen wolle einzig und allein die Tegra-Unterstützung verbessern und sich auch weiterhin nicht an der Entwicklung der Userspace-Treiber beteiligen. Die zu Mesa 3D gehörenden OpenGL-Treiber von Nouveau werden von der neuen Entwicklung daher wohl nicht profitieren. Die Nouveau-Entwickler gaben sich in einem FOSDEM-Vortrag zum Status von Nouveau aber optimistisch, dass ihre Userspace-Treiber auch auf dem Tegra K1 laufen.

Der Nvidia-Mitarbeiter erwähnt in seiner Mail aber auch, die Nouveau-Kerneltreiber für GeForce-Chips dürften von Nvidias Mitarbeit profitieren. Das bestätigten die Nouveau-Entwickler im Rahmen der FOSDEM; im Vortrag danken sie Nvidia zudem für die Öffnung und hießen das Unternehmen in der Community willkommen. (thl)