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OEZ-Attentat: Smartphone-Warnsystem KatWarn überlastet

Nach dem gestrigen Amoklauf im Münchener Olympia-Einkaufszentrum riefen 250.000 Nutzer Informationen über das Katastrophenwarnsystem KatWarn ab – was das System an seine Kapazitätsgrenze brachte.

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OEZ-Attentat: Smartphone-Warnsystem KatWarn überlastet

Das Smartphone-Warnsystem KatWarn war während des Attentats am Freitagabend in München völlig überlastet. "Wir sind an die Belastungsgrenze gestoßen", sagte ein KatWarn-Sprecher am heutigen Samstag. "Das ist nicht gut – die Kritik ist berechtigt", räumte er ein. Die Kapazitäten des Systems müssten schnellstmöglich erweitert werden. Grund sei die hohe Zahl von Nutzern in München und anderen Teilen der Republik gewesen, in denen es Unwetter gab. Zeitweise war der Dienst nicht erreichbar.

Am Freitagabend hatten nach Angaben des Sprechers im Raum München etwa 250.000 Menschen das System genutzt. Deutschlandweit hatten rund 500.000 Nutzer die Smartphone-App heruntergeladen. Insgesamt lassen sich etwa 1,5 Millionen Menschen von dem Dienst informieren.

KatWarn soll Nutzern im Katastrophenfall als zusätzlicher Informationskanal zu Lautsprecherdurchsagen oder Radiomeldungen dienen. Die Informationen stammen von öffentlichen Stellen wie dem Katastrophenschutz, den Feuerwehrleitstellen oder auch den Unwetterzentralen des Deutschen Wetterdienstes. Allerdings nehmen nicht alle deutschen Städte und Landkreise an dem System teil. Eine Liste aller Teilnehmer hält die Webseite der Öffentlichen Versicherer bereit, die das System in Auftrag gegeben hatten. Die Realisierung hat das Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme (FOKUS) übernommen.

KatWarn gibt es als Smartphone-App für iOS, Android und Windows Phone. Auch ohne Smartphone kann man sich über KatWarn informieren lassen, nämlich per SMS und Email. Zur Registrierung muss eine SMS mit dem Inhalt "KATWARN 12345 hans.mustermann@mail.de" an die Rufnummer 0163-7558842 geschickt werden, wobei 12345 für die Postleitzahl des Gebiets steht, über das man Informationen erhalten möchte. Lässt man die Email-Adresse weg, bekommt man die Infos ausschließlich per SMS.

Da KatWarn die Informationen per SMS beziehungsweise das Internet verschickt, gibt es keine Garantie, dass man im Fall des Falls tatsächlich gewarnt wird: Bricht beispielsweise das Mobilfunknetz zusammen, so kommen Warnungen systembedingt nicht mehr an.

Während des Anschlags in München war das Mobilfunknetz zeitweise überlastet. Es sei ab etwa 19 Uhr für rund anderthalb Stunden sehr stark beansprucht worden, teilte ein Sprecher vom Mobilfunkanbieter Telefonica (O2 / E-Plus) mit. Auch im Netz der Telekom habe es vereinzelt Überlastungen gegeben, so ein Sprecher. Bei Vodafone habe es nach Unternehmensangaben keine Störungen gegeben. (mit Material der dpa) (mue)

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