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"Ohne Sonne braun": Zentralrat der Juden beklagt Nazi-Artikel bei Amazon

Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, hat den E-Commerce-Riesen Amazon zum Verzicht auf den Verkauf von Nazi-Ware aufgefordert.

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Neonazi-Propagandaartikel bei Amazon. Die Vorschriften des Online-Händlers verbieten eigentlich "das Anbieten von Artikeln, die den Nationalsozialismus oder verfassungswidrige Organisationen verherrlichen, unterstützen, gutheißen oder verharmlosen".

(Bild: amazon.de)

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Dass bei Amazon Produkte aus der Neonazi-Szene zu erstehen sind, hat der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, als "völlig inakzeptable Situation" kritisiert. Über den Online-Großhändler würden beispielsweise "T-Shirts und Aufkleber vertrieben", die "NS-Größen oder rechtes Gedankengut verherrlichen oder den Hass auf Minderheiten schüren", monierte der 65-Jährige gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

Amazon trage "als eines der größten Unternehmen auf dem weltweiten Buch- und Onlinehandelsmarkt eine große moralische und gesellschaftliche Verantwortung", redete Schuster dem US-Konzern ins Gewissen. "Wer solche Waren auf dem Markt verbreitet, darf sich nicht darauf zurückziehen können, dass er lediglich 'Anbieter' ist und damit keine Verantwortung hat." Das gelte "gerade in der derzeitigen politischen und gesellschaftlichen Lage".

Auf der Drittanbieterplattform Amazon Marketplace sind laut RND zahlreiche Shirts mit Slogans wie "Auch ohne Sonne braun" oder "Nordische Wut kennt keine Gnade" erhältlich. Zu erstehen seien über die Plattform zudem als "wissenschaftliche Quellentexte" ausgewiesene Propagandaschriften mit Titeln wie "Der Jude als Weltparasit" oder "Judas: Der Weltfeind".

Dazu kämen Blechschilder mit dem Hitler-Zitat: "Es kann nur einer siegen, und das sind wir" mit Eisernem Kreuz und Hakenlaub, eingeordnet in die Kategorie "Küche, Haushalt & Wohnen" sowie als Geschenkidee ausgewiesen. Betrieben würden die Shops teils von Anhängern der rechten Szene. Die RND-Autoren schlussfolgern: "Amazon ist der perfekte Ausrüster für Neonazis, Hitler-Verehrer, Wehrmachtsnostalgiker – und Antisemiten." Der Konzern tritt dabei zwar nicht als direkter Verkäufer auf, macht aber über Provisionen mit Kasse.

Der Zentralrat erwarte von einem Unternehmen wie Amazon sowie den zuständigen Behörden, "dass sie solche Schriften eigenständig, aber zumindest auf Hinweis, auf ihre Rechtswidrigkeit prüfen, gegebenenfalls unverzüglich aus dem Verkehr ziehen und gegen die Urheber konsequent Strafanzeige stellen", unterstrich Schuster. Es bestehe "auf jeden Fall Handlungsbedarf".

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(Bild: dpa, Nicolas Armer)

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Die Richtlinien für Dritthändler auf der Plattform sind eigentlich eindeutig. Darin heißt es: "Verboten ist das Anbieten von Artikeln, die den Nationalsozialismus oder verfassungswidrige Organisationen verherrlichen, unterstützen, gutheißen oder verharmlosen." Trotzdem wollte das Unternehmen, in dessen Heimatland USA die Redefreiheit auch für Nazi-Parolen gilt, die Fälle gegenüber dem RND bis zum Samstag zunächst nicht kommentieren.

Mittlerweile reagierte der E-Commerce-Gigant aber doch zumindest mit der Ansage, dass die beanstandeten Produktgruppen überprüft würden. Sollten die Händler gegen die Geschäftsbedingungen verstoßen haben, könne ihr Zugang komplett gesperrt werden, erklärte ein Firmensprecher. Amazon distanziere sich vom Nationalsozialismus und seiner Verherrlichung. (tiw)