OBS Studio 23: Schöner Streamen auch ohne Highend-Hardware

Die Streamer-Software OBS Studio 23 integriert moderne GPU-Video-Encoder und ermöglicht flüssige Streams in hoher Qualität ohne zweiten PC oder Bildruckeln.

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OBS Studio 23: Schöner Streamen leicht gemacht

OBS Studio 23: Die verbreitete Streamer-Software bekam Hardware-Unterstützung für GeForce-Karten mit Turing-Architektur.

(Bild: c't)

Von
  • Carsten Spille

Wer von seinem PC aus Spiele auf Twitch oder Youtube streamen will, braucht einen dicken Rechner. Der muss neben dem Spielgeschehen auch das Live-Encoding und den Upload stemmen. Dedizierte Video-Encoder können den Prozessor entlasten. Dazu müssen die Encoder einerseits die gewünschte Qualität liefern und andererseits von der verwendeten Software unterstützt werden.

OBS Studio 23: Das NVENC-Profil für Turing soll die CPU entlasten.

(Bild: c't)

Die neue Open Broadcaster Software OBS Studio 23 soll das Problem nun für Besitzer von GeForce-Karten mit Turing-Architektur lösen. Der integrierter GPU-Encoder übernimmt den Löwenanteil der Rechenarbeit und dank einiger Verbesserungen bei der Qualität ist diese bei Twitch-üblichen Bitraten nun vergleichbar mit der Referenz-Implementierung über die CPU. Die vorherige GeForce-Generation mit Pascal-Architektur lag in den Qualitätstest (Peak Signal to Noise Ration, PSNR) noch hinter dem CPU-basierten x264-Encoding mit der Voreinstellung "fast".

Game-Streams erfreuen sich stetig wachsender Beliebtheit und große E-Sports-Turniere erreichen spielend die Zuschauerzahlen nichtelektronischer Sportarten. Kein Wunder also, dass immer mehr Nutzer – vor allem Spieler – Ihre Erlebnisse ebenfalls mit der Welt teilen wollen. Dazu laden sie live oder zeitversetzt ihre Spielesitzungen auf Plattformen wie Twitch oder Youtube hoch. Manch einer hofft dabei auf großen Zuspruch, mit dem sich Werbeeinahmen erzielen lassen.

Die Einstiegshürde ist jedoch ein leistungsfähiger PC (oder sogar zwei): Denn nicht nur muss das Spiel der Wahl flüssig laufen, auch muss der hochzuladende Videostrom in einem platzsparenden Format codiert werden. Das konnten in die GPU integriert Video-Encoder seit einigen Jahren und über die Treiberfunktionen Highlights (ehemals Shadowplay, Nvidia GeForce) beziehungsweise Radeon ReLive (AMD) war die Funktion auch rudimentär nutzbar ohne die CPU über Gebühr zu belasten. Die Qualität des Streams reichte jedoch speziell bei Nvidias GeForce-Karten nicht an die CPU-Variante heran und sah teils verwaschen aus.

Außerdem teilen professionelle Streamer nicht nur ihren Spiele-Stream gern mit allen die zuschauen wollen, sondern auch ihr markenbildendes Antlitz. In den Live-Stream muss also noch das Bild einer Kamera integriert werden. Das können die Treiber nicht bieten und so waren Streamer auf Programme wie OBS Studio angewiesen. Aufgrund der höheren Qualität nutzten sie dort gern das CPU-Encoding, welches schon in Full HD in der Regel jedoch einen Prozessor mit acht Kernen und bei noch höherer Qualität ab der Einstellung "x264 fast" am Besten einen separaten PC erforderte.

Mit OBS Studio 23 ist das nun nicht mehr nötig. Die Software besitzt neben einem Profil für CPU-Encoding auch die Option, mit Intels Quick Sync Video (QSV), AMD-Hardware oder Nvidias NVENC zu arbeiten. Da speziell das Nvidia-Profil neu ist, haben wir es auf einem PC mit Intel Core i7-8700K und einer Asus ROG Strix OC GeForce GTX 1660 Ti von Asus in Full-HD-Auflösung mit einem 60-Fps-Stream und Webcam-Einblendung ausprobiert.

OBS 23: Live-Streaming mit 60 fps auf Twitch.tv

(Bild: c't)

Im grafiklastigen Spiel Shadow of the Tomb Raider kostete das GPU-Encoding mit 11 Prozent weniger fps etwas mehr Spieleleistung als beim CPU-Encoding (nur -9 %). Im Gegensatz zum CPU-Encoding lief der erzeugte Stream mit GPU-Encoding jedoch durchweg flüssig. Die CPU-Version geriet bei der Einstellung x264 veryfast und hoher Last deutlich ins Stocken, mit der Einstellung "x264 fast" verkam der Stream teilweise zu einer Standbildshow. Mit einem Sechskern-Core-Prozessor ohne Hyperthreading war die Zwischenstufe "x264 faster" bereits nicht mehr zu gebrauchen und die Einstellung "veryfast" ruckelte deutlich. (csp)