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MWC Update

Nvidia zeigt Quad-Core-ARM-Tablet

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Nvidia: ARM-SoC-Roadmap bis 2014

(Bild: Nvidia)

Nvidia legt gewaltig nach: Noch im Spätsommer sollen erste Tablets mit dem Quad-Core-ARM-Kombiprozessor "Kal-El" zu haben sein, der angeblich rund fünfmal schneller ist als der derzeit verfügbare Tegra 2 (Tegra 250). 2012 soll ein Kal-El-Nachfolger mit dem Codenamen Wayne erscheinen, der wiederum die doppelte Performance liefert. 2013 plant Nvidia dann "Logan" und 2014 "Stark" und verspricht für letzteren ungefähr die 75-fache Leistungsfähigkeit des seit Spätsommer 2010 verfügbaren Tegra 2.

Nvidia führte auf dem MWC ein funktionsfähiges Android-Tablet mit Kal-El vor. Tegra 3 wollte ihn der technische Marketing-Direktor Nick Stam nicht nennen. Es sei noch nicht entschieden, unter welchem Namen der Pozessor auf den Markt kommen werde.

Das Demo-Tablet rechnete in der Vorführung ein Video in der Auflösung 2560 × 1440 auf seine native Auflösung herunter und gab es gleichzeitig auf einem per HDMI angeschlossenen Monitor voller Auflösung aus. Eine andere Demo zeigte ein komplexes Spiel, gleichzeitig wurden auf dem angeschlossenen Monitor Webseiten dargestellt – augenscheinlich ohne Ruckler.

Eine rund fünffache Beschleunigung verspricht Nvidia gegenüber dem derzeit verfügbaren Tegra 2. An Bord befinden sich neben den vier Rechenkernen noch eine Grafik-Einheit mit 12 Kernen, die etwa die dreifache Grafikleistung des ULP GeForce im Tegra 2 haben soll – doppelte Rechenleistung und dreifache Grafikleistung addiert Nvidia zur fünffachen Gesamtleistung. Die Akkubelastung soll sich gegenüber dem Vorgänger in Grenzen halten: Nvidia verspricht, sehr effizient mit der verfügbaren Ladung umzugehen.

Laut Nvidia sollen erste Tablets mit dem Vierkern-Prozessor etwa im August auf den Markt kommen. Smartphones mit Kal-El erwartet Nvidia erst zum Jahresende – diese erhalten unter Umständen eine leicht abgespeckte Version.

Die Webseite Anandtech.com hat erfahren, dass Kal-El noch in 40-Nanometer-Technik gefertigt wird und eine für ARM-SoCs gewaltige Siliziumfläche von rund 80 Quadratmillimetern belegt – mehr als beispielsweise der AMD E-350 (Zacate), der auf 75 Quadratmillimetern zwei CPU-Kerne, 80 DirectX-11-Shader und einen Videobeschleuniger unterbringt. Die AMD-CPU braucht allerdings noch einen Chipsatz, während in ARM-SoCs wie dem Tegra auch I/O-Einheiten (SATA, USB, PCIe) stecken.

Kal-El ist im CoreMark doppelt so schnell wie der Tegra 2.

(Bild: Nvidia)

Nvidia vergleicht die CPU-Performance des Kal-El anhand des Benchmarks CoreMark (11.352 Punkte) nicht nur mit dem Tegra 2 (1 GHz, 2 × ARM Cortex-A9, 5.840 Punkte), sondern auch mit dem vier Jahre alten x86-Prozessor Intel Core 2 Duo T7200 (2 Kerne, 2 GHz, 10.136 Punkte). Demnach wäre also Kal-El schneller als der 2-GHz-Mobilprozessor. Doch während Nvidia den CoreMark-Android-Code für Kal-El mit dem GCC 4.4.1 und vielen Optimierungen erzeugt hat (-O3 -mcpu=cortex-a8 -funroll-loops -falign-loops=8 -fgcse-sm -fno-tree-vectorize -marm /Heap / 4:PThreads), gönnte man dem Core 2 Duo nur einen älteren Compiler (GCC 3.4.4 (cygming special, gdc 0.12 using dmd 0.125) -O2 -DPERFORMANCE_RUN=1 -lrt / 2:PThreads). Mit höher optimiertem Code übertrumpft aber im c't-Labor sogar ein Atom D525 (2 Kerne/1,8 GHz) den Kal-El mit 11.311 CoreMark-Punkten (GCC 4.4.4-10 -O3 -DMULTITHREAD=8 -DUSE_PTHREAD -lrt / Heap / 8:PThreads). Bei den Vergleichen mit CoreMark ist auch zu bedenken, dass es sich um einen Multi-Threading-Benchmark handelt – das Leistungspotenzial künftiger Multi-Core-ARMs lässt sich also nur mit sorgfältig angepasster Software nutzen.

Das Versprechen, der Stark werde 2014 rund 75-mal so schnell sein wie heute der Tegra 2, lässt keine Rückschlüsse auf die Rechenleistung der ARM-Kerne zu, weil Nvidia dabei die CPU- und GPU-Performance auf schlecht nachvollziehbare Weise addiert. (ll)