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Technology Review

Online-Werbespezialist kritisiert profiloptimierte Reklame in sozialen Netzwerken

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Stephan Noller, Vorstand Produkt & Technologie beim Berliner Online-Werbedienstleister Nugg.ad, sieht den aktuellen Trend bei den "Social Networking"-Anbietern, dank Nutzerdaten zielgerichtete Werbung zu schalten, als problematisch an. "Ich bin selbst begeisterter Nutzer mehrerer solcher Netzwerke und habe durchaus einen Mehrwert aus der sich ergebenen Vernetzung. Ich ärgere mich allerdings über dumme Angebote, die tolldreist die Nutzerprofile zur Vermarktung freischalten wollen – wie zum Beispiel das Modell, das Facebook kürzlich vorgestellt hat", sagte Noller im Interview mit der Online-Ausgabe des Technologiemagazins Technology Review. Zuvor waren sowohl der deutsche Marktführer StudiVZ als auch Facebook kritisiert worden, bei der Verwertung der Nutzerdaten nicht sorgsam genug vorzugehen.

Die Abstimmung von Werbung auf Nutzerprofile sei bei weitem nicht so leicht, wie sich das die Betreiber vorstellten, sagte Noller weiter. "So einfach wie das klingt, ist es nicht – selbst wenn es überhaupt keine Datenschutzbedenken gäbe. Tatsächlich ist das meiste, was in den Profilen von sozialen Netzwerken steht, untauglich für Werbeschaltungen, zumindest wenn man die Werbung direkt darauf abstimmen will." Zudem sei unklar, ob sich solche Kampagnen überhaupt lohnten. Mediaagenturen seien an derart detaillierten Daten gar nicht interessiert. "Es rechnet sich schlicht nicht, Werbung an derart feingliedrige und kleine Gruppen auszuliefern, denn die Werbung muss ja geplant, erzeugt und gesteuert werden." Das laufe selbst bei Massenkampagnen manchmal schief: "Mikrokampagnen wären daher ein reines Verlustgeschäft für diese Player." Außerdem funktioniere Werbung so gar nicht – Reklame müsse an Massen ausgeliefert werden und das oft bewusst unscharf. "Das Bedürfnis soll ja erst geweckt werden", sagte Noller.

Das ganze Interview in Technology Review online:

(bsc)