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Technology Review

Offene Datensammlung schlägt Google Maps

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Das offene Geodaten-Projekt OpenStreetMap zeigt – zumindest in Ballungsräumen – mehr Datails als kommerzielle Kartenanbieter. Das berichtet Technology Review in seiner aktuellen Ausgabe 09/08 (seit dem 21.8. am Kiosk oder portokostenfrei online zu bestellen).

Geodaten und digitale Karten sind heiß begehrt, auch weil sie die Grundlage für das Geschäft mit ortsbasierten Diensten sind. Weltweit teilen zwei große Kartenanbieter den Markt unter sich auf: Navteq und Tele Atlas. Navteq wurde vergangenes Jahr von Nokia für 8,1 Milliarden Dollar gekauft, Tele Atlas für 2,9 Milliarden Euro vom Navigationsgeräte-Hersteller TomTom. Google stellt die Karten von Navteq und Tele Atlas zwar kostenlos ins Netz und ist damit zum zentralen Anlaufpunkt für Geodienste geworden, doch wer die Karten in sein eigenes Navigationsgerät laden will, muss damit rechnen, dafür noch einmal fast ebenso viel ausgeben zu müssen wie für das Gerät selbst.

„OpenStreetMap will den Wert weg vom Besitz der Karten hin zu den darauf aufbauenden Diensten verlagern“, erklärt OSM-Gründer Steve Coast. 2004 hatte sich der damalige Physik- und Informatikstudent in London geärgert, dass er zwar einen Linux-Laptop und einen GPS-Empfänger besaß, aber für den kreativen Umgang damit teure digitale Karten benötigte. Sein Projekt hat inzwischen rund 50.000 Mitwirkende.

Die Qualität der OSM-Karten steht und fällt allerdings mit dem Engagement der Mitglieder. „In Berlin gibt es sogar dankenswerter Weise ein paar Spinner, die jedes Tiergehege im Zoo eingezeichnet haben“, berichtet Jochen Topf, der gerade ein Fachbuch über OSM verfasst hat. Der 38 Jahre alte Programmierer hat eine Web-Anwendung geschrieben, mit der man die Karten von OSM mit denen von Google vergleichen kann. Wie sich dabei zeigt, weist Google bei hohem Maßstab keine Löcher auf. Wenn man aber auf wenige hundert Meter heranzoomt, hängt OSM die kommerziellen Karten dank Informationen über Fuß-, Rad- und Waldwegen und weitere Details ab. Noch deutlicher wird dies mit dem Online-Dienst OpenRouteService.org von der Universität Bonn. Dort kann man, anders als bei Google, eine Route speziell für Fußgänger oder Radfahrer berechnen und sich dabei noch sogenannte Points of Interest wie U-Bahn-Stationen und Geldautomaten anzeigen lassen.

Diesen Vorsprung wird OSM nach Ansicht von Dominique Bonte vom US-Marktforschungsunternehmen ABIresearch auch behalten. „Die Fülle von Details, die Fußgänger-Navigation erfordert, übertrifft die für Straßenkarten um den Faktor 10 bis 100. Ich kann nicht sehen, dass Navteq oder Tele Atlas oder irgendeine andere Firma fähig wäre, solch eine Menge von Details zu generieren. Und selbst wenn, dann könnten sie daraus kein Geschäft machen, weil es nicht genug Profit bringen würde“, erklärt der 45 Jahre alte Analyst. Allerdings ist solcher Detailreichtum derzeit auf wenige Inseln vor allem in den Großstädten beschränkt. Kleine und mittlere Orte sind noch äußerst rudimentär erfasst. (Gordon Bolduan) / (Gordon Bolduan) / (wst)

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