Online-Therapien gegen Suchtkrankheiten

Alkohol- und Drogenabhängige können auch zu Hause am Computer Hilfe erfahren. Immer mehr Studien zeigen, dass Online-Therapien für sie nicht minder wirksam als Sitzungen beim Therapeuten sind. Das gilt auch für die Behandlung vieler psychischer Probleme.

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Von
  • Susanne Donner

Bisher galt, dass sich Suchtkranke nur in Kliniken von ihrem Laster befreien lassen können. Doch auch Online-Therapien sind bei Alkohol- und Drogenabhängigkeit erstaunlich wirksam, schreibt Technology Review in seiner neuen Juli-Ausgabe (hier im Heise Shop die neue Technology Review 07/2015
und am Kiosk erhältlich). „Platt gesprochen schießt man da die Flaschen mit Alkoholika vom Bildschirm und wird dafür belohnt“, berichtet Heino Stöver, Direktor des Instituts für Suchtforschung in Frankfurt. Was unglaubwürdig klingen mag, hat eine fundierte Erklärung: „Unser Verhalten beruht auf sehr vielen Automatismen, die mithilfe solcher verhaltenstherapeutischer Ansätze am Computer umgelernt werden können.“

Ob Internet-Therapien das Verlangen dauerhaft lindern können, steht zwar noch nicht abschließend fest. Aber mehrere Studien an insgesamt mehr als 1500 Patienten zeigen bedeutende Erfolge: Nach einer Online-Behandlung konsumieren Alkoholabhängige sogar weniger Alkohol als nach einer herkömmlichen Entzugstherapie. Viele weitere klinische Studien belegen, dass Online-Therapien recht wirksam sein können. Untersuchungen mit insgesamt weit mehr als 3000 Teilnehmern zufolge helfen sie besonders auch gegen leichte und mittelgradige Depressionen und Angsterkrankungen wie Flugangst und Spinnenphobie. Depressive Symptome nehmen ab, die Probanden werden aktiver und munterer. Sogar dem Rückfall kann die Kur am PC einer Studie zufolge vorbeugen.

Nicht alle Psychotherapeuten sind von den Online-Therapien überzeugt. Viele halten eine vertrauensvolle persönliche Beziehung für die Basis einer wirksamen Behandlung. Deshalb taugten die Internetangebote allenfalls als Ergänzung. „Es geht nicht darum, beide Möglichkeiten gegeneinander auszuspielen“, sagt dagegen Dirk Lehr, forschender Psychotherapeut an der Universität Lüneburg. „Es gibt Patienten, für die online besser passt, weil sie sich um ein Kleinkind oder einen Pflegebedürftigen kümmern, und andere, denen die klassische Therapie eher hilft.“

Mehr dazu in der aktuellen Ausgabe von Technology Review 07/2015:

(vsz)