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Octopath Traveler angespielt: Eine Spur zu viel Retro

Das Rollenspiel Octopath Traveler folgt den Spuren klassischer JRPGs wie Chrono Trigger. Manchmal schießt das Switch-RPG übers Ziel hinaus.

Octopath Traveler angespielt: Eine Spur zu viel Retro

(Bild: Sqare Enix)

Pixellook, Rundenkämpfe und lange Dialogpassagen – Square Enix dreht mit dem Switch-JRPG Octopath Traveler das Rad der Zeit rund 30 Jahre zurück. Im Stil von Chrono Trigger und der frühen Final-Fantasy-Spiele laufen die Spieler mit knuffigen Helden durch die Gegend, treffen an jeder Ecke auf Monster und liefern sich langwierige Bosskämpfe. Der Kniff: Statt nur einer Geschichte dürfen die Spieler ganze acht davon erleben. In der Angespielt-Runde entpuppt sich diese Idee schnell als Tempobremse.

Anfangs darf der Spieler frei unter den acht unterschiedlichen Helden wählen, die auf der Weltkarte verteilt sind. Jede Figur hat ihre besondere Hintergrundgeschichte: Ein Ritter, der seinen toten König rächen will; ein Dieb, der sich den größten Schatz schnappen will oder eine junge Händlerin, die die Welt kennenlernen will. Es ist egal, welche Spielfigur gewählt wird, denn jede Geschichte kann der Hauptplot sein.

Der Spieler kann sich entscheiden, ob er dieser Hauptgeschichte schnurstracks folgt und die anderen Helden nur als Gruppenmitglieder rekrutiert oder ob er auch die anderen Geschichten nacheinander abhakt. Letzteres hat den Vorteil, dass er sich nach und nach eine gleichwertige Heldenschar aufrüstet. Der Nachteil: Das ohnehin schon langsame Erzähltempo wird weiter ausgebremst. Nach den ersten Kapiteln gibt es auch keine Überschneidungen, die diese Idee rechtfertigen könnten. Im Grunde genommen spielt man acht unterschiedliche Geschichten, die nur zufällig in der gleichen Welt spielen. Einer Interaktion zwischen den Figuren wie etwa in Divinity: Original Sin 2 findet nicht statt.

Diesen Story-Schnickschnack hätte Octopath Traveller gar nicht nötig. Die Entwickler transportieren wunderbar das Retrofeeling klassischer JRPGs in die Neuzeit. Nicht zuletzt liegt das an der Pixelgrafik, die durch einen stilvollen Unschärfeeffekt räumliche Tiefe in das Spielgeschehen bringt. Der andere große Retro-Pluspunkt sind die Rundenkämpfe. Die Spieler müssen die Schwächen der Gegner erkennen und ihre Panzerung durchbrechen. Dann werden die Feinde für kurze Zeit bewusstlos und sind den Schlägen und Zaubersprüchen der Helden hilflos ausgesetzt.

Der Rest stammt aus dem Standardprogramm eines jeden JRPGs: Mühsam muss sich der Spieler durch ein nicht immer intuitives Menü klicken, die Attributspunkte werden bei jedem Levelaufstieg automatisch verteilt und überall stehen Schatzkisten zum Plündern herum. Bei so viel Retrofeeling müssen die Spieler auch viel Geduld bei den Dialogen mitbringen. Sie sind nicht nur lang, sondern auch nicht besonders schlagfertig oder witzig. Das ist dann eine Spur zu viel Retro.

Octopath Traveler ist ein Fest für Freunde klassischer JRPGs. Der schicke Retrolook und das clevere Kampfsystem dürften die Spieler für Wochen an die Konsole fesseln. Weniger überzeugend sind die unterschiedlichen Heldengeschichten, die nach der ausgiebigen Anspielsession nicht so recht zusammenpassen wollen. Überhaupt hätte ein wenig mehr Gruppendynamik dem Spiel gut getan. So bleibt es bei einer Söldnertruppe in der jeder seinen eigenen Weg geht. Dank der liebevollen Umsetzung und dem motivierenden Spielprinzip dürfen die Spieler darüber aber genauso großzügig hinwegsehen, wie über die langatmigen Dialoge. Zurück bleibt ein stimmiges Rollenspielabenteuer mit viel Retrocharme, das sich JRPG-Fans nicht entgehen lassen sollten.

Octopath Traveler ist am 13. Juli für Nintendo Switch erschienen und kostet ca. 60 Euro. USK ab 12. Für unser Angespielt haben wir ein paar Stunden gespielt. (Andreas Müller) / (dahe)

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