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O2 testet Übergabe von Gesprächen von LTE zu UMTS

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Seit einigen Tagen lassen sich Mobiltelefonate, die im LTE-Netz von O2-Telefonica beginnen, nahtlos im UMTS-Netz fortführen (Handover). Das funktioniert zwar noch nur im Testbetrieb für eine ausgewählte Nutzergruppe, aber immerhin schon mal außerhalb der geschützten Laborumgebung, meldet der Netzbetreiber. Telefónica gehöre daher zu den weltweit ersten Anbietern, die dieses Handover auch im Live-Netz schaffen.

Was oberflächlich betrachtet wie ein einfacher Schritt aussieht, erfordert erheblichen Aufwand, denn im LTE-Netz werden Sprachsignale verbindungslos mittels VoLTE als IP-Pakete übertragen (Voice over LTE), während sie im UMTS-Netz verbindungsorientiert, also mit festen Ressourcen für jedes Gespräch transportiert werden.

Für die Telefonie müssen LTE-Geräte bisher auf UMTS oder GSM zurückschalten. Das hat jedoch Nachteile, sodass Betreiber bestrebt sind, Telefonate auch per LTE zu übertragen. Auch dafür ist letztlich ein Handover auf die älteren Mobilfunktechniken erforderlich, denn die LTE-Netze haben noch deutlich geringere Flächendeckung.

Bisher müssen Smartphones, die im LTE-Netz eingebucht sind, für Telefonate in die älteren 2G- oder 3G-Netze wechseln (Circuit Switched Fallback, CSFB). Dieser Vorgang läuft zwar automatisch ab, wenn das LTE-Netz noch nicht für die Sprachtelefonie per VoLTE gerüstet ist, aber beim Wechsel entstehen störende kurze Wartezeiten, gegebenenfalls laufende IP-Übertragungen brechen ab und im 3G- oder 2G-Netz sind die IP-Übertragungen deutlich langsamer. Schließlich muss sich das Gerät nach Ende des Telefonats wieder ins LTE-Netz einbuchen.

Deshalb streben die Netzbetreiber an, den Sprachdienst soweit wie möglich schon über LTE mittels VoLTE abzuwickeln. Weil aber die LTE-Netze nicht flächendeckend sind, braucht man wiederum Handover-Verfahren von VoLTE zum Sprachdienst im 3G- oder 2G-Netz.

O2-Telefonica setzt VoLTE seit November in seinem Netz ein. Das Handover ist zwar inzwischen prinzipiell standardisiert, in der Praxis machen aber die diversen, am Gespräch beteiligten Netzelemente, die auch von verschiedenen Herstellern stammen, noch allen Netzbetreibern Schwierigkeiten. Telefonica führt für seine LTE- und UMTS-Netze "vier neue Plattformen und 60 Schnittstellen" an. Bei anderen Betreibern ist die Infrastruktur ähnlich komplex.

Erste Erfolge beim VoLTE-Handover hat O2-Telefonica noch im Februar 2013 anlässlich des Mobile World Congress vermeldet, damals freilich noch unter Laborbedingungen. Nun ist der Betreiber ein wesentlicher Schritt bei der Umsetzung in seinem Live-Netz gelungen. Kunden können VoLTE bisher aber noch immer nicht nutzen; dafür sind laut dem Betreiber noch einige Monate Arbeit erforderlich.

Dann kann man erwarten, dass im Telefónica-Netz auch die HD-Voice-Funktion öffentlich zugänglich wird. HD voice, also die Sprachübertragung mit einem Breitband-Codec, der den Frequenzbereich von 50 Hz bis 7 kHz abtastet, haben laut der GSA bisher weltweit 93 Betreiber in ihren Mobilfunknetzen implementiert. In Deutschland bieten den Dienst die Telekom und Vodafone bereits für Kunden an. (dz)