Nvidias Cloud Gaming GeForce Now im Test: Server-Hopping vom Feinsten

Optimierungen und Server-Wechsel

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In Doom (2016) erreichen Nvidias Server stabile 200 fps, sofern man V-Sync in den Optionen deaktiviert. Rocket League läuft sogar mit 240 fps. Verwundert waren wir über die teils drastisch schwankende Bildqualität bei schnellen Action- oder Rennspielen wie Doom und Rocket League. Während Doom hochaufgelöst, flüssig und mit wenigen Kompressionsartefakten glänzt, kommt der Rocket-League-Videostream an die Grenze des Anschaubaren.

Auch der mehrmalige manuelle Serverwechsel bringt bei Rocket League keinen Erfolg, während es bei einigen Ubisoft-Spielen wie Assassin's Creed Unity oder The Division 2 häufig hilft, den Server zu wechseln, um deutlich schönere Ergebnisse zu erzielen. Grund dafür ist die Netzwerkfragmentierung und Belastung der aktuell vier unterschiedlichen EU-Server. Wir können einen Server-Wechsel (leider) empfehlen, da die Unterschiede bei der Bildqualität trotz gleichbleibender Verbindungsqualität des eigenen Internet-Providers stark schwankt. Wenigstens weiß man relativ schnell zu Beginn, ob eine gute Verbindung zu erwarten ist. Bereits das Login-Fenster und die Intros der Spiele sind nämlich entweder direkt scharf und schön oder matschig und verpixelt.

Nvidia bietet zur Optimierung des Videostreams ein paar Optionen an. So können Nutzer ihre Bandbreite begrenzen, indem sie die Auflösung (>360p) und Bitrate (<50 MBit) sowie die Bildrate (30 - 120 fps) reduzieren. Bei Rocket League hilft aber bisher noch keine Konfiguration, um ernsthaft mitzuspielen.

Für kompetitives Spielen ist GeForce Now aber sowieso nicht gedacht. Zwar ist der Ping der Server meist sehr gering, die Eingabeverzögerung bringt Spielern dennoch insgesamt einen spürbaren Nachteil. Verglichen mit der nativen Ausgabe eines Spiele-PCs an einen Monitor mit 120 Hz oder mehr ist der Unterschied besonders auffällig und beträgt abhängig vom Spiel bis zu 30 Millisekunden, sprich 1-2 Frames.

Die Verzögerung führt in Spielen wie MTG: Arena zu einem nervigen Fehler bei der Maus-Eingabe. Wer Apples Magic oder Mighty Mouse nutzt, muss den Mausklick beim Drag & Drop für das Verschieben der Spielkarten unnatürlich lange gedrückt halten, damit er registriert wird. Mit anderen Mäusen hatten wir dieses Problem nicht. Davon abgesehen waren wir beeindruckt, wie vielfältig die Eingabeoptionen für GeForce Now sind. Egal ob DualShock 4, Xbox-360-, Xbox-One- oder Switch-Pro-Controller – alle Varianten funktionieren im Test gut bis sehr gut und werden auch mit den korrekten Tasten in den Spielen dargestellt.

Dass auch GeForce Now wie Stadia nur über eine verkabelte Ethernet-Verbindung verlässlich und gut funktioniert, überrascht nicht mehr. Über WLAN erhöht sich nicht nur die Eingabeverzögerung stark, auch die Bildqualität leidet sehr. Dabei sind es vor allem die Schwankungen, die besonders nerven, nicht ein generell Artefakt-belastetes Bild.

Insgesamt haben wir bei Stadia im Vergleich zu GeForce Now über kabellose Verbindungen ein saubereres Bild und geringere Eingabeverzögerung festgestellt. Aber auch für Googles Service können wir diese Verbindungsvariante nicht empfehlen.

Wer dachte, dass durch Cloud-Gaming alle Wartezeiten entfallen, wird bei GeForce Now derzeit manchmal überrascht: Gerade Titel von Ubisoft und Spiele im Epic Store wollen sich vor dem eigentlich Spielstart nach der Eingabe der Login-Details noch einmal aktualisieren. Da man sich bei jeder neuen Session mit einem anderen Server verbindet, kann das jedes einzelne Mal passieren.

Etwas verwirrend ist auch der Prozess, bei dem Spieler erst den gewünschten Titel in Steam "herunterladen" müssen, bevor sie erneut den Spielstart angehen. Der "Download" erfolgt allerdings in wenigen Sekunden. Anstatt wirklich herunterzuladen, scheint nur eine Verknüpfung des Spiele-Ordners auf der Server-Farm hergestellt zu werden. An diesen Stellen fühlt man sich nach wie vor wie in der langjährigen Beta-Phase des Service.

GeForce Now kann beeindrucken und ist durch die kostenlose Verfügbarkeit eine spannende Alternative für jeden Gamer. Im Detail finden wir aber beim Test Verbesserungspotential an allen Ecken und Enden: So ist der Start ins Spiel oft sperrig und mit Updates und unnötigen Klicks verbaut. Bis man eine absolut ideale Verbindung zum bestmöglichen Server hat, vergeht schon einige Zeit.

Aber gerade, wenn man sich darüber ärgert und überlegt, doch den Download mit 50 Mbit auf dem lokalen PC anzuschmeißen, bemerkt man wieder den Reiz von GeForce Now: Nirgends kann man schneller einfach mal reinspielen - am besten mit dem Gamepad, denn mit Maus und Tastatur fällt die Eingabeverzögerung am meisten auf.

Allen, die bereits wissen, was sie lange und oft spielen möchten, empfehlen wir dennoch den nativen Spiele-PC zuhause. Nur dort gibt es optional 4K, 120 Hertz, HDR, Dolby Atmos, Mods, Hacks und Co. (wie)