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Onlineambulanz für Internetsüchtige: Onlinespiele, Cybersex und soziale Medien

Seit einem guten Jahr bietet die Medienambulanz für Computersüchtige in Bochum eine Online-Ambulanz an. Jetzt gaben die Bochumer Betreiber einen Einblick in die Probleme ihrer Klienten. Das größte Gefahrenpotenzial geht demnach von Onlinespielen aus.

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Netzwerk-Switch

(Bild: dpa, Jim Hollander/Archiv)

Seit die Medienambulanz für Computersüchtige in Bochum im Sommer 2016 ihr Onlineangebot OASIS eröffnete, zählte die virtuelle Ambulanz bereits rund 15.000 Registrierungen. Der vom Bundesministerium für Gesundheit geförderte Dienst bietet zum Einstieg einen Selbsttest, bei dem Besucher feststellen können, ob ihre Internetnutzung bereits problematische Züge angenommen hat; in einem speziellen Test für Angehörige kann man prüfen, ob eine Person im eigenen Umfeld an Internetsucht leidet. Sollte der Test entsprechend ausfallen, gibt es die Option, per Webcam Sprechstundentermine wahrzunehmen, die den Verdacht erhärten oder zerstreuen können und dabei helfen, Behandlungsmöglichkeiten vor Ort zu finden.

Das Angebot findet wohl unter anderem durch die anfängliche Anonymität und die Distanz zu den Therapeuten Anklang. Nach dem ersten Jahr lässt sich zudem festmachen, dass sich die größte Gefährdungsgruppe aus Jugendlichen und jungen Männern zusammensetzt, die Onlinespiele spielen. Die beiden zweitgrößten Gruppen stellen Männer, die von Cybersex und Frauen, die von sozialen Medien abhängig sind. Laut Ambulanzleiter Dr. Bert te Wildt üben Onlinespiele durch ihre unendlichen Spielwelten, viele Mitspieler und Aufstiegsmöglichkeiten einen speziellen Reiz auf diejenigen aus, die sich so in eine Heldenrolle versetzen können, die sie im realen Leben nicht einnehmen.

Die Medienambulanz der Bochumer Uniklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie gibt es mittlerweile seit fünf Jahren, Träger ist der kommunale Landschaftsverband Westfalen-Lippe. Ähnliche Angebote sind deutschlandweit zu finden, wobei es bisher wenige telemedizinische Varianten gibt. Bekannt sind hier neben OASIS beispielsweise das an Jugendliche gerichtete "Das andere Leben" des Jugendportals für maßvollen Computerspiel- und Internetgebrauch der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. 2008 wurde der Fachverband für Medienabhängigkeit gegründet, um Betroffene besser unterstützen zu können. Experten schätzen die Zahl der Internetabhängigen in Deutschland auf etwa eine halbe Million Menschen. (jul)

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