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Online statt Print: "Tageszeitung" soll im Netz weiterleben

Die "taz" war schon früh im Internet präsent. Nun will ihr Geschäftsführer die Zeitung für die Nach-Print-Ära fit machen.

Online statt Print: "Tageszeitung" soll im Netz weiterleben

"taz zahl ich" heißt das taz-Geschäftsmodell, das auf Solidarität setzt.

(Bild: Screenshot von taz.de)

"Das Zeitalter der gedruckten Zeitung ist zu Ende, der Journalismus lebt im Netz weiter." Das schreibt Karl-Heinz Ruch, Geschäftsführer und Mitbegründer der Tageszeitung (taz). Unter dem Schlagwort "Szenario 2022" ruft er die Mitglieder der Verlagsgenossenschaft auf, Vorschläge für eine Strategie der digitalen Publizistik einzureichen. So soll die Zeitung rechtzeitig darauf vorbereitet sein, "dass der tägliche Druck und Vertrieb der Papier-taz bald nicht mehr möglich sein könnte", schreibt Ruch in einem Rundschreiben an die Genossenschaftler.

Als Beispiel führt er den österreichischen Pressevertrieb Morawa an, der Mitte Juni bekannt gegeben habe, den Vertrieb von Tageszeitungen nach 140 Jahren zum Ende 2018 einzustellen. Die Verkaufserträge spielten die Vertriebskosten nicht mehr herein. Zeitungen würden am frühen Morgen an die Kioske ausgeliefert, um am Abend zu neunzig Prozent wieder als Altpapier dort eingesammelt zu werden, schreibt Ruch.

"Praktisch jede Printpublikation – von FAZ bis taz, von Spiegel bis Zeit – hat inzwischen eine digitale Publikationsstrategie", erläutert Ruch weiter. Auch die taz konzentriere sich längst nicht mehr nur auf einen Redaktionsschluss für die Printausgabe, sondern produziere stetig online aktuelle Nachrichten. Bereits 1994 habe die taz ihre komplette Druckausgabe ins Internet gestellt. Nun sei es an der Zeit, an die Nach-Print-Ära zu denken, in der mit den Umsätzen der täglich gedruckten taz auch erhebliche Kosten für Druck und Vertrieb wegfielen.

Die taz-Redaktion werde bis 2022 noch einmal alle publizistischen Angebote weiterentwickeln und verbessern, um passgenaue Produkte anbieten zu können, kündigte Ruch an. "Unsere LeserInnen werden neue Gewohnheiten entwickeln müssen, wenn die taz unter der Woche nicht mehr morgens im Briefkasten, sondern als elektronisches Dokument im E-Paper oder im Internet auf taz.de jederzeit erreichbar ist. Dieser Transformationsprozess erfordert Offenheit von allen und eine transparente Kommunikation nach innen und außen." (anw)

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