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Ökodesign: Fernseher und andere Geräte müssen länger reparierbar sein

Die EU-Kommission hat nun Durchführungsverordnungen zum Ökodesign angenommen. Elektrogeräte müssen besser reparier- und recyclebar werden.

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(Bild: mihalec / Shutterstock)

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Fernseher und andere Displays, Kühlschränke, Elektromotoren, Waschmaschinen, Geschirrspüler und weitere Geräte sollen nicht länger schnell auf dem Müll landen. Dazu hat die EU-Kommission nun Durchführungsverordnungen zum Ökodesign angenommen. Sie enthalten Vorschriften für die Reparierbarkeit und andere Anforderungen auch für Geschirrspüler, Lichtquellen, externe Netzteile, Leistungstransformatoren und Schweißgeräte, die ab 2021 in der EU auf den Markt kommen.

Demnach sollen Ersatzteile noch lange nach dem Kauf lieferbar sein – für Kühlschränke zum Beispiel sieben und für Waschmaschinen zehn Jahre lang – und zeitig geliefert werden können, nämlich in höchstens 15 Tagen. Die Ersatzteile müssen auch mit allgemein erhältlichen Werkzeugen ausgetauscht werden können, ohne dass das betreffende Gerät dauerhaft beschädigt wird, erläutert die EU-Kommission.

Die Ökodesign-Maßnahmen für Waschmaschinen, Waschtrockner und Geschirrspüler sehen auch vor, dass das Wasser bei jedem Waschgang maximal genutzt wird. Gleichzeitig gelten Mindestanforderungen an Wascheffizienz und Spülwirkung, damit sich der geringere Wasserverbrauch nicht nachteilig auf die Wasch- und Spülleistung auswirkt.

Die Vorschriften setzt die EU-Kommission ein "im Rahmen der anhaltenden Bemühungen, den CO2-Fußabdruck Europas zu verringern und die Energiekosten für die europäischen Verbraucherinnen und Verbraucher zu senken". Die Verordnungen umfassen auch erstmals Anforderungen an die Recyclingfähigkeit von Haushaltsgeräten.

"Durch diese Maßnahmen können die europäischen Haushalte jährlich durchschnittlich 150 Euro sparen und sie können bis 2030 zu Energieeinsparungen in Höhe des jährlichen Energieverbrauchs Dänemarks beitragen", erläutert der für Arbeitsplätze, Wachstum, Investitionen und Wettbewerbsfähigkeit zuständige EU-Kommissions-Vizepräsident Jyrki Katainen.

Weiter geht die Kommission davon aus, dass zusammen mit den am 11. März angenommenen Vorschriften zu Energielabels bis 2030 Endenergieeinsparungen von 167 TWh jährlich erzielt werden können. Das entspräche dem jährlichen Energieverbrauch Dänemarks und kommt einer Einsparung von über 46 Millionen t CO2-Äquivalent gleich.

Die neuen Verordnungen sind Teil der EU-Ökodesign-Richtlinie, die ressourcenintensive Produkte vom Markt nimmt und sie durch Geräte ersetzt, die mit weniger Energie und Ressourcen die gleiche Aufgabe erfüllen. Sie wurden im Januar von allen 28 EU-Regierungen vereinbart und gehören zu den letzten Maßnahmen, die noch von der Juncker-Kommission verabschiedet werden.

Ein guter Schritt, aber noch nicht ausreichend, sagen Umweltverbände, Verbraucherschützer, Reparaturinitiativen, freie Werkstätten und die reparierende Wirtschaft, die sich in der Initiative "Runder Tisch Reparatur" zusammengeschlossen haben: "Dass die Bereitstellung von Ersatzteilen gesetzlich festgeschrieben wurde, ist ein Fortschritt in Richtung auf das von uns geforderte 'Recht auf Reparatur'. Allerdings fehlen noch immer wichtige Ersatzteile, die zulässige Lieferungsfrist wird mit 15 Tagen zu lang bemessen und es ist problematisch, dass Repair Cafés und EinzelverbraucherInnen nicht beliefert werden müssen und unabhängige Reparaturbetriebe weiter diskriminiert werden können."

Die Initiative fordert, dass künftig auch weitere Produktgruppen unter Ressourcenschutzaspekten geregelt werden sollten. "Vor allem Software muss stärker in den Blick genommen werden. Denn sie ist mit der häufigste Grund, warum Produkte vorzeitig entsorgt werden. Dieser Umstand bekommt im Rahmen der digitalen Welt eine immer größere Bedeutung." Das entspricht auch dem Ansinnen Frankreichs innerhalb der EU. Die dortige Regierung arbeitet daran, ab 2020 ein Label für die Reparaturfähigkeit von elektrischen und elektronischen Produkten mit einem auf dem Energieetikettenmodell basierenden Index zu erstellen.

Ziel der Kampagne Right to Repair, die vorvorige Woche startete und an der der Runde Tisch Reparatur beteiligt ist, ist das Recht auf Reparatur für alle, also nicht nur Reparaturprofis. (anw)