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Offenbar finanzielle Probleme bei Docker Inc.

Das Unternehmen Docker Inc. ist auf der Suche nach Investoren und braucht dringend Geld. Das berichten US-Medien unter Berufung auf Mitarbeiter.

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(Bild: Merlin Schumacher / heise online)

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Das Unternehmen Docker Inc., das die kommerzielle Container-Software Docker Enterprise und die Open-Source-Variante Docker Community Edition entwickelt, steckt offenbar in finanziellen Schwierigkeiten. Das berichtet der Wirtschaftssender CNBC, dem eine E-Mail von Docker-CEO Rob Bearden vorliegt.

Darin beschreibt dieser die aktuelle Situation: "Wir stehen in Kontakt mit Investoren, um eine fortlaufende Finanzierung für die Weiterführung unserer Strategie sicherzustellen." Weiter heißt es in dem Dokument, das ein Mitarbeiter weitergegeben haben soll: "Derzeit verhandeln wir aktiv mit zwei Investoren und feilen noch an den endgültigen Konditionen. In ein paar Wochen sollten wir dazu ein umfassenderes Update geben können." Gegenüber CNBC wollte sich der Pressesprecher von Docker nicht äußern.

Dass Docker auf Investorengeld angewiesen sein soll, um die Arbeit fortsetzen zu können, kommt nicht überraschend. So populär die Software geworden ist, so schwach ist das angeschlossene Geschäftsmodell.

Docker hat mit seiner Software die Linux-Containertechnik zwar nicht erfunden, wohl aber populär gemacht. Dazu wurden die nicht gerade handlichen Mechanismen aus dem Linux-Kernel hinter einfachen Kommandozeilenbefehlen abstrahiert. Außerdem gibt es mit dem Dockerfile ein leicht lesbares Rezept für Containerabbilder. Zusammen mit dem Docker Hub, einer Registry für solche Abbilder, hatten Container in den letzten Jahren ihren Durchbruch.

Dem Unternehmen hinter Docker gelang es jedoch nicht, ein tragfähiges Geschäftsmodell rund um die Software aufzubauen. So können Unternehmen, die private Images verwalten wollen, diese Leistung im Docker Hub für Geld einkaufen. Viele entscheiden sich jedoch dafür, eine Registry mit anderen (Open-Source-) Werkzeugen wie zum Beispiel GitLab auf der eigenen Infrastruktur zu betreiben. Neue Konkurrenz für den Docker Hub kommt aus dem Hause GitHub. Im November endet die Testphase für GitHubs eigene Docker-Registry – zusammen mit der neuen CI/CD-Lösung GitHub Actions bekommen Entwickler hier alles aus einem Haus.

Auch das Produkt Docker Enterprise ist für viele Unternehmenskunden nicht attraktiv. Es unterscheidet sich nur unwesentlich von Docker Community und enthält einige Sicherheitsfunktionen und für die Verwaltung von großen Container-Umgebungen eine Weboberfläche. Außerdem gibt es kommerziellen Support per Mail und Telefon.

Wer Container im großen Stil einsetzt, nutzt als Orchestrator jedoch meist das weitaus flexiblere Kubernetes, das ursprünglich von Google stammt, seit über 5 Jahren unter Open-Source-Lizenz entwickelt wird. Kubernetes kommt mit einer eigenen Weboberfläche für das Management. Falsch ist jedoch die Behauptung, Kubernetes würde Docker ersetzen. Vielmehr handelt es sich um unterschiedliche Komponenten in der Container-Welt: Auch Kubernetes-Pods werden aus Docker-Images erzeugt, die in einer Registry liegen. Der Hub ist noch die größte Registry für Open-Source-Images. Außerdem braucht auch Kubernetes eine Container-Runtime. Eine Option ist dafür containerd, das von Docker Inc. entwickelt und 2017 an die Cloud Native Computing Foundation gespendet wurde.

Docker Inc. versucht neben dem Verkauf von Lizenzen, mit Beratungsdienstleistungen im Firmenumfeld Einnahmen zu generieren. Docker-Mitarbeiter analysieren dabei, auf welchen Komponenten Legacy-Anwendungen beruhen und verpacken diese mit den IT-Mitarbeitern vor Ort in Container. Dabei können sowohl Windows- als auch Linux-Workloads containerisiert werden. Einmal eingepackt, können sie im eigenen Rechenzentrum oder bei einem Cloud-Anbieter betrieben werden.

Die finanzielle Schieflage von Docker Inc. bedeutet nicht das Ende der Container-Technik. Zu den Besonderheiten des Cloud-Geschäfts gehört der modulare Aufbau der Komponenten und ein hohes Maß an Standardisierung. Sowohl der Aufbau einer Container-Registry als auch die Schnittstellen einer Container-Runtime wurden im Rahmen der Open Container Initiative in frei verfügbaren Spezifikationen festgehalten. Damit ist sichergestellt, dass andere auch ohne Docker Inc. die gleichen Funktionen anbieten können. (jam)