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Olympischer Sportbund: "E-Gaming" ist keine sportliche Aktivität

Wettkampfmäßig durchgeführte Computerspiele entsprechen in der Regel nicht den zentralen Aufnahmekriterien des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB).

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ESL One Hamburg

(Bild: dpa, Daniel Bockwoldt)

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hat am Montag nach einer "intensiven und kontroversen" internen Debatte seine seit Langem erwartete Linie zu E-Sport veröffentlicht. Er unterscheidet demnach zwischen "elektronischen Sportartensimulationen", die ihm förderwürdig erscheinen, sowie "E-Gaming". Unter letzterem versteht der DOSB "all die anderen virtuellen Spiel- und Wettkampfformen" wie das gegenseitige Messen etwa in Counter Strike, League of Legends oder virtuellen Kartenspielen.

E-Gaming erkennt der Verbund laut seinem Beschluss "zwar als Teil einer modernen Jugend- und Alltagskultur an, nicht jedoch als eigenständige sportliche Aktivität". In ihrer Gesamtheit entsprechen solche wettkampfmäßige Betätigungen an Konsolen und Bildschirmen nach festgelegten Regeln demnach "nicht den zentralen Aufnahmekriterien entspricht, die das Sport- und Verbändesystem unter dem Dach des DOSB konstituieren und prägen".

Die Sportfunktionäre sehen in diesem Sinne keine Notwendigkeit, eigenständige E-Gaming-Abteilungen in Vereinen einzurichten, und damit "bis auf weiteres auch keine Organisations- und Meldepflichten" für einschlägige Angebote. Man unterstütze zwar "die Entwicklung von Qualifizierungen und von pädagogischen Konzepten für den Umgang mit E-Gaming", um die "außersportlichen Angebote und die gesellschaftliche Verantwortung von Vereinen und Verbänden" zu erweitern. Präsidium und Vorstand wollen aber zugleich "konsequent" darauf hinwirken, dass innerhalb des Verbunds keine E-Gaming-Aktivitäten angeboten werden, "die dem anerkannten Wertekanon des DOSB-Sportsystems nicht entsprechen".

Die nach eigenen Angaben "größte Bürgerbewegung Deutschlands" mit 101 Mitgliederorganisationen sieht zudem aktuell keinen Anlass, die Abgabenordnung zu ändern und mit E-Gaming beziehungsweise E-Sport einen Bereich aufzunehmen, "der vor allem kommerziellen Verwertungsinteressen folgt". Der DOSB begrüßt zudem ausdrücklich die Ansage Internationalen Olympischen Komitees (IOC) vom Juli, wonach dieses E-Sport derzeit nicht anerkennen wolle. Zuvor hatte DFB-Präsident Reinhard Grindel wettbewerbsmäßiges Videospielen als "absolute Verarmung" abgetan.

"Virtuellen Sportarten", also dem Spielen etwa von Fußball, Bogenschießen, Segeln, Basketball oder Tennis am Computer, misst der DOSB dagegen eine wichtige Bedeutung zu. Damit lasse sich der Sport insgesamt weiterentwickeln. Es sollten daher "Strategien zur Entwicklung von Sportarten im virtuellen Raum und von passgenauen Instrumenten zur Vereinsberatung und -entwicklung in den Verbänden" entwickelt werden.

Der E-Sport-Bund Deutschland (ESBD) bemängelt "viele Unstimmigkeiten, Inkonsistenzen und Verständnisfehler" in dem Positionspapier, mit dem der DOSB "komplett an der gesellschaftlichen Realität" vorbeigehe und sich deutlich gegen die junge E-Sport-Bewegung stelle. Die getroffenen Abgrenzungen seien "völlig unsachlich und verwirrend". Ähnlich äußerte sich der Verband der deutschen Computerspiele-Industrie Game. Er warf dem DOSB vor, E-Sport nicht verstanden zu haben. Die Zusagen aus dem Koalitionsvertrag müssten trotzdem umgesetzt werden.

Schwarz-Rot hat sich darin vorgenommen, das Thema E-Sport bekannter zu machen und ihm eine "olympische Perspektive" aufzuzeigen. Dorothee Bär, Staatsministerin für Digitalisierung im Bundeskanzleramt, bekundete vorige Woche die Absicht, an diesem Ziel festzuhalten. "#esport ist Sport", twitterte die CSU-Politikerin nach einem Treffen mit Vertretern des ESBD. "So einfach ist das." (Stefan Krempl) / (axk)

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