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Obama ordnete angeblich Stuxnet-Einsatz an

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US-Präsident Obama hat eine ganze Reihe von Cyberattacken gegen den Iran angeordnet, darunter auch den Einsatz des Wurms Stuxnet, der sich gegen die iranischen Atomanlagen richtete. Das schreibt der Washington-Korrespondent der New York Times David E. Sanger in seinem neuen Buch, aus dem am heutigen Freitag Auszüge veröffentlicht wurden. Demnach habe Obama das dahinter stehende Programm, das unter dem Namen "Olympic Games" unter seinem Amtsvorgänger George W. Bush initiiert wurde, nach der Amtsübernahme fortgeführt.

Cover von "Confront and Conceal"

(Bild: Random House)

Laut Sanger liegen die Anfänge des Projekts im Jahr 2006, als Uneinigkeit über mögliche Sanktionen gegen den Iran geherrscht habe. Nach den falschen Behauptungen über das angebliche irakische Atomprogramm wäre die Glaubwürdigkeit von George W. Bush bei einer neuerlichen Diskussion über die nuklearen Absichten eines Staats außerdem nur gering gewesen. Wegen der unabsehbaren Folgen eines Militärschlags habe man sich für die radikal neue Idee einer Cyberwaffe entschieden.

In mehreren verschiedenen Stufen hätten die USA danach in ungewöhnlich enger Zusammenarbeit mit Israel den Wurm entwickelt. Durch die enge Einbindung sollte Israel von den Erfolgsaussichten überzeugt und von einem eigenen Militärschlag auf die iranischen Atomanlagen abgehalten werden. Nach mehreren Tests sei der Wurm schließlich in die Anlage von Natanz eingeschleust worden, mit Hilfe von Spionen und durch unwissende Komplizen. Ein Verantwortlicher habe zu dem Vorgang gemeint, "es gibt immer einen Idioten, der über den USB-Stick in seiner Hand nicht viel nachdenkt".

Im Jahr 2008 wurden laut dem Buch dann in kleinem Umfang die ersten Angriffe auf die Anlagen ausgeführt und die Iraner hätten über die Folgen gerätselt. Schließlich hätten sie überreagiert und Angestellte entlassen sowie intakte Geräte außer Betrieb genommen. Bis zum Amtsantritt von Präsident Obama sei jedoch keine Zerstörung in großem Umfang erreicht worden.

Barack Obama hat laut Sanger die Fortführung des Programms angeordnet und sei alle paar Wochen über die Fortschritte informiert worden. Dann habe er jeweils den nächsten Schritte genehmigt, der manchmal riskanter und größer gewesen seien, als das was zuvor versucht wurde.

Durch einen Fehler im Code sei der Wurm, der Natanz nie verlassen sollte, dann im Sommer 2010 auf dem Computer eines Ingenieurs gelandet. Von dort habe er den Weg ins Internet gefunden, ohne zu erkennen, dass sich seine Umgebung geändert habe. Wer für den Programmierfehler verantwortlich war, ist laut Sanger unklar. Bald nach seiner Entdeckung wurde der Wurm Stuxnet getauft und weltweit analysiert. Trotz dieser ungewollten Öffentlichkeit habe Obama die Fortsetzung des Projekts angeordnet. Es sei seine beste Möglichkeit gewesen, das iranische Atomprogramm so lange zu unterbrechen, bis die Sanktionen mehr Wirkung zeigten.

Laut Sanger sind die US-amerikanischen Cyberangriffe nicht auf den Iran beschränkt, aber die Aufmerksamkeit habe sich auf das Land konzentriert. Wie lange das jedoch so bleibt, sei fraglich, denn auch Angriffe auf Nordkorea, China, gegen Al Quaida und aktuell gegen Syrien würden immer wieder diskutiert. Obama habe seine Mitarbeiter jedoch auch wiederholt vor den Risiken dieser Waffe gewarnt. Die Infrastruktur keines anderen Staates sei so abhängig von Computern und deswegen anfälliger für einen Angriff als die der USA. Es sei deshalb lediglich eine Frage der Zeit, bis die Vereinigten Staaten das Ziel einer solchen Waffe würden, meinen Experten.

Für das Buch Confront and Conceal, das am kommenden Dienstag in den USA erscheinen wird, hat Sanger über 18 Monate recherchiert und aktuellen und ehemaligen Eingeweihten aus den USA, Europa und aus Israel gesprochen. Niemand habe ihm erlaubt, seinen Namen zu veröffentlichen, wegen der hohen Geheimhaltungsstufe der Operation, die immer noch anhalte. (mho)

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