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Online-Spionage "alltäglicher Wahnsinn des Internet"

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Die vermutlichen Spionage-Angriffe auf deutsche Regierungscomputer sind eigentlich keine Überraschung. "Experten wissen schon lange, dass es solche Angriffe gibt", sagte der Sicherheitsexperte Christoph Fischer der dpa. Auch chinesische Hacker seien stark vertreten. China soll auch hinter den Attacken auf Computer des Kanzleramtes und drei Ministerien stecken, was die chinesische Botschaft in Deutschland aber dementierte. Der chinesische Ministerpräsident versprach gar "entschlossene Maßnahmen", um Hacker-Angriffe auszuschließen.

Fischer sagte, heute vergehe kein Tag mehr, an dem nicht jeder Internet-Nutzer mit Trojaner-Programmen bombardiert werde. "Das ist der ganz alltägliche Wahnsinn des Internet." Der Chaos Computer Club (CCC) geht davon aus, dass das Ausmaß der Online-Angriffe gar nicht genau abgeschätzt werden kann. "Es reicht nicht aus, zu beobachten, welche Daten aus und ein gehen", sagte Club-Sprecher Andy Müller-Maguhn. "Trojaner können auch Daten auf einem Computer manipulieren, ohne dass ein Anwender davon etwas mitbekommt." Nach Informationen des Spiegel wurden zahlreiche Computer des Kanzleramts sowie des Außen-, Wirtschafts- und Forschungsministeriums infiziert. Als besten Schutz empfahl Fischer, zwei Rechner zu nutzen: einen für das interne Netzwerk, den anderen für die Internet-Verbindung.

Der CCC betonte, die Vorfälle verdeutlichten, "auf welches Teufelszeug sich die Regierung mit dem Bundestrojaner eingelassen" habe. "Das sind Werkzeuge, die normalerweise von osteuropäischen Banden eingesetzt werden, um betrügerische Bankgeschäfte vorzunehmen." Der Sprecher des CCC kritisierte in diesem Zusammenhang erneut, dass der Gesetzgeber im Zusammenhang mit der Bekämpfung der Computerkriminalität Anfang August den Einsatz so genannter Hackertools unter Strafe gestellt habe. "Es stehen jetzt quasi keine legalen Werkzeuge mehr zur Verfügung, um Angriffe aus dem Internet wirksam abzuwehren." Zuvor hatten sich auch Fachverbände wie die Gesellschaft für Informatik gegen eine mögliche Kriminalisierung von Informatikern eingesetzt, die die Sicherheit eines Netzes auch durch den Einsatz von Hacker-Werkzeugen testen müssten.

Ausländische Dienste versuchen nach dem jüngsten Bericht des Verfassungsschutzes schon seit vielen Jahren, in Deutschland sensible Informationen aus Politik, Wirtschaft und Militär zu beschaffen. Die Bundesrepublik sei aufgrund ihrer geopolitischen Lage, ihrer Rolle in der Europäischer Union (EU) und NATO sowie als Standort von Spitzentechnologie ein bedeutendes "Aufklärungsziel" für fremde Staaten, heißt es darin. Der Verfassungsschutzbericht 2006 verweist insbesondere auf Russland und Weißrussland sowie China, Nordkorea und einige Länder des Nahen und Mittleren Ostens.

Eine bewährte Methode der Informationsbeschaffung ist nach Einschätzung des Verfassungsschutzes weiterhin, Geheimdienstagenten als Diplomaten oder Journalisten zu tarnen. China setzt nach Einschätzung des Verfassungsschutzes sowohl in seiner Botschaft in Berlin als auch in seinen Konsulaten in Hamburg, München und Frankfurt/Main Geheimdienstler ein, die als Diplomaten getarnt sind.

Die Informationsbeschaffung aus dem Ausland obliege in Peking dem Ministerium für Staatssicherheit (MSS) und dem Militärischen Informationsdienst (MID), heißt es weiter in dem Bericht. Das MSS interessiere sich für die Bereiche Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Technik und Forschung, das MID für militärspezifische und sicherheitspolitische Informationen. Generell ist China laut Verfassungsschutzbericht an allen technologischen Innovationen in Deutschland interessiert.

Siehe zu dem Thema auch:

Einen ausführlichen Einblick in die neuen Ausführungen des Bundesinnenministeriums zu den Plänen für Online-Razzien bieten jüngste Meldungen im heise-Newsticker und ein Bericht in c't Hintergrund:

Die heimliche Online-Durchsuchung von Computern stößt bei vielen Datenschützern und Juristen auf Skepsis. Sie melden grundsätzliche Bedenken an und warnen vor eventuell angestrebten Grundgesetzänderungen. Siehe dazu:

(Renate Grimming, Christoph Dernbach, dpa) / (jk)

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