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Obama vs. McCain: Die Briefwahl boomt

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Wenn in den USA am 4. November die Wahllokale öffnen, um dem Volk die Entscheidung über die Zusammensetzung des Wahlmänner-Gremiums zu überlassen, das später den 44. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika wählt, werden die Wahlhelfer im kalifornischen Mendocino einen einsamen Tag verbringen. Denn in dem kleinen Ort nördlich von San Francisco geht kaum noch jemand zur Wahl: Drei von vier Einwohnern Mendocinos nehmen laut einem Bericht der Los Angeles Times in diesem Jahr ihr Recht auf Briefwahl wahr und haben ihr Kreuzchen bereits vor Tagen oder Wochen am heimischen Küchen- oder Wohnzimmertisch gemacht.

Insgesamt zeichne sich eine grundlegende Änderung der Form demokratischer Willensäußerung ab, schreibt die LA Times unter Berufung auf kalifornische Wahlverantwortliche und Zahlen des beim Reed College in Oregon ansässigen Early Voting Information Center (EVIC). Danach haben sich in Kalifornien bis zum vergangenen Freitag bereits mehr als 40 Prozent der Wahlberechtigten für die Briefwahl entschieden – so viele wie noch nie. Und bis zum Ende der Frist für eine Teilnahme am Briefwahlverfahren, die am morgigen Dienstag abläuft, werden in Kalifornien bis zu 50 Prozent Briefwähler erwartet.

In Mendocino beispielsweise liegt der Briefwähler-Anteil laut der California Association of Clerks and Elected Officials bei 74,3 Prozent, in Santa Clara bei 68,6 Prozent und selbst die Großstadt San Francisco kommt auf 40,6 Prozent Briefwähler. Kalifornien ist dabei keineswegs der einzige Bundesstaat, in dem – nicht zuletzt wegen der zahlreichen Wahlmaschinen-Debakel in der Vergangenheit – die Briefwahl boomt. In Washington, Nevada, New Mexico, Arizona und Colorado seien Briefwähler bereits in der Überzahl, heißt es beim Early Voting Information Center – und natürlich in Oregon, wo seit dem Jahr 2000 ausschließlich per Brief gewählt wird.

Die Möglichkeit zur Briefwahl ohne Begründung, warum der Wahlberechtigte nicht im Wahllokal erscheinen kann oder will, bieten derzeit 28 Bundesstaaten an. In den anderen 22 Bundesstaaten müssen Wähler Gründe wie Krankheit, Invalidität oder Reisen angeben, wollen sie per Brief wählen. Kritiker der Briefwahl weisen unterdessen darauf hin, dass diese Form der Stimmabgabe auch zahlreiche negative Aspekte mit sich bringe. So könnten Briefwähler etwa stärker durch andere Personen beeinflusst und das Wahlgeheimnis verletzt werden. Zudem habe sich gezeigt, dass immer wieder Briefe auf dem Postweg verschwinden oder die Auszählungsstelle zu spät erreichen würden. (pmz)

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